Angst in der Schule

            

 

 

In vielen Familien spielt sich morgens oft ein kleines Drama ab. Die Kinder weigern sich in die Schule zu gehen, sie klagen über Bauchschmerzen, Übelkeit oder Kopfschmerzen.

Häufig gibt es schon am Abend zuvor Probleme : sie liegen stundenlang wach und können nicht einschlafen.

Nachmittags haben sie zu nichts Lust, sitzen manchmal stundenlang an ihren Hausaufgaben oder können sich kaum überwinden überhaupt damit anzufangen.

 

Dies können Anzeichen für eine Schulangst sein. Der erste Weg sollte allerdings zum Kinderarzt führen, um die Symptome abzuklären. Wenn dieser keine Ursache für die Beschwerden finden kann, sollten die Eltern versuchen herauszufinden, warum ihr Kind nicht in die Schule gehen mag.

Den körperlichen Beschwerden sollte man dann aber nicht mehr zu viel Aufmerksamkeit schenken : durch vermehrte Beachtung würden sie sich nur verstärken und die Wahrscheinlichkeit, dass sie immer häufiger auftreten, wird eher größer.

Deshalb wäre es auch falsch, das Kind zu Hause zu lassen, da es sich so nur noch mehr von seiner Klasse entfernt und durch dieses „Vermeidungsverhalten“ die Ursache der Angst nicht beseitigt wird.

 

Rückzug und Vermeidung sind typisch menschliche Verhaltensweisen bei Angst – aber auch die „Flucht nach vorn“ ist möglich : hinter aggressivem Verhalten stecken oft Ängste !

Dass Kinder phasenweise keine Lust auf Schule haben oder vor manchen Klassenarbeiten ein flaues Gefühl im Magen verspüren, ist ganz normal und sogar sehr wichtig für ihre Entwicklung. Sie lernen dadurch, dass sie auch schwierige Situationen, die im Laufe ihres Lebens immer wieder auf sie zukommen werden, bewältigen können.

 

Bei jedoch 15 % der Schüler entwickeln sich während ihrer Schulzeit richtige Ängste.

Besonders häufig ist die Leistungs- oder Prüfungsangst – für viele Schüler ein echter Teufelskreis !

 Schon Tage vor einer Klassenarbeit schlafen sie schlecht, sind deshalb unkonzentriert und können sich die Lerninhalte schlecht merken.

In der Prüfung selbst führen das fehlende Wissen und die Aufregung, zusammen mit dem gefürchteten „blackout“, zu einem schlechten Ergebnis.

Diese schlechten Noten bestärken wiederum die Angst vor dem Versagen in der nächsten Arbeit.

Zudem steigen der Druck durch die Eltern und Lehrer, denn schnell droht das Sitzenbleiben und damit auch der Verlust von Schulfreunden oder sogar ein Schulwechsel.

 

Die Ursachen für Prüfungsangst sind vielfältig : fast immer liegt ein mangelndes Selbstbewusstsein des Kindes zugrunde. Schüler mit Prüfungsangst haben eine negative Einstellung zu sich selbst und kein realistisches Selbstbild mehr.

Aber auch mangelnde Lernstrategien, hohe familiäre Erwartungen und Überforderung durch eine falsche Schulwahl können Leistungsängste hervorrufen.

Um die richtigen Maßnahmen dagegen ergreifen zu können ist es wichtig, sich ein genaues Bild zu machen : tritt die Prüfungsangst schon bei der Vorbereitung auf eine Arbeit auf oder erst in der aktuellen Situation, ist sie auf ein Fach oder einen bestimmten Lehrer begrenzt, hat Zeitdruck einen Einfluss oder ist der Schüler generell überfordert ?

Wichtig ist auch, dass das Kind genug Erholungs – und Entspannungsphasen hat und nicht auch noch im Freizeitbereich unter hohem Druck steht.

Den Ursachen entsprechend können ein Gespräch mit dem Lehrer, ein Schulwechsel, das Erlernen von Lerntechniken und einer Entspannungsmethode, zeitlich begrenzte Nachhilfe und weniger Freizeitstress schon weiterhelfen.

 

Kommt ein Kind in die Schule, konzentriert sich die Umgebung plötzlich ganz einseitig auf die schulischen Erfolge, die guten Noten werden zum Maß aller Dinge und der Schüler beginnt sein Selbstvertrauen an diese Beurteilungen zu knüpfen. Fallen dann die Noten nicht so gut aus oder kommt es zu Lernproblemen, wird das Selbstbewusstsein erheblich erschüttert.

Deshalb sollten die Eltern den  schulischen Bewertungen keinen zu hohen Stellenwert einräumen. Gute Noten sind sicherlich wichtig, aber eine Fixierung darauf verursacht Leistungsdruck und Prüfungsangst und ist letztendlich oft der Grund für schlechte Noten !

Das Kind ist ja nicht nur Schüler, sondern auch Bruder oder Schwester, Sohn oder Tochter, Enkel, Freund/in, oder Sportler/in – und für diese verschiedenen „Lebensrollen“ sind wieder ganz andere Eigenschaften und Fertigkeiten wichtig. Deshalb sollte die Schule nie zum Hauptgesprächsthema in der Familie werden !

 

Um Selbstbewusstsein entwickeln zu können, brauchen Kinder Liebe, Lob und Anerkennung. Daher sollten Eltern nicht vergessen ihr Kind täglich für das zu loben, was es gut gemacht hat, ,- auch oder gerade wenn dies nichts mit Schulleistungen zu tun hat ; z.B. für kompetentes soziales Verhalten oder für sportliche Leistungen. Gerade  wenn Kinder Schulprobleme haben, ist es notwendig, dass die Eltern versuchen, durch gezieltes Fördern in anderen Bereichen dem Kind Erfolgserlebnisse zu verschaffen.

 

Reflektieren Sie aber auch Ihre eigenen Gefühle. Was sind Ihre persönlichen Ängste in Bezug auf die Schullaufbahn Ihres Nachwuchses ? Kann es sein, dass Sie Ihre Ängste auf  das Kind übertragen, vielleicht weil Sie selbst negative Erfahrungen in der Arbeitswelt gemacht haben ? ( „ Ohne Abitur ist die Arbeitslosigkeit heutzutage schon vorprogrammiert“ )

 

Manche Schüler leiden unter sozialen Ängsten. Sie beteiligen sich kaum aktiv am Unterricht, befürchten vom Lehrer aufgerufen zu werden und sich dann zu blamieren und sind unsicher im Umgang mit ihren Mitschülern.

Sie fürchten sich vor dem Schulweg ( Raufereien ), vermeiden den Kontakt mit anderen und werden so leicht zu Mobbing-Opfern.

 Auch hier helfen offene Gespräche mit den Lehrern und Maßnahmen, die das Selbstbewusstsein stärken – vor allem der Kontakt zu Gleichaltrigen, z.B. durch Mitgliedschaft in einem Sportverein oder in einer Kindergruppe sollte gefördert werden.

 

Eine besondere Art der Angst ist die Schulphobie, die eher selten in den ersten Grundschuljahren auftreten kann. Hier sind die Symptome oft dramatischer : Migräne, Erbrechen, Fieberschübe,Panikattacken und sogar Ohnmachtsanfälle können vorkommen.

Diese Kinder wachsen sehr behütet auf oder werden sehr verwöhnt. Die Folge davon ist, dass sie auf den „rauen“  Schulalltag nicht vorbereitet sind und am liebsten im heimischen Nest bleiben möchten.

Sie fühlen sich nur im Elternhaus sicher und geschützt und Schule und Umwelt stellen für sie eine Art „Bedrohung“ dar.

 

Bei der Schulphobie spielt die Trennungsangst eine zentrale Rolle. Den Kindern fällt es schwer, sich von der Mutter zu lösen.

Eltern können eine Schulphobie oft daran erkennen, dass das Kind auch nicht für kurze Zeit daheim alleine bleiben kann, extreme Angst hat, dass den Eltern etwas zustoßen könnte, auf dem Schulweg wieder umkehrt und heimgeht oder die Mutter bittet in den Pausen in die Schule zu kommen. In diesem Fall müssen Eltern und Kind lernen, sich altersgerecht zu trennen und loszulassen.

Deshalb ist auch der Besuch eines Kindergartens so wichtig ! Es ist die Aufgabe der Eltern, ihr Kind zu Eigenverantwortung und Selbständigkeit zu erziehen !

In schweren Fällen, vor allem wenn der Schulbesuch ganz eingestellt wird, ist es jedoch dringend nötig einen Kinderpsychologen einzuschalten, der gezielt mit dem Kind und den Eltern arbeitet.

 

Angstbewältigung kann man lernen ! Sie können Ihr Kind unterstützen, indem Sie es auffordern über seine Ängste zu sprechen. Hören Sie verständnisvoll zu und erzählen Sie davon, dass Sie ähnliches auch schon erlebt und wie Sie es bewältigt haben. Versuchen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam Lösungen zu entwickeln ( „ Was kannst du tun ? Was könntest du anders machen ?“ ).

Haben Sie nicht sofort eine Lösung parat, ist dies auch nicht so schlimm – Kinder müssen erfahren, dass auch die Eltern nicht auf Anhieb alle Probleme beseitigen können und dass manche Situationen nicht sofort veränderbar sind !

Nehmen Sie Ihr Kind in den Arm – gerade bei jüngeren Kindern wirkt dies oft besser, als ( zu viel ) zu reden !

Kinder sind von ihren Sichtweisen überzeugt ( „ der Tom mag mich nicht“ ). Helfen Sie ihm behutsam andere Sichtweisen zu entdecken und Situationen vielleicht anders zu interpretieren. ( „ Woran merkst du das ? Könnte es auch noch eine andere Erklärung geben, warum sich Tom so verhält ?“ )

 

Sie dürfen Ihr Kind niemals auslachen, auch wenn Ihnen seine Ängste unbegründet erscheinen.  

Ihr Kind wird sich Ihnen in Zukunft sonst vielleicht  nicht mehr anvertrauen !

Beschwichtigen ( „ ist doch gar nicht so schlimm“ ) hilft auch nicht weiter. Gefühle und Ängste kann man nicht einfach wegreden !

 

Sollten Sie die Schulangst Ihres Kindes nicht in den Griff bekommen, nehmen Sie Kontakt mit einem ( Schul )Psychologen auf, bevor Ihr Kind zum notorischen Schulschwänzer wird oder die Schule vorzeitig abbricht !

( hilfreiche Internetseite :  www.schulberatung.bayern.de )