Arbeitslosigkeit

            

 

Wer träumt nicht ab und zu davon, nicht arbeiten zu müssen und mehr Zeit für sich zu haben?

Verliert man dann aber wirklich seinen Arbeitsplatz, ist das für die meisten Menschen ein Schock. Viele ahnen da schon, dass ihnen harte Zeiten bevorstehen und sich ihr Leben womöglich grundsätzlich verändern wird.

 

Viel Zeit, um darüber nachzudenken, bleibt erst einmal nicht. Jede Menge Informationen müssen eingeholt und Behördengänge erledigt werden.

 

 Die ersten vier Wochen ohne Arbeit empfinden manche Betroffene vielleicht noch als relativ angenehm.

Man kann endlich Dinge tun, die man schon lange erledigen wollte und vor sich hergeschoben hat, findet mehr Zeit für die Familie oder für eigene Hobbys.  Doch dieser „Urlaubseffekt“ hält nicht lange an. Bald wird man unruhig und kann die freie Zeit nicht mehr genießen.

 

Es folgt eine aktive Phase der Stellensuche, in der die meisten noch sehr optimistisch sind und ein Großteil findet auch innerhalb eines Jahres wieder einen Arbeitsplatz.  Doch leider bleibt die Arbeitssuche zunächst oft vergeblich und wenn sich dann noch die Absagen häufen, ändert sich die Stimmung schnell.

Der Betroffene wird zunehmend pessimistischer und leidet unter Selbstzweifeln und Existenzängsten. Er verliert das Vertrauen in die eigene Person und in die Gesellschaft.

Unzufriedenheit und Verbitterung bestimmen den Alltag, psychische  ( z.B. Depressionen ) und körperliche Erkrankungen werden häufiger, was wiederum eine Vermittlung auf dem Stellenmarkt erschwert.

Irgendwann resignieren viele Arbeitssuchende, werden passiv und finden sich mit ihrer Lage ab.

 

Die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit betreffen meist nicht nur den Arbeitslosen selbst, sondern auch Menschen, die mit ihm zusammenleben oder wirtschaftlich von ihm abhängig sind :  also Ehe- oder Lebenspartner, Kinder oder die Eltern.

 

Arbeitslosigkeit führt fast immer zu einer Verschlechterung der materiellen Situation einer Familie. Als Folge sind Urlaubsreisen und viele Freizeitaktivitäten nicht mehr möglich, was die meisten als gar nicht so schlimm ansehen.

Viel belastender empfinden die Familien die Einschränkungen im Alltag : gesunde ( biologische ) Nahrungsmittel sind zu teuer und Familienausflüge, wie ein Besuch im Zoo oder Schwimmbad sind nicht mehr machbar.

 

Gerade für Eltern ist es zermürbend, wenn ihre Kinder unter der Situation leiden müssen. Das Geld reicht nicht mehr für Klassenfahrten, Taschengeld, Nachhilfe in Mathe, Vereinsbeiträge oder Geburtstagsgeschenke.

Es können keine Rücklagen mehr gebildet werden, weder für sich selbst, noch für die Zukunft oder Ausbildung der Kinder.

Sind die finanziellen  Ressourcen erst einmal aufgebraucht, können sich viele Familien ihre Miete oder die Ratenzahlungen für ihr Haus nicht mehr leisten – sie müssen in eine Sozialwohnung ziehen.

 

Trotzdem sind für die meisten Arbeitslosen die finanziellen Probleme leichter zu bewältigen, als die psychosozialen Belastungen.

Viele schämen sich für ihre Situation, sie brechen die Kontakte zu Freunden, Nachbarn und früheren Kollegen ab – vielleicht auch weil sie fürchten auf die üblichen Vorurteile zu stoßen ( „wer arbeiten will, findet auch etwas“ , „Arbeitslose sind nur zu faul zum Arbeiten“ )  und als „Arbeitsunwillige“ oder „Sozialschmarotzer“ diskriminiert zu werden.

 

Arbeitslose werden aus ihren gewohnten Zeitstrukturen herausgerissen. Sie müssen nicht mehr zu einer bestimmten Zeit aufstehen, es gibt keinen Feierabend mehr, keinen Unterschied zwischen Arbeitstag und Wochenende.

Das kann zu erheblichen Störungen im Ablauf des Familienlebens führen, wenn die übrigen Familienmitglieder ihren Rhythmus einhalten müssen ( der Partner muss zur Arbeit, die Kinder in die Schule ).

Die meisten Betroffenen wissen nicht, wie sie die ihnen zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll und befriedigend nutzen könnten, da für viele Aktivitäten das Geld fehlt. Sie leiden unter Langeweile und Nichtstun.

 

Zu viel Zeit wird dann vor dem Fernseher oder dem Computer verbracht. Dies kann dazu führen, dass die körperliche Leistungsfähigkeit und das Konzentrationsvermögen nachlassen. Aufgaben, die man früher nebenbei erledigt hat, fallen einem jetzt erheblich schwerer.

 

Durch die Arbeitslosigkeit eines Elternteils kommt es auch zu Veränderungen in der Familienstruktur. Viele Männer, die bisher die Rolle als Ernährer ihrer Familie innehatten, verlieren nicht nur den Job, sondern auch ein großes Stück Selbstachtung.

Vor allem Menschen, die sich mit ihrem Beruf stark identifiziert haben, haben nun ein großes Problem. War die Firma jahrelang der wichtigste Teil ihres Lebens, haben sie das Gefühl in ein tiefes Loch zu fallen.

 

Für die meisten ist es mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, sich nahtlos wieder in die Familie und deren gewohnten Alltag einzugliedern.   

Es kommt verstärkt zu Konflikten : die Familienmitglieder sind es zum Beispiel nicht gewohnt, dass der Ehemann und Vater nun ständig zu Hause ist , sie fühlen sich kontrolliert und eingeschränkt.

 Man ist gezwungen, zu viel Zeit auf zu engem Raum miteinander zu verbringen. Ehefrauen sind oft enttäuscht und verbittert, wenn der arbeitslose Ehemann seine Mithilfe im Haushalt verweigert und auch nicht bereit ist, sich jetzt mehr um die Kinder zu kümmern.

Viel Streit entzündet sich auch an der Frage, wie das geringe Einkommen richtig eingeteilt und wie viel wofür ausgegeben wird. Das Familienleben und die Beziehung zum Partner leiden mehr und mehr an den Problemen, die die Bewältigung des Alltags mit sich bringt.

Leider kommt dann manchmal ein erhöhter Alkoholkonsum dazu, - Aggressivität und Gewalt sind oft die Folge.

 

Kinder reagieren häufig mit einem deutlichen Leistungsabfall in der Schule, Schlafstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und psychosomatischen Erkrankungen.

 

Doch so schlimm müssen und dürfen die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit nicht sein !

 

Wenn Sie selbst von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sollten Sie

·         unbedingt Ihr soziales Netzwerk aufrechterhalten. Pflegen Sie auch weiterhin den Kontakt zu Freunden, Nachbarn und Kollegen. Mitmenschen, die Sie gut kennen, werden Ihnen nicht mit Vorurteilen begegnen, sondern Sie werden Verständnis und Hilfsbereitschaft erleben. Vielleicht erfahren Sie in Gesprächen mit anderen, wo ein Arbeitsplatz frei ist, oder jemand kann Ihnen sogar eine Stelle vermitteln.

 

·         engen Kontakt zu Ihrem Betreuer bei der Agentur für Arbeit halten. Informieren Sie sich über Weiterbildungsmöglichkeiten und Umschulungen. Fragen Sie nach einem Bewerbungstraining ! Bleiben Sie beharrlich und weiterhin aktiv und auch kreativ, was die Suche nach einer Stelle anbelangt !

 

 

·         sich körperlich und geistig fit halten. Dies ist möglich, auch ohne dafür viel Geld ausgeben zu müssen  ( z.B. kostenloses Ausleihen von Büchern und Zeitschriften in der Gemeindebücherei ).

 

·         sich mit kirchlichen Verbänden und Arbeitsloseninitiativen in Verbindung setzen. Dort finden Sie Familien-, Ehe, - und Erziehungsberatung, bzw. Unterstützung und Kontakte zu anderen Betroffenen.

 

 

·         sich überlegen, ob Sie sich nicht ehrenamtlich engagieren möchten. Freiwillige Helfer werden überall gebraucht und sind gern gesehen  (Vereine, Verbände, soziale Einrichtungen, sog. „Helferbörsen“).

Fragen Sie bei Verwandten und Freunden nach, ob jemand Ihre Hilfe braucht. All das ist besser, als untätig zu Hause zu sitzen.

 

·         Ihrem Tagesablauf eine feste Struktur geben. Setzen Sie sich mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin zusammen und organisieren Sie Ihren Alltag neu. Fragen Sie Ihren Partner,  wie Sie ihn entlasten können und wobei er Ihre Unterstützung möchte.

 

 

·          einen Haushalts- und Finanzplan aufstellen, um einen Überblick über die regelmäßigen Ausgaben zu bekommen und das Geld gut und sinnvoll einteilen zu können. Sollten Ihnen trotzdem die Ausgaben und Schulden über den Kopf wachsen, suchen Sie rechtzeitig eine Schuldnerberatungsstelle auf !

 

 

Arbeitslosigkeit ist ein massenhaftes individuelles Schicksal und darum ein gesellschaftliches Problem, das nahezu jeden jederzeit treffen kann.

Gerade für junge Menschen, die ihre Schule oder Ausbildung beendet haben, ist es bitter zu erfahren, dass es in der Arbeitswelt für sie keinen Platz gibt und der Arbeitsmarkt sie nicht braucht.

 

Mit einem Arbeitsplatz wird nicht nur die Stellung innerhalb der Gesellschaft geregelt, sondern auch das Selbstwertgefühl, die sozialen Kontakte, das Familienleben, die Kindererziehung und die Absicherung für das Alter.

Alles Themen, die großen Einfluss auf das Leben der nächsten Generation haben werden.