Burnout : Symptome und Verlauf

 

Seit einiger Zeit tauchen in den Medien immer mehr Berichte über das Burnout-Syndrom auf.

Sicherlich auch, weil sich in den  letzten Monaten viele Prominente dazu bekannt haben, darunter Sportler, Schauspieler, Sänger, Politiker und Sterneköche.

Ob es diese Erkrankung überhaupt so gibt, darüber streiten sich inzwischen die Experten. Ausgelöst wurde dieser Streit durch die Tatsache, dass die Krankheitssymptome sehr unterschiedlich sein können und oft unspezifisch sind. Außerdem taucht die Bezeichnung „burnout“ im internationalen Diagnoseschema ICD10  nur im Anhang auf und wird nicht als eigenständige Erkrankung geführt.

Ein Streit, der den Betroffenen aber nicht weiterhilft. Ob die Diagnose nun Burnout lautet, (Erschöpfungs-) Depression, Anpassungsstörung, Neurasthenie oder Belastungsstörung – die Menschen sind krank, sie leiden unter einer Vielzahl von körperlichen und psychischen Symptomen und werden letztendlich irgendwann arbeitsunfähig. Wirklich entscheidend sind die Unterschiede nur für  Ärzte und Therapeuten bei der Auswahl der richtigen Medikamente und Therapien.

Aber selbst für die Mediziner ist es oft schwierig, die einzelnen Diagnosen voneinander klar abzugrenzen : rund 50% Prozent der Patienten, die an einem dauerhaften körperlichen und emotionalen Erschöpfungszustand leiden, sind eigentlich an einer Depression erkrankt. Häufig entsteht eine Depression aber auch als Folge eines Burnouts – ebenso wie viele Betroffene im Lauf dieser Erkrankung plötzlich zusätzlich eine Angststörung oder Panikattacken entwickeln.

 

Zahlen und Fakten :

Eines hat sich jedenfalls ganz klar gezeigt und lässt sich auch nicht wegdiskutieren : die Anzahl der Menschen , die an psychischen Erkrankungen leiden, ist stark gestiegen. Wurden im Jahr 2001 noch 33,6 Millionen Fehltage wegen psychischer Störungen bei den Krankenkassen gezählt, so waren es 2010  bereits  53,5 Millionen – Tendenz steigend. Nach Schätzungen  leiden derzeit rund 6 Millionen Menschen in Deutschland an Burnout  und weitere 4 Millionen an einer Depression. Es wäre fatal, diese hohe Anzahl von Erkrankungen als eine Modeerscheinung abzutun, zumal daraus ja auch ein großer volkswirtschaftlicher Schaden entsteht- nach Angaben der Betriebskrankenkassen waren dies im Jahr 2009 geschätzte 6, 3 Milliarden Euro ! Psychische Erkrankungen lassen sich nicht kurieren wie eine Erkältung – meistens braucht es eine monatelange Therapie. Einige Patienten sind jahrelang arbeitsunfähig oder müssen vorzeitig Rente beantragen.

In einem sind sich jedoch die Experten, Ärzte und Krankenkassen einig : die gestiegene Anzahl von Burnout- Erkrankten lässt sich auf die wachsende Belastung im beruflichen Umfeld zurückführen.

Es gibt keine Berufsgruppe, in der Burnout nicht auftritt. Allerdings sind häufiger Personen betroffen, deren Arbeit ein hohes Maß an persönlichem Engagement, Einsatz und  Einfühlung verlangt, also oft Menschen, die im Gesundheitswesen oder in kommunikativen Berufen arbeiten. Deutlich zugenommen hat die Anzahl von erkrankten Frauen : die Mehrfachbelastung durch Beruf, Haushalt und Kinderbetreuung fordert ihren Tribut.

 

Die Symptome einer Burnout-Erkrankung sind sehr verschieden und zeigen sich auch bei anderen körperlichen und psychischen Krankheiten. Im Zusammenhang mit der privaten und beruflichen Situation des Betroffenen ergibt sich in einem ausführlichen Diagnosegespräch jedoch meistens schnell ein stimmiges Gesamtbild

 

 

Häufige körperliche Symptome sind :

·         Kopfschmerzen, Tinnitus

·         Erschöpfungszustände, abnorme Müdigkeit, Schlafstörungen

·         Bluthochdruck, Herzklopfen, Engegefühl in der Brust

·         Muskelverspannungen, Rückenschmerzen

·         Appetitlosigkeit, - aber auch Heißhunger

·         Magen-und Darmstörungen

 

Psychische und emotionale Symptome können sein :

·         Antriebslosigkeit

·         Gefühl von Leere und Ohnmacht

·         reduziertes Selbstwertgefühl

·         Angstzustände und Panikattacken

·         Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen

·         Konzentrationsstörungen

·         innere Unruhe, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen

 

Der Verlauf der Erkrankung :

Eine Burnout –Erkrankung läuft in verschiedenen Phasen ab. Während die Betroffenen anfangs noch versuchen durch mehr Engagement der Überlastung entgegen zu treten, kommt es nach einiger Zeit zu Resignation und Frustration, bis hin zu einem völligen seelischen und körperlichen Zusammenbruch.

Die Anfangsphase einer Burnout-Krise erscheint oft erst einmal positiv. Der Betroffene zeigt sich aktiv, zupackend, engagiert und dynamisch. Um den vermehrten Anforderungen gerecht zu werden, versucht er sein Arbeitstempo zu steigern, macht Überstunden, arbeitet auch mal am Wochenende oder nimmt sich Arbeit mit nach Hause. Er hat das zunächst oft motivierende Gefühl, unentbehrlich zu sein. Darunter leidet  natürlich das Privatleben, es bleibt immer weniger Zeit für eigene Bedürfnisse, Freunde, Partnerschaft oder Hobbys. Als Folge davon hat man kaum noch Möglichkeiten sich zu regenerieren und wieder Energie aufzuladen – man kann einfach nicht mehr „abschalten“. Erste körperliche Beschwerden machen sich bemerkbar, wie Schlafstörungen, Magen- oder Kopfschmerzen.

Nach und nach wird das ( Über- ) Engagement durch eine sich ausbreitende seelische und körperliche Erschöpfung ausgebremst. Der Betroffene fühlt sich ständig müde, antriebslos und überfordert. Sein Idealismus schwindet und Frustration macht sich breit. Er hat immer häufiger das Gefühl, ausgenutzt und ausgebeutet zu werden. Es reicht oft nur noch für den „Dienst nach Vorschrift“.  Kontakte zu den Kollegen werden auf ein Minimum reduziert, gegenüber Kunden oder Geschäftspartnern zeigt er sich immer distanzierter. Die Stimmung wird zunehmend labil und der Betroffene entwickelt oft einen regelrechten Widerwillen gegen seine Tätigkeit. Es kommt zu einer „inneren Kündigung“ – er fühlt sich seiner Firma nicht mehr zugehörig.

Das Immunsystem ist geschwächt und selbst einfache Erkältungen sind schwer zu kurieren. Die körperlichen Beschwerden nehmen zu und die Fehltage durch Krankheit steigen.

Der Abbau und die schwindende Leistungsfähigkeit machen sich am Arbeitsplatz bemerkbar. Der Betroffene macht immer häufiger Fehler, vergisst wichtige Dinge, hat Probleme komplexe Aufgaben zu bewältigen oder Entscheidungen zu treffen. Die Kreativität schwindet und die Produktivität lässt immer mehr nach. Der Betroffene  reagiert zunehmend unflexibel, mitunter sogar aggressiv oder ängstlich auf Veränderungen und Neuerungen in der Firma oder im Betrieb, da diese oft zunächst mit Mehrarbeit verbunden sind. Er fühlt sich neuen Herausforderungen nicht mehr gewachsen, sein Selbstwertgefühl sinkt.

Es gelingt kaum noch den Alltag in seiner gewohnten Form aufrecht zu erhalten.

In dieser Zeit steigt häufig der Alkohol-, Nikotin – oder Kaffeekonsum, mancher greift auch zu Schlaftabletten oder Beruhigungsmitteln.

Im Endstadium gleicht das Krankheitsbild einer schweren Depression. Der Betroffene zieht sich emotional von seinen Mitmenschen zurück und hat jegliches Interesse verloren. Alles erscheint ihm sinnlos, die Zukunft düster  und er leidet unter Versagens-und Existenzängsten – bis hin zu Suizidgedanken. Letztendlich kommt es zu einer Arbeitsunfähigkeit, die sich über Monate und Jahre hinziehen kann.

 

Sinnvoll ist es daher, dem möglichst frühzeitig entgegenzuwirken und bereits in den Anfangsstadien ärztliche und psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

 

Vorbeugung :

Burnout entsteht durch das Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Ressourcen. Vorbeugend sollte man demnach versuchen, seine Energie regelmäßig wieder „aufzuladen“. Dazu genügen oft schon kleine Veränderungen im Alltag.

·         Bewegen Sie sich regelmäßig! Vor allem Menschen, die vorwiegend sitzende Tätigkeiten ausüben, brauchen ein Gegengewicht. Schon drei Mal pro Woche eine halbe Stunde Bewegung genügt. Wichtig dabei ist, dass Ihnen die Art der Bewegung auch Spaß macht und Ihrem Gesundheitszustand angepasst ist ( dafür evtl. ärztlichen Rat einholen ) ! Wer also keine Lust zum Laufen hat, sollte sich dazu nicht zwingen, sondern auf etwas anders ausweichen. Wenn es Ihnen an Motivation mangelt, verabreden Sie sich mit anderen oder suchen Sie sich eine Mannschaftssportart.

·         Legen Sie im Alltag Pausen ein! Gönnen Sie sich zwei Mal täglich 15 bis 30 Minuten, die nur Ihnen gehören, um sich zu entspannen und tun Sie in dieser Zeit nichts anderes. Genießen Sie ganz bewusst eine Tasse Kaffee, hören Sie Ihre Lieblingsmusik oder schauen Sie einfach nur aus dem Fenster. Dazu kann es auch sinnvoll sein, ein Entspannungsverfahren zu erlernen, das man im Alltag ohne große Umstände ausüben kann, wie z.B. die Muskelentspannung nach Jacobson oder das Autogene Training. Die Mittagspause bringt wenig, wenn man in dieser Zeit zum Einkaufen hetzt.

·         Schlafen Sie ausreichend !  Gönnen Sie sich über eine Zeitraum von vier Wochen eine halbe bis eine ganze Stunde mehr Schlaf als gewöhnlich und beobachten Sie, welchen Effekt dies auf Ihre Belastbarkeit hat.

·         Ernähren Sie sich bewusst ! Dazu ist weder eine Diät nötig, noch muss man zum Rohkostfan werden. Sinnvoll ist es, möglichst viele frische Produkte in den Speiseplan aufzunehmen – noch wichtiger ist es aber, sich genügend Zeit zum Essen zu nehmen ! Das belegte Vollkornbrot ist auch nicht gesund, wenn man es im Stehen in Sekundenschnelle hinunterschlingt.

·         Nehmen Sie sich genügend Zeit für Ihren Partner und / oder Ihre Freunde ! Das klappt am besten, wenn man dies nicht dem Zufall überlässt, sondern sich regelmäßig verabredet oder mit dem Partner einen festen Abend pro Woche für die „Zeit zu zweit“  reserviert.

·         Nicht immer erreichbar sein ! Wann immer es beruflich möglich ist, schalten Sie Ihr Handy und Ihren PC auch einmal aus – vor allem abends oder am Wochenende.

·         Ein Tag pro Woche ohne Arbeit ! Das mag zunächst kaum vorstellbar sein, aber mit etwas Organisation ist es vielleicht doch zu schaffen. Deshalb, auch wenn der Terminkalender voll ist : sorgen Sie dafür, dass ein Tag in der Woche frei von Arbeit und größeren Verpflichtungen ( auch im Haushalt ! ) ist. Funktioniert dies nur alle 14 Tage – immer noch besser als gar nicht !