Burnout : Ursachen und Behandlung

 

 

Burnout entsteht durch einen lang anhaltenden Zustand von chronischer Überlastung und unbewältigtem Stress, verbunden mit mangelnder Erholungsfähigkeit.

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Mit dem steigenden Wettbewerbsdruck auf die Unternehmen ist auch der Druck auf die Mitarbeiter gestiegen, d.h. von  jedem wird mehr Leistung erwartet. Arbeitsmenge und Hektik  haben zugenommen, nicht zuletzt durch die modernen Kommunikationstechnologien.

 Nach Gewerkschaftsangaben arbeitet jeder zehnte Deutsche mehr als 60 Stunden in der Woche, - viele haben neben ihrer eigentlichen Beschäftigung noch einen Nebenjob, um ihr Leben finanzieren zu können. So bleibt immer weniger Zeit für Erholung und Regeneration.

Bei der Entstehung eines Burnout spielen jedoch meist mehrere Ursachen eine Rolle. Beteiligt sind zum einen innere Faktoren, die mit der Persönlichkeitsstruktur des Einzelnen zusammenhängen und äußere Faktoren, die dessen Umwelt und Arbeitssituation betreffen.

 

Innere Risikofaktoren, welche die Entstehung eines Burnout begünstigen :

Überidentifikation mit der beruflichen Tätigkeit :

Der  Beruf wird zum Lebensinhalt, man definiert sich durch den Job und bezieht daraus  sein Selbstwertgefühl. Die Anerkennung von Kollegen oder Vorgesetzten ist extrem wichtig und um diese auch zu erhalten, wird gearbeitet bis zur Erschöpfung. Andere um Hilfe oder Unterstützung zu bitten, wäre ein Zeichen von Schwäche, das man sich nicht erlauben kann. Ein Privatleben existiert kaum noch.

Mitunter ist das überzogene Engagement auch eine Flucht vor familiären Konflikten, Problemen in der Partnerschaft oder Einsamkeit.

Perfektionismus und unrealistisch hoch gesteckte Ziele :

Für den Perfektionisten ist „gut“ nie „gut genug“. Er arbeitet sehr sorgfältig, findet oft kein Ende und delegiert nur sehr ungern. Da er häufig seinen eigenen Ansprüche nicht gerecht wird, setzt er sich selbst immer mehr unter Druck. Dies trifft auch zu, wenn sich jemand ständig zu hohe Ziele steckt, die mit einem normalen Arbeitsaufwand nicht erreichbar sind.

Hilfsbereitschaft:

An sich eine positive Charaktereigenschaft, die jedoch, wenn sie übertrieben wird, auch zum Problem werden kann. Viele Burnout-Betroffene sind immer hilfsbereit und  für andere verfügbar, sie können keine Bitte abschlagen, fühlen sich stets für alles und jeden verantwortlich und stellen ihre eigenen Bedürfnisse zurück. Sie können sich gegen die Forderungen anderer nicht abgrenzen und „nein“ sagen. Dies führt im Beruf dazu, dass sie mit ihrer eigenen Arbeit dann oft unter Zeitdruck geraten oder deutlich länger arbeiten müssen.

Selbstüberschätzung / Fehleinschätzung :

Manche Menschen überschätzen auch ihre beruflichen Qualifikationen oder arbeiten in einem Beruf, der eigentlich nicht ihren Neigungen, Fähigkeiten oder Kompetenzen entspricht. Die Folge ist entweder eine ständige Unzufriedenheit oder andauernde Überforderung. Das normale Pensum kann lange Zeit gerade noch bewältigt werden, aber in stressigen Arbeitsphasen gerät das Ganze dann schnell außer Kontrolle. Um die geforderte Leistung erbringen zu können, muss der Betroffene ständig zu viel Zeit und Energie aufbringen.

Gerade in großen Unternehmen wird mancher Angestellte  auf eine Position besetzt, die er nie angestrebt hat. Die daraus entstehende Unzufriedenheit führt zu dauerhafter  Frustration, vor allem dann, wenn der Mitarbeiter seine Tätigkeit als sinnlos empfindet.

Viele Menschen entwickeln auch ein Burnout, weil sie in einem Beruf arbeiten, der nicht ihren Bedürfnissen und  Neigungen entspricht oder der nicht zu ihrer momentanen Lebenssituation passt, da z.B. die Arbeitsbedingungen mit Familienerfordernissen kollidieren.

 

Äußere Ursachen, die ein Burnout hervorrufen können :

Veränderungen :

Viele Burnout-Erkrankungen beginnen, wenn sich die Berufssituation ändert. Dies kann ein Jobwechsel oder auch ein neuer Kollege, bzw. Vorgesetzter sein – aber auch, wenn eine erhoffte Veränderung nicht stattfindet, z.B. weil die ersehnte Beförderung ausbleibt oder ein anderer Bewerber den angestrebten Job bekommt.

Schlechte Arbeitsbedingungen :

Hierzu zählen eine zu hohe Arbeitsbelastung ( keine Pausen, viele Überstunden ), Zeitdruck,

lange Arbeitswege, unzureichender Einfluss auf die Arbeitsorganisation, Unüberschaubarkeit der Arbeitsabläufe, widersprüchliche Arbeitsanweisungen, ständige Unterbrechungen ( z.B. durch Telefonanrufe ), unklare Zuständigkeiten ( Hierarchieprobleme ) , häufige organisatorische Umstellungen, ohne die Betroffenen in Planungen oder Entscheidungen mit einzubeziehen, sowie geringe Entwicklungsmöglichkeiten für den Einzelnen.

Soziale Stressoren :

Ein schlechtes und unpersönliches Betriebsklima und Konflikte am Arbeitsplatz sind mit die häufigsten Auslöser für ein Burnout. Als extrem belastend gelten Intrigen und Mobbing,-  aber auch eine mangelhafte  Kommunikation zwischen allen Beteiligten hat negative Auswirkungen auf das Arbeitsklima. Demotivierend sind außerdem die fehlende Anerkennung oder Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte,  Diskriminierung oder Benachteiligung. Fehlende Informationen über das Betriebsgeschehen, Konkurrenzdruck und befristete Arbeitsverträge führen zu Angst vor Kündigung  und Arbeitsplatzverlust und erhöhen zusätzlich den Druck auf die Mitarbeiter.

Physische Stressoren :

Vor allem Nacht-und Schichtarbeit sind besondere Belastungen für die Gesundheit.

Lärm in Fabriken, auf Baustellen und Werkstätten, aber auch in Großraumbüros ist ein weiterer  Faktor auf dem Weg zum Burnout.

Mangelnde Abgrenzung und ständige Erreichbarkeit :

Die  klaren Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen durch den Einsatz von modernen Kommunikationsmitteln immer mehr. Von vielen Angestellten wird inzwischen erwartet und gefordert, dass sie auch in ihrer Freizeit, am Wochenende oder sogar im Urlaub ständig per e-mail oder Handy erreichbar sind. Vor allem Selbständige haben oft ein großes Problem damit, Privates und Beruf zu trennen. Besonders schwierig wird es, wenn Ehepartner auch beruflich eng zusammenarbeiten oder Geschäfts- und Wohnräume nicht konsequent voneinander abgegrenzt sind.

 

 Burnout ist auch keine typische „Managerkrankheit“.  Im Gegenteil: wer seine Arbeit größtenteils selbst einteilen kann und weniger den Entscheidungen anderer ausgeliefert ist, dem macht auch starker Stress weniger aus.

 

Behandlung :

Im Vordergrund steht, am besten mit Hilfe eines Coachs oder Therapeuten, zunächst die genaue Analyse, welche Faktoren zum Burnout geführt haben. Eine Behandlung wird nur dann erfolgreich sein, wenn sie sehr individuell auf den Betroffenen zugeschnitten ist.

Waren es überwiegend äußere Faktoren, sind organisationsbezogene , bzw. berufliche Maßnahmen besonders wichtig. Für die Umsetzung solcher Maßnahmen ist meist das Einbeziehen des Arbeitgebers nötig, um passende Lösungen zu suchen und notwendige Schritte einzuleiten.

Dafür sollte man sich zunächst an den direkten Vorgesetzten wenden und / oder den Betriebsrat einschalten – auch offene Gespräche mit Kollegen können hilfreich sein. Viele Gewerkschaften bieten ebenfalls Beratung und Unterstützung an.

Geeignete Maßnahmen können sein : Veränderungen in der Arbeitsorganisation, Verbesserung des Betriebsklimas, Aussprache bei Konflikten ( evtl. mit einem Mediator ), Fort-und Weiterbildungs- möglichkeiten, usw.

Die meisten Arbeitgeber reagieren in ihrem eigenen Interesse inzwischen schnell, wenn der Begriff „Burnout“ fällt. Nichts schadet dem Betriebsergebnis mehr, als demotivierte, kranke und fehlende Mitarbeiter !

 

Benötigt man bei Veränderungen der Arbeitssituation meist die Hilfe von Kollegen oder Vorgesetzten, kann man , wenn es um die „inneren“ Faktoren, also persönlichkeitsspezifische Verhaltensweisen geht, selbst aktiv werden.

In einer Psychotherapie kann man für sich klären, welche eigenen Ziele und Bedürfnisse vernachlässigt wurden und welche falschen Vorstellungen, Denk- und Verhaltensmuster sich dysfunktional auswirken. Es gilt also, problematische Muster zu erkennen und schrittweise zu verändern.

Wichtige Ansatzpunkte in der Therapie sind :

·         Grundbedürfnisse aufdecken  : was ist mir wirklich wichtig, um gut und zufrieden leben zu können ?

·         Klare Lebensziele definieren : was will ich erreichen ?  ( privat und beruflich )

·         Stärkung des Selbstbewusstseins : was macht mich als Mensch aus, welche Fähigkeiten besitze ich ?

·         Zeitmanagement, Entspannung, gesunde Lebensweise

·         Soziale Kontakt aufbauen, Hobbys , Interessen wahrnehmen und verwirklichen

·         Innere „Antreiber“ entmachten : persönliche Denk-und Verhaltensmuster überprüfen und verändern ( z.B. „ ich muss alles perfekt machen“ )

·         Konflikte in der Familie und im privaten Bereich aufdecken und bearbeiten

·         Nein-Sagen lernen : sich gegenüber den Forderungen anderer besser abgrenzen

·         Unrealistische Erwartungen erkennen und hinterfragen

·         Work-Life-Balance : Leben und Arbeiten im Gleichgewicht ( eigene Belastungsgrenzen erkennen, Freiräume schaffen )

 

Meist ist eine zusätzliche Betreuung durch Hausärzte, Internisten oder Psychiater notwendig, um körperliche Symptome zu behandeln und  evtl. Medikamente einzusetzen.

 

 

Burnout ist eine ernsthafte Erkrankung, die möglichst schnell professionell behandelt werden sollte.

Je früher ein Burnout erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Gerade in der Anfangsphase genügt oft noch eine Krisenintervention oder eine ambulante Kurzzeittherapie von wenigen Stunden, später ist ein stationärer Aufenthalt manchmal  unumgänglich.