Alkoholabhängigkeit (Teil 1 und 2): Prost !

 

Der Fasching steht vor der Tür und damit auch die Zeit von ausgelassenen Partys und fröhlichen Straßenumzügen. Oft trägt auch etwas mehr Alkohol zur guten Stimmung bei. Eigentlich kein Problem, denn normalerweise ist dann ja auch am Aschermittwoch wieder alles vorbei – wie es immer so schön heißt.

 

Für rund  4,5 Millionen Deutsche ist dies allerdings nicht der Fall, sie sind alkoholabhängig.

Weitere 8 Millionen konsumieren Alkohol riskant, sind also stark suchtgefährdet. 70 % aller Straftaten werden unter Alkoholeinfluss begangen, ebenso jeder sechste Verkehrsunfall.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung berichtet von  40.000 Todesfällen als Folge eines übermäßigen Alkoholkonsums und der volkswirtschaftliche Schaden beträgt jährlich geschätzte  30 Milliarden Euro  ( Therapiekosten, med. Behandlungen, Krankenstand, Arbeitsunfähigkeit, Frühberentung ). Somit ist die Alkoholsucht eines der größten gesellschaftlichen Probleme in Deutschland und nach dem Rauchen das am weitesten verbreitete Suchtmittel.

 

 

Die Grenze, an der der Genuss aufhört und die Sucht beginnt, ist fließend. Man versucht die Abhängigkeit an verschiedenen Faktoren festzumachen. Treffen drei oder mehr der folgenden Kriterien zu, spricht man von einer Abhängigkeit :

 

1.  Es besteht ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu trinken.

 

2.  Man kann die Menge, den Beginn oder das Ende des Konsums nicht mehr       kontrollieren.

 

3.  Es treten Entzugssymptome auf, wenn der Konsum reduziert oder gestoppt wird.

 

4.  Es kommt zu einer Toleranzentwicklung, d.h. durch die Gewöhnung an den Alkohol muss die Trinkdosis gesteigert werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

 

5.  Es ist ein bestimmtes Verhaltensmuster durch den Alkoholkonsum entstanden, z.B. der Tagesplan  richtet sich danach aus, regelmäßig trinken bzw. sich wieder vom Konsum erholen zu können. Andere Interessen und Tätigkeiten werden zunehmend vernachlässigt.

 

6.  Der Alkoholkonsum wird fortgeführt trotz klarer Hinweise auf negative körperliche, psychische oder  soziale Folgen.

 

 

Die Ursachen für die Entstehung dieser Erkrankung sind individuell. Zum einen ist die Persönlichkeitsstruktur des Einzelnen entscheidend.

Menschen, die unter Minderwertigkeitskomplexen  und Selbstunsicherheit leiden, die ihre Probleme versuchen zu verdrängen und Schwierigkeiten im Kontakt mit ihren Mitmenschen haben, sind eher gefährdet.

Zum anderen tragen Einflüsse von außen dazu bei, z.B. Arbeitslosigkeit, Trennungen, Schmerzen, Einsamkeit, chronische Erkrankungen, Probleme in Partnerschaft oder Familie, sowie Stress und Druck am Arbeitsplatz.

Ob erbliche Faktoren auch eine Rolle spielen, darüber sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Viele Alkoholiker haben oder hatten bereits Suchtkranke in der Familie. Unklar ist jedoch, ob das Suchtverhalten tatsächlich vererbt, oder eher erlernt / abgeguckt ist. Neue Untersuchungen belegen auch eine genetische Disposition. So sollen Veränderungen in einem bestimmten Gen die Anfälligkeit für einen gesteigerten Alkoholkonsum zumindest beeinflussen. Dieses Gen ist für ein Protein verantwortlich, welches bei der Verarbeitung von Stress und der Steuerung von Gefühlen eine Rolle spielt.

 

Alkohol ist in unserer Kultur eine gesellschaftlich anerkannte, einfach und billig zu beschaffende Droge, deren Konsum in bestimmten Situationen als normal erachtet und teils sogar erwartet wird.

So ist Alkohol bei den meisten Deutschen fest in den Alltag integriert. Die zwei Bierchen zum Feierabend, die Flasche Wein zum Essen und danach ein Verdauungsschnaps gehören für viele schon zum Tagesablauf.

Eine Familienfeier, ein Betriebsfest oder eine Sportveranstaltung ohne Alkohol – nahezu undenkbar ! Gerade die „Trinkfestigkeit“ bei Männern gilt als bewundernswert und männlich und ein richtiger Vollrausch eher als „Kavaliersdelikt“.

 

Für Kinder und Jugendliche ist es oft sehr leicht, an Alkohol heranzukommen. Der manchmal bittere und scharfe Geschmack von Alkohol wird in Mixgetränken durch den Zusatz von Zucker und Fruchtsäften ( Alkopops ) kompensiert. Für viele Jugendliche ist der tägliche Griff zur Flasche völlig normal. Ín einer Berliner Schule wurden in mehreren neunten Klassen bei rund 30 % der Schüler Restalkohol im Blut festgestellt.

 

Die Mediziner teilen die Ausprägungen der Alkoholkrankheit in verschiedene Erscheinungsformen ein, um geeignete Behandlungsmöglichkeiten und Therapieansätze festzulegen :

Der Alpha-Typ ist der Erleichterungstrinker. Er trinkt, um innere Spannungen, Konflikte, Verzweiflung oder Kummer zu beseitigen, bzw. zu vergessen. Die Menge ist abhängig von der jeweiligen Stress-Situation. So kann bald eine psychische Abhängigkeit entstehen. Alphatrinker sind ( noch ) nicht alkoholkrank, aber stark gefährdet, falls es ihnen nicht gelingt, ihre Probleme in den Griff zu bekommen.

Der Beta-Typ ist der Gelegenheitstrinker, der gerade in Gesellschaft anderer große Mengen trinkt. Meist bieten ihm soziale Anlässe die Ausrede für seinen hohen Alkoholkonsum, z.B. Partys, Volksfeste, Familienfeiern. Er pflegt einen „alkoholnahen“ Lebensstil, der häufig zu gesundheitlichen Schäden führt. Auch er ist stark gefährdet, physisch und psychisch abhängig zu werden.

Der Gamma-Typ ist bereits körperlich und seelisch vom Alkohol abhängig. Starke Rauschzustände wechseln sich mit Phasen zeitweiliger Abstinenz ab.

Der Delta-Typ ist der „Spiegeltrinker“. Er benötigt täglich eine gewisse Menge, um Entzugserscheinungen zu vermeiden. Oft bleibt er lange Zeit sozial unauffällig ( „funktionierender Alkoholiker“ ) , weil er selten erkennbar betrunken ist. Gerade Frauen zählen oft zu diesem Typ.

Durch das ständige Trinken entstehen körperliche Folgeschäden. Deltatrinker sind nicht abstinenzfähig und zählen somit zu den Alkoholabhängigen.

Der Epsilon-Typ wird gerne als „ Quartalssäufer“ bezeichnet. In unregelmäßigen Abständen kommt es bei ihm zu Phasen mit exzessivem Trinken, das Tage oder Wochen andauern kann. Dazwischen gelingt es ihm aber auch, monatelang abstinent zu bleiben.

 

Keiner wird von heute auf morgen alkoholabhängig. Die typische Alkoholkrankheit nimmt meist einen bestimmten Verlauf :

Nachdem der Betroffene über einen gewissen Zeitraum immer mehr und immer häufiger getrunken hat, kommt es zu ersten Erinnerungslücken.

Er denkt ständig an Alkohol und trinkt gierig, d.h. die ersten beiden Gläser werden hastig heruntergekippt.

Der Betroffene merkt, dass sein Trinkverhalten von der Norm abweicht und entwickelt zunächst Schuldgefühle. Zunehmend fällt auch seiner Umgebung ( Kollegen, Partner ) etwas auf und er beginnt heimlich zu trinken.

Bald tritt ein Kontrollverlust ein. Jeder kleine Schluck Alkohol löst sofort ein Verlangen nach „mehr“ aus und er trinkt, bis er nicht mehr kann. Er ist nicht mehr  imstande, seinen Alkoholkonsum willentlich zu beeinflussen. Er beginnt nun Ausreden für sein Trinkverhalten zu suchen und zeigt oft nach außen eine übergroße Selbstsicherheit und Imponiergehabe, um anderen ( aber auch sich selbst ) zu beweisen, dass sein Verhalten normal ist und er das Thema Alkohol voll im Griff hat.

Wird er auf seinen hohen Alkoholkonsum angesprochen, reagiert er oft aggressiv. Alle Gedanken konzentrieren sich zunehmend auf den Alkohol.

Der Tagesablauf richtet sich mehr und mehr auf die Möglichkeit zu einem ungestörten Trinken aus. Nun beginnt der Betroffene bereits morgens zu trinken, da er den Tag nicht mehr ohne Alkohol bewältigen kann. Immer häufigere Krankmeldungen am Arbeitsplatz führen zu Abmahnungen und zur Kündigung.

Freundschaften und Familienleben werden vernachlässigt.

Der Betroffene versucht sich einen ständigen Vorrat an Alkohol zu sichern und legt dafür Verstecke an unmöglichen Orten an.

Frühere Hobbys und Interessen gehen verloren und es entwickelt sich ein auffälliges

Selbstmitleid.  Das Familienleben ändert sich, es gibt nahezu täglich Streit und manchmal kommt es auch zu Gewalttaten.

 

Irgendwann folgen die erste Krankenhauseinweisung wegen alkoholbedingter Beschwerden (  Bewusstlosigkeit ) oder Unfällen.

Der Alkoholkranke vernachlässigt seine Ernährung und oft auch sein Äußeres. Der soziale Abstieg beginnt.

Er ist nun fast ständig betrunken. Trinken wird zur Besessenheit. Er trinkt ständig, überall und auch mit Personen, die früher unter seinem Niveau waren.  Zu dieser Zeit setzt gewöhnlich auch der Verlust der Alkoholtoleranz ein, d.h. der Alkoholiker verträgt immer weniger.

Neben den körperlichen Entzugserscheinungen ( Zittern, Schweißausbrüche ) können auch starke undefinierbare Angstzustände und Geistesstörungen (  z.B. Eifersuchtswahn ) auftreten.

Am Ende steht dann der völlige Zusammenbruch und die Einweisung  in eine  (Entgiftungs - ) Klinik ist für ihn lebensrettend.

 

So kann, aber muss es nicht ablaufen. Einsicht, dass es so nicht weitergeht und dass man Hilfe benötigt, sowie eine Behandlung, sind natürlich jederzeit möglich !

 

 

                                                                         

                                                    

                                                                      

 

 

Nachdem es in der letzten Ausgabe um die Ursachen, die Erscheinungsformen und den Verlauf einer Alkoholabhängigkeit ging, dreht es sich diesmal um die Folgen der Sucht, die Behandlungsmöglichkeiten und den Begriff der Coabhängigkeit.

 

Ein langfristiger Alkoholmissbrauch führt zu zahlreichen chronischen Folgekrankheiten. Die körperlichen Schäden werden überwiegend durch ein hochgiftiges Stoffwechselprodukt des Alkoholabbaus in der Leber ( Azetaldehyd ) hervorgerufen, das schwere Leberschäden ( Fettleber, Leberzirrhose, Alkoholhepatitis ) nach sich zieht.

Ferner kommt es häufig zu Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, der Magenschleimhaut und der Speiseröhre.

Das Herz – Kreislauf – System ist ebenfalls betroffen und reagiert mit  Bluthochdruck und Herzmuskelerkrankungen.

 

Alkoholkonsum beeinträchtigt zudem Gehirn und Nervensystem. Die Folge sind neurologische Schädigungen, wie Nervenentzündungen, Kleinhirnschädigung, epileptische Anfälle und Psychosen.

Gefährlich und unter Umständen lebensbedrohlich sind das „delirium tremens“ mit Angstzuständen, Wahnbildern und massivem Wirklichkeitsverlust und das so genannte „Korsakow-Syndrom“ mit Verlust der Orientierung, der Körperkontrolle und der Gedächtnisleistung.

Unbehandelt führt die Alkoholkrankheit meist zum Tod.

 

Die Behandlung von alkoholkranken Menschen wird in der Öffentlichkeit leider oft als aussichtslos angesehen. Wissenschaftliche Untersuchungen kommen jedoch zu positiveren Ergebnissen. Der Erfolg hängt meist weniger von der Art und Dauer der Therapie ab, als vielmehr von der Motivation des Süchtigen.

Trotzdem hat sich erwiesen : je früher eine Alkoholkrankheit behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten.

Günstige Auswirkungen auf einen Therapieerfolg haben außerdem eine intakte Partnerschaft, bzw. Familie, ein Beschäftigungsverhältnis und eine Langzeittherapie mit regelmäßigem Besuch einer Selbsthilfegruppe.

So schaffen es zwischen 50 und 70 Prozent aller Patienten langfristig abstinent zu bleiben.

 

Allerdings : Rückfälle sind häufig und es kommt sogar noch nach Jahren oder Jahrzehnten dazu. Eine Heilung im eigentlichen Sinne gibt es somit nicht. Die Krankheit kann nur durch Abstinenz gestoppt, aber nicht geheilt werden.

 Vor allem Selbsthilfegruppen ( Anonyme Alkoholiker, Blaues Kreuz, Guttempler ) bieten sachkundige Unterstützung und Hilfe.

Denn die Versuchung ist groß : fast täglich gibt es Ereignisse im Alltag, die mit Alkohol begossen werden und es gehört ein starker Wille dazu, dann zu verzichten. Aber : wer einmal alkoholabhängig war, ist nie mehr in der Lage kontrolliert Alkohol zu konsumieren !

 

Besonders wichtig für einen langfristigen Therapieerfolg und um Rückfälle möglichst zu vermeiden, ist es, dass Abhängige die persönlichen Probleme angehen, die zu ihrer Alkoholkrankheit geführt haben. So helfen psychotherapeutische Einzel – oder Gruppentherapie, sowie Ehe – und Familientherapie dem Betroffenen die persönlichen und sozialen Defizite zu beseitigen, die er bisher versuchte mit Alkohol zu betäuben oder zu lösen.

 

Der erste und entscheidende Schritt der aus der Alkoholabhängigkeit führt, ist jedoch das Eingeständnis des Betroffenen, dass er ein Problem hat und Hilfe benötigt.

Gute und geeignete Ansprechpartner hierfür sind die Suchtberatungsstellen ((Adressen über Gesundheitsämter, Hausärzte und im Internet ).

In einem vertraulichen Gespräch kann man sich dort informieren und das weitere Vorgehen besprechen. Sollte ein Aufenthalt in einer Fachklinik notwendig sein, werden dann alle erforderlichen Schritte eingeleitet. ( Erstellung eines Sozialberichtes, Einholen eines ärztlichen Gutachtens, Klärung der Kostenübernahme ).

 

Als nächstes wird durch einen Facharzt entschieden, ob eine stationäre Entgiftung nötig ist. Bei einem Alkoholentzug wird der Alkohol abrupt abgesetzt. Dabei können heftige bis lebensbedrohliche Entzugserscheinungen auftreten, die nur in einer Klinik mit Hilfe von Medikamenten bewältigt werden können. Der Aufenthalt hier dauert ca. 14  Tage, dann hat der Patient den Entzug überstanden und sein Körper ist von Alkohol entgiftet.

 

Direkt anschließend beginnt die eigentliche Therapie, die Langzeitentwöhnung, die meist in einer psychosomatischen Klinik, manchmal auch ambulant  (Tageseinrichtungen ) stattfindet.

Sie dauert zwischen drei und sechs Monaten und der Kranke wird in dieser Zeit von Ärzten, Psychotherapeuten, Sozialpädagogen und Ergotherapeuten betreut.

Neben therapeutischen Gesprächen sind auch Aktivitäten wie Arbeit, Hobbies, Sport oder künstlerische Tätigkeiten von großer Bedeutung.

Dadurch werden dem Betroffenen neue und  andere Lebensinhalte vermittelt und er wird auf seinen Alltag zuhause vorbereitet.

Nach dieser Entwöhnungsphase ist dann, die bereits oben erwähnte Nachsorge  mit ambulanter Therapie und Selbsthilfegruppen sinnvoll , um den erreichten Zustand dauerhaft zu stabilisieren.

 

Jeder, der mit einem Alkoholiker in Verbindung steht, wird auf irgendeine Weise von dessen Krankheit beeinflusst. Die direkten Folgen betreffen seine Familie ,- die Menschen, die sein Leben und seine Krankheit mit ihm teilen.

 Da sich eine Abhängigkeit schleichend entwickelt, bemerken Angehörige lange nicht, dass all ihre Unterstützungen und Bemühungen dem Suchtkranken zu helfen, dessen Suchtverhalten eigentlich nur verstärken und verlängern.

In Fachkreisen hat man hierfür den Begriff der „Coabhängigkeit“ geprägt.

 

Coabhängiges Verhalten zeigen Bezugspersonen, die :

·         Verantwortung für den Alkoholiker übernehmen und ihn kontrollieren, indem sie Alkoholvorräte suchen und vernichten, versuchen denjenigen von Alkohol und Trinkanlässen fernzuhalten, ihn in seinen Stammkneipen suchen und nach Hause bringen, die Autoschlüssel verstecken usw.

 

·         sein Verhalten rechtfertigen, vor anderen verbergen oder entschuldigen. Wer gibt schon gerne zu, dass ein Familienmitglied Alkoholiker ist und wer fürchtet nicht die Reaktion der Umgebung darauf ? Deshalb wird alles getan, um den Schein nach außen zu wahren.

 

 

·         dem Süchtigen Belastungen abnehmen und ihn von Pflichten entbinden.  Damit die Familie nicht zunehmend im Chaos versinkt, sind die Lebenspartner oft bereit, sich um alles zu kümmern, notwendige Entscheidungen allein zu treffen und die Aufgaben des Abhängigen in der Familie zu übernehmen.

 

Diese Verhaltensweisen führen zum einen dazu, dass der Alkoholkranke nie die negativen Auswirkungen seines Suchtverhaltens erfährt und somit auch lange Zeit nicht einsieht, dass er überhaupt ein Alkoholproblem hat.

Zum anderen kommt es auch zu einer ungünstigen Abhängigkeit zwischen dem Betroffenen und seinen „Helfern“, was sich vor allem in einer Partnerschaft ungünstig auswirkt.

 

Coabhängige Menschen verbrauchen ihre Kräfte bis zur Erschöpfung, denn sie müssen, um die Betreuung des Suchtkranken zu gewährleisten, ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen vollständig aufgeben und doch müssen sie irgendwann erkennen, dass ihre Bemühungen nur dazu führen, dass der Alkoholkranke noch tiefer in die Sucht abgleitet. Deshalb gilt : Alles unterlassen, was die Sucht direkt oder indirekt unterstützt und somit verlängert !

 

Verständnis für einen Süchtigen darf nicht bedeuten, dass dessen Verhalten und die Auswirkungen auf die eigene Person toleriert werden. Es sollten klare Grenzen gesetzt werden, was in Kauf genommen wird und was nicht. Werden diese Grenzen nicht eingehalten, ist es wichtig, rechtzeitig und verbindlich zu sagen, wie man darauf reagieren wird. Sonst entsteht ein Teufelskreis aus Drohungen, Erpressungen und Nachgeben.

 

Um sich von coabhängigen Verhaltensmustern zu befreien, ist es für die Angehörigen sinnvoll und oft eine große Hilfe, sich ebenfalls Unterstützung bei Fachleuten ( Suchtberatungsstellen, Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen „ Al Anon“ ) zu holen.

 

Kinder von Alkoholkranken leiden besonders unter der familiären Situation. Sie haben kaum Chancen sich darüber auszusprechen und versuchen oft, den trinkenden Elternteil auch noch in Schutz zu nehmen.

Sie entwickeln bereits frühzeitig coabhängiges Verhalten, um sich die Liebe und Zuneigung des süchtigen Elternteils zu erhalten. Sie werden zum Beispiel zunehmend isoliert, da sie es sich nicht trauen, Freunde zum Spielen mit nach Hause zu bringen.

 

Kinder aus Familien mit Alkoholproblemen entwickeln regelrechte Überlebensstrategien für sich und übernehmen unbewusst „Rollen“, um das Familienleben wieder in die Balance zu bringen :

Das „ Heldenkind“ übernimmt zunehmend die Aufgaben der Erwachsenen, führt z.B. den Haushalt, versorgt jüngere Geschwister.

Der „Sündenbock“ fällt negativ auf, beispielsweise durch schlechte Schulleistungen oder Aggressivität, um die Familie und Außenwelt von der eigentlichen „Problemperson“ abzulenken. Das Fehlverhalten ist in dem Fall einfach nur ein Hilfeschrei !

Das „verlorene Kind“ wird zum Einzelgänger, ist still und gehorsam, um Fremde nicht auf die Familie aufmerksam zu machen.

Das „Maskottchen“ überspielt die Spannungen in der Familie durch ständiges Herumkaspern. Es tut alles, um Lachen oder Aufmerksamkeit hervorzurufen und um somit von Problemen abzulenken. Die eigenen Gefühle werden unterdrückt.

 

Diese Verhaltensweisen bringen es mit sich, dass Kinder von Alkoholkranken bestimmte Persönlichkeitsstrukturen entwickeln, die ihnen als Erwachsene Probleme bereiten. Sie suchen Nähe und finden sie nicht, da sie oft Partner wählen, die selbst abhängig oder bindungsunfähig sind. Da sie zudem nie gelernt haben, Probleme anders als mit Alkohol zu lösen, sind sie selbst später auch suchtgefährdet.

 

Deshalb :  Wenn in Ihrer Umgebung jemand ein Alkoholproblem hat, bitte nicht darüber hinwegsehen, sondern denjenigen darauf behutsam ansprechen und ihm Kontaktadressen  zukommen lassen, die ihm weiterhelfen können.