Demenz

Demenz ist der der medizinische Oberbegriff für Erkrankungsbilder, die mit einem Verlust von geistigen Funktionen wie Erinnern, Denken und Orientierung und dem Verknüpfen von Denkinhalten einhergehen.

Das Risiko an einer Demenz zu erkranken, steigt mit dem Lebensalter,- von den über Achtzigjährigen ist jeder vierte betroffen.  Derzeit leiden rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland an einer Demenz und da in unserer Gesellschaft der Anteil älterer Mitbürger steigt, erwartet man in den nächsten Jahren auch eine Zunahme Demenzkranker.

 

Eine Demenz kann ein Folgezustand einer anderen Erkrankung sein : nach Schädel- und Hirnverletzungen, bei Stoffwechselstörungen ( chronische Leber-und Nierenerkrankungen ), bei Alkoholismus oder Infektionen ( Hirnhautentzündungen, Aids ). In diesem Fall sprechen Mediziner von einer „sekundären Demenz“, da die Ursache der Schädigung nicht im Gehirn selbst zu suchen ist. Bei einer erfolgreichen Behandlung der Grunderkrankung können sich daher die Gedächtnisstörungen auch wieder zurückbilden.

 

Eine weitere Form ist die „ Vaskuläre Demenz“ (d.h. gefäßbedingt ). Sie entsteht  aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn, wobei es zu einer schlaganfallartigen Symptomatik kommt. Diese Art der Demenz beginnt plötzlich und verläuft normalerweise fluktuierend, d.h. es gibt Phasen, in denen es dem Patienten auch wieder besser geht. Insgesamt verschlechtert sich der Zustand also eher schrittweise.

Je nachdem, welche Teile des Gehirns geschädigt sind, treten hier sehr unterschiedliche Symptome auf :

Gerade anfangs fallen bei der vaskulären Demenz oft  mehr die Veränderungen in der Persönlichkeit und im Verhalten auf und weniger die Gedächtnislücken. Die betroffenen Personen sind oft ungewöhnlich aggressiv und launisch, und vor allem nachts besonders unruhig. Die meisten Betroffenen erleben ihren (geistigen) Abbau durchaus bewusst, daher kommt es häufig zu einer schweren depressiven Verstimmung als Reaktion auf ihre persönliche Situation ( reaktive Depression ).

Da durch Gefäßverschlüsse einzelne Hirnregionen ausfallen können, findet man bei einer vaskulären Demenz oft Beschwerden, die bestimmte Hirnareale betreffen, wie Lähmungserscheinungen, Bewegungsstörungen oder Sprachprobleme.

Diagnostizieren lassen sich diese Gefäßveränderungen mithilfe einer Computertomographie (CT) oder  Magnetresonanztomographie (MRT).

Als Risikofaktoren gelten Bluthochdruck, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes.

 

 

Die sicherlich bekannteste und am häufigsten diagnostizierte Demenzform ist die

„Alzheimer-Demenz“.  80 Prozent aller Demenzkranken leiden an dieser Art.

Benannt ist diese Erkrankung nach ihrem Forscher, dem Psychiater Alois Alzheimer

( 1864 – 1915 ). Dieser nannte sie die „ Krankheit des Vergessens“.

Obwohl  Mediziner seit vielen Jahren nach der Ursache dieser Demenz suchen, sind die Vorgänge, die sich hierbei im Gehirn abspielen noch weitgehend unbekannt. Man weiß, das bei dieser Erkrankung Nervenzellen im Gehirn zugrunde gehen, ausgelöst u. a. durch Stoffwechselstörungen des Botenstoffes Glutamat.

Beobachtet hat man auch Ablagerungen von Eiweißstoffen im Gehirngewebe  (Plaques ), die dort Entzündungen verursachen. In wieweit diese als Ursache für die Erkrankung angesehen werden können, ist ebenfalls noch sehr unsicher.

 

Besondere Risikofaktoren, die den Ausbruch von Alzheimer begünstigen, gibt es nicht. Auffällig ist nur eine bestimmte Häufung von Fällen in Familien, daher kann man von einer gewissen genetischen Veranlagung ausgehen.

Etwas vorbeugen kann man nur mit geistiger und körperlicher Aktivität, zumindest lässt sich das Risiko dadurch angeblich zu rund einem Drittel verringern. In der Werbung werden  zudem immer wieder bestimmte Vitaminpräparate angeboten, deren Nutzen ist allerdings medizinisch nicht erwiesen.

Für die Diagnose einer Alzheimer-Demenz genügen anfangs oft schon die typischen Beschwerden und das Auftreten des Betroffenen. Vor allem Angehörige oder Menschen, die den Patienten gut kennen, bemerken schon frühzeitig Veränderungen und können dem Arzt wertvolle Hinweise geben. Anschließend werden neuropsychologische Tests und eine CT oder MRT ( siehe oben ) durchgeführt. Hierbei zeigt sich häufig die für Alzheimer typische Verkleinerung des Gehirns im Bereich des Scheitel-und Schläfenlappens.

 

Die Symptome der Alzheimer-Demenz sind vielfältig. Bei den Erkrankten nimmt nicht nur das Erinnerungsvermögen ab, sondern auch die Fähigkeit klar zu denken und Zusammenhänge zu erfassen.

Bestimmte Verhaltensweisen gelten als Warnhinweise und der Betroffene sollte möglichst bald von einem Arzt untersucht werden:

Die meisten Patienten bemerken zuerst, dass sie immer vergesslicher werden, sie haben manchmal schon Probleme, sich an Ereignisse des Vortags zu erinnern.

In Gesprächen mit anderen verlieren sie schnell den Faden oder sie verlassen das Haus und können sich nicht mehr erinnern weshalb.

Bald haben die Betroffenen immer mehr Schwierigkeiten, Alltagstätigkeiten auszuführen, die bisher für sie selbstverständlich waren. Sie tragen unterschiedliche Schuhe, wissen nicht mehr, wie man die Waschmaschine bedient oder streuen Salz statt Zucker in ihren Kaffee.

Sie verlegen nicht nur Gegenstände, sondern legen diese an völlig unangebrachte Stellen, z.B. die Zahnbürste in den Kühlschrank.

Menschen mit einer Demenz können Situationen manchmal nicht mehr richtig beurteilen. Sie tragen Kleidung, die keinesfalls dem Wetter oder der Situation entspricht oder fallen leicht auf Betrüger herein, die ihnen Dinge aufschwatzen, z.B. bei „ Kaffee-Fahrten“.

Es fällt den Betroffenen zunehmend schwer, sich räumlich oder zeitlich zu orientieren. Sie finden sich, selbst in einer für sie vertrauten Umgebung, nicht mehr zurecht oder verlaufen sich. Wochentage werden verwechselt und manchmal können sie vergangene Ereignisse zeitlich nicht mehr richtig einordnen.

Auch die Sprache verändert sich. Die richtigen Worte fallen den Erkrankten nicht mehr ein und sie versuchen sich anfangs mit Umschreibungen zu helfen. Der Wortschatz wird jedoch immer geringer, die Sätze werden kürzer und für andere oft unverständlich. Sie selbst haben zunehmend Probleme, das was andere sagen, zu begreifen und zu verstehen.

Die Alzheimer-Patienten leiden oft unter Gefühls-und Stimmungsschwankungen, die plötzlich auftreten und sehr heftig ausfallen können. Besonders belastend ist dies für die Angehörigen, wenn die Patienten ohne Anlass sehr aggressiv und misstrauisch sind.

Manche Betroffene verändern sich in ihrer Persönlichkeit. Jemand, der bisher immer sehr freigiebig war, wird extrem geizig oder ein „ Draufgänger“ sehr ängstlich. Dies ist natürlich vor allem für den Partner und die Familie sehr schwer zu ertragen.

Viele Alzheimer-Kranke werden zunehmend antriebslos. Sie ziehen sich immer mehr zurück, bringen für nichts mehr Energie auf und haben keine Freude mehr an ihren Hobbys. Sie haben keine Lust mehr etwas zu unternehmen, brechen den Kontakt zu anderen ab und vernachlässigen vor allem sich selbst und ihr Äußeres.

 

Natürlich handelt es sich nicht immer gleich um eine Demenz, wenn gewisse (geistige ) Fähigkeiten im Alter nachlassen :

Alzheimer verläuft gegenüber der „normalen“ Altersvergesslichkeit deutlich rascher. Schon  binnen eines Jahres zeigen sich oft deutliche Veränderungen, vor allem auch im Verhalten und in der Persönlichkeit,  wie oben beschrieben.

Die typische Altersvergesslichkeit betrifft meist nur das Gedächtnis und hat kaum Auswirkungen auf das Sprachvermögen oder die Bewältigung von alltäglichen Aufgaben.

                                                                                                                                                                                                 

Alzheimer ist eine langsam, aber ständig fortschreitende Erkrankung. Von deren Ausbruch bis zum Tod des Patienten, vergehen durchschnittlich rund 10 Jahre, - manche Menschen leben aber auch bis zu 20 Jahre mit dieser Krankheit.

 

Der Verlauf kann grob in drei Stadien eingeteilt werden :

Im Frühstadium ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis der Menschen betroffen. Sie vergessen Namen, versäumen Termine und finden sich nur schwer in unbekannter Umgebung zurecht, was z.B. das Autofahren bereits unmöglich macht. Eine berufliche Tätigkeit kann nicht mehr ausgeübt werden, selbst einfache Dinge, wie sich anzuziehen oder den Haushalt zu versorgen, bereiten immer mehr Mühe.

Alle diese Symptome erleben die Betroffenen anfangs mit vollem Bewusstsein. Sie schämen sich, haben Angst, sind frustriert, wütend und niedergeschlagen. Die meisten versuchen ihre Schwächen zunächst zu verbergen, viele ziehen sich deshalb auch von der Familie oder Freunden zurück.

Im mittleren Stadium werden die Ausfälle immer deutlicher und die Krankheit kann nicht mehr ignoriert werden. Die Patienten sind nur noch mit Unterstützung und Hilfe von außen in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen. Nun ist auch das Langzeitgedächtnis betroffen, die Sprache wird immer einfacher und das Sprachverständnis lässt stark nach. Besonders auffällig sind die heftigen Stimmungswechsel. Es kommt zu Weinkrämpfen, Zornausbrüchen, aggressivem Verhalten, Misstrauen und zur Ablehnung von Hilfe.

In dieser Phase sind viele Betroffene sehr unruhig und rastlos. Sie verlassen ihr zuhause und irren umher, vor allem nachts sind sie mitunter sehr aktiv.

Gegen Ende dieses Stadiums leiden manche Patienten unter Verfolgungsideen, Wahnvorstellungen und zeigen zwanghafte Verhaltensweisen.

Im letzten Stadium sind die Alzheimer- Patienten vollständig von Betreuung und Pflege abhängig. Das Gedächtnis versagt gänzlich und Unterhaltungen sind kaum mehr möglich, bis hin zum völligen Sprachverlust. Sie erkennen selbst engste Familienangehörige nicht mehr. Die motorischen Fähigkeiten verschlechtern sich immer mehr, es kommt zu Stürzen und Verletzungen. Irgendwann können die Kranken gar nicht mehr gehen, aufrecht sitzen oder schlucken.

In der Endphase sind die Betroffenen völlig apathisch und nehmen sich und die Umgebung kaum noch wahr. Der Tod tritt meist durch Begleiterkrankungen, wie z.B. eine Lungenentzündung ein.

 

Obwohl sich Alzheimer bis heute nicht heilen lässt, kann der Verlauf durch Medikamente

( Acetylcholinesterase-Hemmer ) günstig beeinflusst werden und die Krankheit kann zumindest etwas aufgehalten werden.

Zunehmend an Bedeutung gewinnen nichtmedikamentöse Behandlungsverfahren. Sie dienen die Lebensqualität der Erkrankten zu sichern, verbliebene Fähigkeiten zu fördern und zu erhalten, sowie ein stabiles Lebensumfeld zu gestalten.

Vor allem zu Beginn der Erkrankung kann eine psychotherapeutische Unterstützung für die Betroffenen und ihre Familien eine große Hilfe sein. Mit der Diagnose „ Alzheimer“ und den damit verbundenen Veränderungen zu leben, ist für jeden Menschen eine große Herausforderung.

Eine Gesprächs-oder Verhaltenstherapie zeigt den Patienten Wege und Möglichkeiten, um mit den auftretenden negativen Gefühlen, den Ängsten und depressiven Verstimmungen umzugehen.

Je nach Krankheitsstadium können noch andere Therapieverfahren eingesetzt werden :

Erinnerungstherapie, Realitätsorientierungstraining, Selbst-Erhaltungstherapie, Musik-und Kunsttherapie oder Milieutherapie.

 

 

Zwei Drittel aller Alzheimer-Patienten werden von ihrer Familie betreut und gepflegt.

Das Zusammenleben mit dem Erkrankten erweist sich oft als schwierig, zeit -und kraftraubend.

Deshalb hier noch einige Tipps für Angehörige, die den Alltag erleichtern können :

 

1.  Akzeptieren Sie die Erkrankung, erwarten Sie nicht zu viel von dem Betroffenen und versuchen Sie nicht, ihn zu ändern. Ein Demenzkranker verhält sich nicht mehr „logisch“.

Vermeiden Sie unsinnige Diskussionen und versuchen Sie den Patienten in Konfliktsituationen abzulenken. Vorhaltungen und „ Erziehungsversuche“ bringen nichts und kosten nur Kraft. 

2.  Demenzkranke benötigen ein stabiles Lebensumfeld. Veränderungen sind für sie nur schwer erträglich. Nach Möglichkeit sollte ein häufiger Wechsel der Umgebung vermieden werden, Dinge sollten sich immer an ihrem gewohnten Platz befinden und die Bezugspersonen sollten gleich bleiben. Vor allem der Kontakt zu Freunden, Familie und Bekannten sollte möglichst lange erhalten werden.

3.  Eine klare Strukturierung ( gleichbleibend und überschaubar ) des Tagesablaufs vermittelt den Demenzkranken Sicherheit und Orientierung. Das richtige Maß an Pausen und Aktivitäten ( Spaziergänge, Spiele usw. ) hilft gegen Langeweile und kann den geistigen und körperlichen Verfall verlangsamen.

4.  Helfen Sie dem Erkrankten, seine Eigenständigkeit möglichst lange aufrecht zu erhalten und versuchen Sie dessen Gewohnheiten beizubehalten. Stellen Sie mit Hilfe von Fotoalben, Musik und Gesprächen über gemeinsame Erlebnisse, eine Verbindung zu seiner Vergangenheit und zu seiner Identität her.

Beziehen Sie ihn in alltägliche Aufgaben mit ein, - das stützt das Selbstwertgefühl, vermittelt ihm, dass auch er noch einen wichtigen Platz im Leben hat und trainiert noch vorhandene Fähigkeiten. Trotzdem ist es wichtig, den Betroffenen nicht zu überfordern. Wird er ständig mit seinen nachlassenden Fähigkeiten konfrontiert, schadet dies und führt zu Verzweiflung, Mutlosigkeit oder Aggression.

5.  Achten Sie auf  Sicherheit. Sorgen Sie für ausreichende Beleuchtung ( vor allem nachts ), entfernen Sie lose Teppiche und sichern Sie mögliche Gefahrenquellen, wie Treppen, Gas-oder Elektrogeräte. Versuchen Sie zu verhindern, dass der Demenzkranke unbemerkt die Wohnung verlassen kann.

6.  Die Verständigung mit einem Alzheimer-Patienten gelingt besser, je einfacher die Sprache ist und je kürzer die Sätze sind.  Selbst wenn die Kommunikation über Worte nicht mehr möglich ist, kann sie in gewissem Umfang durch Gesten und Berührungen aufrecht erhalten werden.

Zu viele Reize auf einmal ( Fernseher, Radio, Lärm, laute Gespräche anderer, usw. ) verwirren die Betroffenen zu sehr und sorgen für Unruhe.

7.  Versuchen Sie möglichst gelassen mit den Ängsten oder aggressiven Ausbrüchen des Kranken umzugehen. Diese Verhaltensweisen sind Teil der Erkrankung, Ausdruck der Verunsicherung und keinesfalls als Bösartigkeit gemeint oder gegen Sie gerichtet !

8.  Vergessen Sie nicht sich selbst !  Auch Ihre Kräfte sind begrenzt und nur wenn Sie sich selbst genügend Freiräume und Erholungspausen verschaffen, sind Sie in der Lage, den Erkrankten zu versorgen und zu pflegen. Holen Sie sich rechtzeitig Hilfe von außen : Pflegedienste, Tagesbetreuung und / oder Kurzzeitpflege.  

In vielen Städten und Gemeinden haben sich Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige gegründet, die wertvolle Informationen weitergeben können und deren Mitglieder sich gegenseitig stützen.

 

Gerade im letzten Stadium der Demenz ist es nahezu unmöglich, den Betroffenen noch zuhause zu versorgen. Machen Sie sich dann keine Vorwürfe oder Schuldgefühle  – es ist kein Versagen, die Pflege eines Schwerkranken gänzlich in professionelle Hände zu geben.