Endlich Nichtraucher

 

 

Von dem Schriftsteller Mark Twain stammt das bekannte Zitat : „ Mit dem Rauchen aufzuhören ist das Einfachste, was ich je getan habe. Ich muss es wissen, denn ich habe es schon tausend Mal gemacht". So wie ihm geht es vielen Rauchern, die meisten haben schon unzählige erfolglose Versuche hinter sich gebracht. Das größte Problem stellt dabei neben der körperlichen auch die psychische Abhängigkeit dar.

 

Dass Rauchen nicht gesund ist, weiß inzwischen jeder : Der Gesundheitszustand ist insgesamt deutlich schlechter als bei Nichtrauchern. Die Immunabwehr ist geschwächt und damit ist auch die Anfälligkeit für Infekte größer. Das Krebsrisiko steigt enorm. Besonders betroffen sind davon die Lunge, die Mundhöhle, Zunge, Rachen, Kehlkopf und Speiseröhre. Rauchen bewirkt eine Verengung der Blutgefäße und somit eine Gefäßverkalkung vor allem der Arterien des Herzens, des Gehirns und der Gliedmaßen. Dies kann dann zu Schlaganfall, Herzinfarkt und schweren Durchblutungsstörungen („Raucherbein" ) führen.

 

Das Einstiegsalter bei Jugendlichen in die Nikotinsucht liegt in Deutschland derzeit bei 11 - 13 Jahren. Sind es zunächst noch Neugier und ein gewisser „Gruppenzwang", wird der Griff zur Zigarette schnell zum festen Bestandteil in vielen Situationen des Lebens.

Nikotin ist ein hochpotentes Pflanzengift, das schnell Sucht erzeugend wirkt und welches durch Verglimmen des Tabaks freigesetzt wird. An winzige Teerteilchen im Rauch gebunden, wird es über die Lunge vom Körper aufgenommen, von dort gelangt es in die Blutbahn und erreicht innerhalb weniger Sekunden das Gehirn. Hier regt das Nikotin die Freisetzung von Nervenbotenstoffen ( Neurotransmitter ) an : Dopamin löst Wohlbefinden und Hochstimmung aus und dämpft das Hungergefühl. Noradrenalin setzt Energie frei und wirkt stimulierend. Beta -Endorphin mindert Stress, Angst und Schmerz.

Der Körper gewöhnt sich schnell an die durch das Nikotin ausgelösten Effekte. Hat ein Raucher also die Erfahrung gemacht, dass er sich mit einer Zigarette beruhigen kann, wird er in stressigen und belastenden Situationen fast automatisch ( = Suchtgedächtnis ) zum Glimmstängel greifen.

Hinzu kommt, dass die Wirkung des Nikotins rasch nachlässt, da es vom Körper schnell abgebaut wird. Damit verschwinden schon nach kurzer Zeit die als positiv empfundenen Effekte und der Körper verlangt nach Nachschub. Der Körper gewöhnt sich zudem an das Nikotin und die Dosis muss immer mehr gesteigert werden, um die „angenehmen" Wirkungen erneut zu erzielen.

Bleibt der Zigarettennachschub aus, machen sich unangenehme Entzugssymptome bemerkbar: Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen und gesteigerter Appetit.

 Der Teufelskreis der Sucht beginnt und so wird auch aus manchem Gelegenheitsraucher schnell ein Kettenraucher.

 

Neben dem Suchtstoff  Nikotin ist auch das häufig über Jahre praktizierte Raucherverhalten daran schuld, dass es so schwer fällt, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Zigarette nach dem Essen, beim Telefonieren oder in Gesellschaft von anderen Rauchern ist schon längst zu einem Ritual geworden und derart festgefahrene Verhaltensmuster sind oft nur schwer wieder zu durchbrechen.

 

Gründe um mit dem Rauchen aufzuhören, gibt es genug :

1. Rauchen ist teuer und wird in den nächsten Jahren noch teurer werden ( die Tabaksteuer wird dafür sorgen !) :

 Eine Schachtel am Tag( für derzeit 5 Euro) bedeutet eine jährliche Ausgabe von 1825 Euro - und dafür könnte man sich einen schönen Urlaub leisten ! In 20 Jahren kommen so sogar 36.500 Euro zusammen !

2. Nichtraucher leben länger und gesünder :

Die Lebenserwartung von Rauchern liegt ,statistisch gesehen, um bis zu 10 Jahre niedriger. Nichtraucher sind auch im Alter leistungsfähiger und vitaler und gerade bei Frauen macht sich das Rauchen außerdem am Hautbild bemerkbar !

3. Rauchen schädigt auch andere :

Raucher schaden nicht nur sich selbst, sondern zwingen auch ihre Mitmenschen als Passivraucher die Schadstoffe einzuatmen. Vor allem Ehepartner und Kinder müssen oft unter einem Raucher in der Familie leiden. Gerade Eltern sollten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein : Rund 85 % der Kinder von rauchenden Eltern greifen später selbst zur Zigarette.

4. Nicht-Rauchen bedeutet mehr Freiheit :

Noch vor einigen Jahren konnte und durfte man überall rauchen : in Flugzeugen, Zügen, Restaurants  und am Arbeitsplatz, - ja sogar im Fernsehen wurde gequalmt. Die Werbung versprach mit dem Genuss der Zigarette Freiheit und Abenteuer. Doch damit ist es nicht mehr weit her : Rauchen ist fast überall in der Öffentlichkeit verboten und inzwischen auch gesellschaftlich nicht mehr so einfach akzeptiert. Die Toleranz gegenüber Rauchern schwindet und Raucherpausen sind in der Arbeitswelt nicht mehr gern gesehen.

 Sieht man dann im Winter die frierenden Raucher vor den Kneipen stehen oder  die überfüllten und dampfenden Aufenthaltszellen für Raucher auf manchen Bahnsteigen, wird klar, dass Rauchen mit Freiheit nichts mehr zu tun hat - das Gegenteil ist der Fall !

 

Ein häufig genannter Grund , warum viele Abhängige nicht mit dem Rauchen auf hören wollen, ist die Angst vor einer Gewichtszunahme. Nikotin erhöht den Energieverbrauch des Körpers und dämpft das Hungergefühl. Dadurch werden am Tag bis zu 300 cal. mehr verbrannt. Ohne Nikotin kommt es nun zu einer vorübergehenden ( ! ) einer Umstellung des Stoffwechsels. Aber auch der Geruchs-und Geschmackssinn verbessert sich, steigert den Essgenuss und damit auch die Lebensqualität ! Falls man also als „frischer" Nichtraucher vorübergehend ein paar Kilo zulegen sollte, ist dies trotzdem gesünder als weiterhin zu rauchen. Abnehmen kann man mit Sport und richtiger Ernährung immer noch.

 

Zur Raucherentwöhnung gibt es viele Methoden, die leider nicht alle erfolgversprechend sind. So hat z.B. die sogenannte „Silvester-Methode", nur eine ganz geringe Erfolgsbilanz. Hier versucht der Raucher ganz plötzlich von einem Tag auf den anderen und ohne jegliche Vorbereitung mit dem Rauchen aufzuhören. Wenig sinnvoll dürften auch die „Wundermittel" sein, für die regelmäßig in Zeitschriften oder im Internet geworben wird und die „rauchfrei in drei Stunden" versprechen.

Bei der Nikotinentwöhnung mit Hilfe von Akupunktur oder Hypnose sind die Erfolge sehr unterschiedlich. Die Vorstellung, sozusagen „im Schlaf" Nichtraucher zu werden , ist sehr verlockend. Mitunter werden über einen gewissen Zeitraum auch gute Ergebnisse erzielt. Die Rückfallgefahr ist jedoch sehr hoch, da der Raucher nicht lernt, selbst aktiv gegen seine Sucht vorzugehen.

Seit einigen Jahren ist auch eine „Anti-Raucher-Pille" auf dem Markt. Das Präparat wirkt direkt auf die Nikotinrezeptoren im Gehirn, ist verschreibungspflichtig, muss aus eigener Tasche bezahlt werden und verursacht teils gravierende Nebenwirkungen, wie Bewusstseins-und Sehstörungen, Herzprobleme und Depressionen. Aber auch hier ist die Wirksamkeit nicht vollständig belegt - zudem eine sehr „ungesunde" Methode um zum Nichtraucher zu werden.  

Nichtraucherseminare sind meist eintägige Veranstaltungen, bei denen ein charismatischer Seminarleiter mit Hilfe einer gewissen Gruppendynamik versucht, die Teilnehmer zu Nichtrauchern zu „bekehren". Die Erfolgsquote ist hierbei ziemlich gering.

Nikotinersatzpräparate zielen auf die Entzugserscheinungen nach dem Rauchstopp. Mit Hilfe von Nikotinkaugummis oder Nikotinpflastern wird dem rauchfreien Körper dosiert Nikotin zugeführt. So soll ein dauerhaft niedriger Spiegel ohne Zigaretten erzeugt werden. Dies hilft vor allem frischen Nichtrauchern die Entzugserscheinungen zu mildern und das Rauchverlangen einzudämmen. Diese Nikotinersatzpräparate wirken jedoch nur gegen die körperliche Abhängigkeit, die psychische Abhängigkeit bleibt bestehen. Daher ist diese Methode, wenn sie allein eingesetzt wird, oft nicht zielführend und die Rückfallgefahr ist entsprechend hoch.

Die höchste Erfolgsquote auf dem Weg zum Nichtraucher verzeichnet die Verhaltenstherapie.

Diese findet in kleinen Gruppen oder individueller, in Einzeltherapie, statt. Hier werden die Teilnehmer langsam und schrittweise vom Raucher weg, hin zum Nichtraucher geführt. Im Gespräch mit dem Therapeuten und mit Hilfe eines Rauchertagebuches wird zunächst das eigene Rauchverhalten bewusst gemacht :  Wann, in welchen Situationen oder bei welchen Gefühlszuständen wird denn zur Zigarette gegriffen ?  Welche Raucherrituale werden regelmäßig durchgeführt ? Als nächsten Schritt gehen die Teilnehmer daran, schrittweise und bewusst ihr Rauchverhalten zu ändern, indem sie alternative Verhaltensweisen erlernen und einüben. Dies bedeutet konkret, dass jemand, der bisher vor allem in stressigen Situationen geraucht hat, nun neue Bewältigungsstrategien lernt, um mit Stress und Anspannung besser umgehen zu können. 

Zuletzt lernen die Betroffenen ihre persönlichen Auslöser für einen Rückfall rechtzeitig zu erkennen, aber auch mit Rückfällen entsprechend umzugehen.

Wählen kann der Teilnehmer meist zwischen der Reduktionsmethode ( = stufenweise weniger rauchen ) oder der Schlusspunktmethode ( = zu einem anvisierten Zeitpunkt oder sofort ).

Um die körperlichen Entzugssymptome zu mildern werden anfangs manchmal, zusätzlich zur Therapie, Nikotinersatzpräparate eingesetzt.

Viele Psychotherapeuten und Psychologen bieten die Verhaltenstherapie zur Raucherentwöhnung  an, sowie manche Krankenkasse im Rahmen eines Kurses.

 

Es lohnt sich mit dem Rauchen aufzuhören und es dauert gar nicht so lange, bis sich erste Gesundheitsverbesserungen einstellen : bereits nach 24 Stunden sinkt der Kohlenmonoxidgehalt im Blut. Damit bekommen Blutgefäße und Organe mehr Sauerstoff und man fühlt sich fitter und leistungsfähiger. Nach 3 Tagen verfeinern sich Geruchs-und Geschmacksssinn. Nach 3 Monaten ist die Lungenkapazität um bis zu 30 % gestiegen und nach einem Jahr ist der allgemeine Gesundheitszustand wesentlich verbessert. Zwei Jahre später ist das Herzinfarktrisiko um die Hälfte zurückgegangen. Nach 10 bis 15 Jahren entspricht das Krebsrisiko, sowie das Schlaganfall-und Herzinfarktrisiko dem eines Nichtrauchers.