(Erwachsene)Kinder und alkoholabhängige / suchtkranke Eltern



Kinder aus alkoholkranken Familien werden in der Fachliteratur oft als „vergessene Kinder“ bezeichnet. Vergessen deshalb, weil es in diesen Familien für die Kinder kaum Aufmerksamkeit gibt. Der suchtkranke Elternteil denkt nur an Alkohol und der andere Elternteil kreist mit seinen Gedanken um den süchtigen Partner. Auch professionelle Helfer
(Suchthilfe, Sozialarbeiter-und Pädagogen) kümmern sich in erster Linie um den Süchtigen.
Die Bedürfnisse der Kinder bleiben allzu oft auf der Strecke und sie müssen schon frühzeitig Verantwortung übernehmen, die nicht altersgemäß ist. Dabei benötigen diese Kinder dringend Unterstützung, denn leider wächst oft so die nächste Generation von Suchtkranken heran.

Eine Langzeitstudie zeigt, dass etwa ein Drittel der Kinder aus suchtbelasteten Familien als Erwachsene selbst auch abhängig werden und ein weiteres Drittel entwickelt psychische oder soziale Störungen. Sie erkranken später überdurchschnittlich häufig an Depressionen, Ess-Störungen, Ängsten und psychosomatischen Störungen, haben große Probleme in ihren Partnerschaften und im Beruf. Sehr häufig suchen sie sich einen suchtkranken Lebenspartner und wiederholen so die aus der Herkunftsfamilie gewohnten Beziehungsmuster .
Dies ist allerdings kein zwangsläufiges Schicksal, sondern kann durchaus verhindert werden, indem der nichtsüchtige Elternteil z.B. zu einer Familienberatungsstelle geht, eine Selbsthilfegruppe aufsucht oder psychologische Hilfe für sich in Anspruch nimmt, um eigenes coabhängiges Verhalten zu erkennen und zu verändern. Solche Selbsthilfegruppen gibt es auch schon für Kinder !
Auch das Vorhandensein sicherer Beziehungen zu andere Erwachsenen kann diesen Kindern helfen, trotz widriger Verhältnisse eine stabile Psyche zu entwickeln. Dies können liebevolle Großeltern sein, Verwandte,  Menschen aus der Nachbarschaft, Lehrer, Sporttrainer oder Jugendgruppenleiter. Einfach Erwachsene, die bereit sind, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, die ihnen zuhören und notfalls auch nicht davor zurückschrecken, Ämter oder Behörden einzuschalten.

Das Leben in einer Suchtfamilie ist vor allem für die Kinder extrem belastend. Der Suchtkranke verliert oft seinen Job, finanzielle Probleme beginnen und damit meist auch eine soziale Isolation. Niemand soll merken, was in der Familie wirklich los ist. Die Suchterkrankung wird oft lange verleugnet oder verharmlost und die Kinder sind gezwungen, dieses „Familiengeheimnis“ zu hüten. Die Atmosphäre ist ständig angespannt mit extremen Stimmungsschwankungen. Scham, Angst, Demütigungen und Hilflosigkeit prägen das Familienklima. Zuneigung und Aufmerksamkeit für die Kinder hängen oft davon ab, ob und wie viel der alkoholkranke Elternteil getrunken hat. Die Erziehung schwankt zwischen Vernachlässigung  und Verwöhnung. Es gibt keine verbindlichen Regeln und das Verhalten der Eltern ist nicht  berechenbar.
Die Familie bewegt sich manchmal jahrelang zwischen neuer Hoffnung und Enttäuschung. Alkoholrückfälle und nicht eingehaltene Versprechen führen in der Gefühlswelt des Kindes zu Misstrauen, Angst, Trauer und dem Gefühl, nicht geliebt zu werden. Nicht selten glauben Kinder sogar, sie seien schuld an den ständigen Streitigkeiten der Eltern und daran, dass ein Elternteil trinkt. Insgesamt müssen sie die Erfahrung machen, dass sie sich auf ihre Eltern nicht verlassen können und dass sie den Worten anderer nicht vertrauen können. Es gibt kaum Sicherheit und Geborgenheit.
In Familien mit einem suchtkranken Elternteil kommt es durch die permanente Überforderung  der Eltern häufig auch zu unterschiedlichen Gewaltformen und zu emotionalen, sexuellen und körperlichen Grenzüberschreitungen. Übermäßiger Alkoholkonsum führt zu Abbau von Hemmungen und fördert aggressives Verhalten und somit ist die Gefahr von Gewalt in Suchtfamilien um ein Dreifaches erhöht. Die Kinder sehen oft keine Chance, sich gegen diese Übergriffe zu wehren, spalten ihre Gefühle ab und empfinden irgendwann die Misshandlungen als „normal“ oder „verdient“.
Alle diese Erfahrungen prägen auch das spätere Verhalten als Erwachsener und haben entsprechende Auswirkungen auf private und berufliche Beziehungen. Die drei „erlernten“ Grundregeln sind verinnerlicht und bleiben oft bestehen : Vertraue niemandem ! Rede nicht! Zeige keine Gefühle !

Kinder aus Familien mit Alkoholproblemen entwickeln regelrechte Überlebensstrategien für sich, um das gestörte Familienleben wieder in die Balance zu bringen. Als Erwachsene können sie dann diese Rollenmuster ohne psychologische  Hilfe oft gar nicht mehr erkennen und wieder ablegen.
Das „Heldenkind“ übernimmt Aufgaben, die die Eltern nicht mehr oder nur noch ungenügend  wahrnehmen. Dieses Kind lernt früh, dass es sich nur auf sich selbst verlassen kann. Häufig ist es das älteste Kind oder ein Einzelkind. Diesem Kind wird die Verantwortung für die Haushaltsführung und die Erziehung der jüngeren Geschwister übertragen. Es putzt, kocht, wäscht, kauft ein und übernimmt alle Aufgaben, die eigentlich die Mutter oder der Vater erledigen sollten. Vor allem Mädchen sind in dieser Rolle oft gefangen, weil sie sich mit den typisch weiblichen Rollenerwartungen deckt : sich um andere kümmern und sie umsorgen – dabei aber die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zurückstellen. Durch dieses Verhalten bekommen sie von ihrer Umwelt viel Lob und Anerkennung und sichern sich so eine gewisse Aufmerksamkeit. Nach außen signalisieren sie : „ Bei uns ist alles in Ordnung !“. Diese Kinder sind häufig stark leistungsorientiert und gute Schüler.
Als Erwachsene sind sie oft kompetent, verantwortungsbewusst, erfolgreich und zuverlässig. Bei einer negativen Entwicklung können die „Heldenkinder“ später keine Fehler oder Misserfolge ertragen, haben ein starkes Kontrollbedürfnis, werden zu „Workaholics“  und sind besonders anfällig, sich (unbewusst) einen suchtkranken Partner zu suchen.

Das „schwarze Schaf“ oder der „Sündenbock“  lenkt durch ein unangemessenes und auffälliges Verhalten vom suchtkranken Elternteil ab und stellt sich selbst damit in das Zentrum der Aufmerksamkeit, - nach dem Motto : „Besser negative Aufmerksamkeit, als gar keine Beachtung“. Diese Kinder haben das Chaos in ihrer Familie verinnerlicht und sind oft sehr feindselig, voller Wut und Abwehr und erleben dadurch ständig Zurückweisung und Ablehnung. Sie sind häufig gewaltbereit, haben Probleme in der Schule und bleiben oft ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung, halten sich an keine Regeln, konsumieren selbst sehr früh Alkohol oder Drogen und gehen sexuelle Kontakte ein,-  was bei Mädchen zu (mitunter durchaus gewollten) Schwangerschaften führt. Es besteht die Gefahr, dass diese Kinder in die Kriminalität abrutschen. Das Fehlverhalten ist oft nichts anderes als ein Hilfeschrei !
Durch das auffällige Verhalten werden mitunter Jugendämter und Behörden auf die Situation in der Familie aufmerksam, was sich als Chance für alle Familienmitglieder erweisen kann. Gezielte Maßnahmen und Hilfsangebote in Form von Familienberatung, Erziehungsbeihilfe, Suchtberatung-und Therapie können viel Positives bewirken.
Als Erwachsene haben die „Sündenbock-Kinder“ oft selbst mit Suchtproblemen und den Nachwirkungen ihrer Jugendzeit zu kämpfen. Es fehlt manchmal an sozialer Kompetenz und das Zusammenleben in einer festen Partnerschaft gestaltet sich häufig als schwierig.

Das „stille Kind“ hat sich zurückgezogen  und verhält sich für die Eltern und die Außenwelt völlig unauffällig, – wenn es überhaupt wahrgenommen wird, wird es für sein „pflegeleichtes“ Verhalten gelobt. Diese Kinder versuchen Konflikte zu vermeiden und passen sich an jede Situation still an. Sie zeigen ihre Gefühle nicht, leiden unter ihrer Einsamkeit, haben wenig Kontakt zu Gleichaltrigen und keine Lebensfreude.
 Auch als Erwachsene leben sie häufig isoliert, gehen Konflikten aus dem Weg und können eigene Bedürfnisse weder erkennen noch durchsetzen.

Der „Clown“ ist oft das jüngste Kind in der Familie und überspielt die Spannungen durch fröhliches Herumkaspern. Es tut alles, um Lachen oder Aufmerksamkeit hervorzurufen,- vielfach auch nur, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Durch die oft aufgesetzte gute Laune vermittelt es das Gefühl, dass „alles gar nicht so schlimm“ ist.
Diese Kinder sind oft niedlich, süß und nett und bemühen sich, überall für gute Stimmung zu sorgen. Manchmal finden sie aber keine Grenze zum Aufhören und werden dann in ihrer Umgebung als nervig, überaktiv und unreif wahrgenommen. Sie zeigen keine negativen Gefühle, wie Traurigkeit oder Angst und haben ein ausgeprägtes Harmonie-und Anerkennungsbedürfnis.
Als Erwachsene sind diese Kinder häufig sehr charmant, witzig, geistreich, humorvoll und hilfsbereit, können aber mit Problemen und Stress nicht gut umgehen. Ständig suchen sie Anerkennung und Bestätigung.

Alle die hier geschilderten Rollen mit ihren verschiedenen Verhaltensmustern prägen die Kinder und haben Auswirkungen und Folgen für ihr späteres Leben. Oft zeigen sich die Belastungen aus der Kindheit erst im Erwachsenenalter in Form von Beziehungsproblemen und psychischen Störungen, wie z.B. Depressionen, Angst-und Zwangsstörungen.
Die Betroffenen haben häufig keinen Zugang zu ihren Gefühlen, manche arbeiten exzessiv, andere brauchen ständig Anerkennung und Aufmerksamkeit. Viele entwickeln selbst eine Sucht: nach Alkohol, Drogen, Medikamenten und Glücksspiel – aber auch nach Essen, Kaufen oder Sex. Nahezu alle haben besonders große Schwierigkeiten, wenn es um die Themen „Liebe, Nähe, Partnerschaft und Kindererziehung“ geht.

Um die früh angenommenen Rollen und die daraus entstandenen Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern, kann auch professionelle Hilfe durch einen Psychologen oder Psychotherapeuten, nötig sein. Zusätzlich können Selbsthilfegruppen, z.B. Al-Anon, Unterstützung bieten. Hier kann man sich mit anderen austauschen, die ebenfalls als Kind suchtkranker Eltern aufgewachsen sind und die nun als Erwachsene vielleicht die gleichen Probleme haben, wie man selbst.

Man kann sich zwar nicht aussuchen, ob man als Kind in eine suchtkranke Familie hineingeboren wird, aber man kann als Erwachsener später verhindern, dass die Sucht von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.




                                                                                           







 








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Kinder aus alkoholkranken Familien werden in der Fachliteratur oft als „vergessene Kinder" bezeichnet. Vergessen deshalb, weil es in diesen Familien für die Kinder kaum Aufmerksamkeit gibt. Der suchtkranke Elternteil denkt nur an Alkohol und der andere Elternteil kreist mit seinen Gedanken um den süchtigen Partner. Auch professionelle Helfer
(Suchthilfe, Sozialarbeiter-und Pädagogen) kümmern sich in erster Linie um den Süchtigen.
Die Bedürfnisse der Kinder bleiben allzu oft auf der Strecke und sie müssen schon frühzeitig Verantwortung übernehmen, die nicht altersgemäß ist. Dabei benötigen diese Kinder dringend Unterstützung, denn leider wächst oft so die nächste Generation von Suchtkranken heran.

Eine Langzeitstudie zeigt, dass etwa ein Drittel der Kinder aus suchtbelasteten Familien als Erwachsene selbst auch abhängig werden und ein weiteres Drittel entwickelt psychische oder soziale Störungen. Sie erkranken später überdurchschnittlich häufig an Depressionen, Ess-Störungen, Ängsten und psychosomatischen Störungen, haben große Probleme in ihren Partnerschaften und im Beruf. Sehr häufig suchen sie sich einen suchtkranken Lebenspartner und wiederholen so die aus der Herkunftsfamilie gewohnten Beziehungsmuster .
Dies ist allerdings kein zwangsläufiges Schicksal, sondern kann durchaus verhindert werden, indem der nichtsüchtige Elternteil z.B. zu einer Familienberatungsstelle geht, eine Selbsthilfegruppe aufsucht oder psychologische Hilfe für sich in Anspruch nimmt, um eigenes coabhängiges Verhalten zu erkennen und zu verändern. Solche Selbsthilfegruppen gibt es auch schon für Kinder !
Auch das Vorhandensein sicherer Beziehungen zu andere Erwachsenen kann diesen Kindern helfen, trotz widriger Verhältnisse eine stabile Psyche zu entwickeln. Dies können liebevolle Großeltern sein, Verwandte,  Menschen aus der Nachbarschaft, Lehrer, Sporttrainer oder Jugendgruppenleiter. Einfach Erwachsene, die bereit sind, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, die ihnen zuhören und notfalls auch nicht davor zurückschrecken, Ämter oder Behörden einzuschalten.

Das Leben in einer Suchtfamilie ist vor allem für die Kinder extrem belastend. Der Suchtkranke verliert oft seinen Job, finanzielle Probleme beginnen und damit meist auch eine soziale Isolation. Niemand soll merken, was in der Familie wirklich los ist. Die Suchterkrankung wird oft lange verleugnet oder verharmlost und die Kinder sind gezwungen, dieses „Familiengeheimnis" zu hüten. Die Atmosphäre ist ständig angespannt mit extremen Stimmungsschwankungen. Scham, Angst, Demütigungen und Hilflosigkeit prägen das Familienklima. Zuneigung und Aufmerksamkeit für die Kinder hängen oft davon ab, ob und wie viel der alkoholkranke Elternteil getrunken hat. Die Erziehung schwankt zwischen Vernachlässigung  und Verwöhnung. Es gibt keine verbindlichen Regeln und das Verhalten der Eltern ist nicht  berechenbar.
Die Familie bewegt sich manchmal jahrelang zwischen neuer Hoffnung und Enttäuschung. Alkoholrückfälle und nicht eingehaltene Versprechen führen in der Gefühlswelt des Kindes zu Misstrauen, Angst, Trauer und dem Gefühl, nicht geliebt zu werden. Nicht selten glauben Kinder sogar, sie seien schuld an den ständigen Streitigkeiten der Eltern und daran, dass ein Elternteil trinkt. Insgesamt müssen sie die Erfahrung machen, dass sie sich auf ihre Eltern nicht verlassen können und dass sie den Worten anderer nicht vertrauen können. Es gibt kaum Sicherheit und Geborgenheit.
In Familien mit einem suchtkranken Elternteil kommt es durch die permanente Überforderung  der Eltern häufig auch zu unterschiedlichen Gewaltformen und zu emotionalen, sexuellen und körperlichen Grenzüberschreitungen. Übermäßiger Alkoholkonsum führt zu Abbau von Hemmungen und fördert aggressives Verhalten und somit ist die Gefahr von Gewalt in Suchtfamilien um ein Dreifaches erhöht. Die Kinder sehen oft keine Chance, sich gegen diese Übergriffe zu wehren, spalten ihre Gefühle ab und empfinden irgendwann die Misshandlungen als „normal" oder „verdient".
Alle diese Erfahrungen prägen auch das spätere Verhalten als Erwachsener und haben entsprechende Auswirkungen auf private und berufliche Beziehungen. Die drei „erlernten" Grundregeln sind verinnerlicht und bleiben oft bestehen : Vertraue niemandem ! Rede nicht! Zeige keine Gefühle !

Kinder aus Familien mit Alkoholproblemen entwickeln regelrechte Überlebensstrategien für sich, um das gestörte Familienleben wieder in die Balance zu bringen. Als Erwachsene können sie dann diese Rollenmuster ohne psychologische  Hilfe oft gar nicht mehr erkennen und wieder ablegen.
Das „Heldenkind" übernimmt Aufgaben, die die Eltern nicht mehr oder nur noch ungenügend  wahrnehmen. Dieses Kind lernt früh, dass es sich nur auf sich selbst verlassen kann. Häufig ist es das älteste Kind oder ein Einzelkind. Diesem Kind wird die Verantwortung für die Haushaltsführung und die Erziehung der jüngeren Geschwister übertragen. Es putzt, kocht, wäscht, kauft ein und übernimmt alle Aufgaben, die eigentlich die Mutter oder der Vater erledigen sollten. Vor allem Mädchen sind in dieser Rolle oft gefangen, weil sie sich mit den typisch weiblichen Rollenerwartungen deckt : sich um andere kümmern und sie umsorgen - dabei aber die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zurückstellen. Durch dieses Verhalten bekommen sie von ihrer Umwelt viel Lob und Anerkennung und sichern sich so eine gewisse Aufmerksamkeit. Nach außen signalisieren sie : „ Bei uns ist alles in Ordnung !". Diese Kinder sind häufig stark leistungsorientiert und gute Schüler.
Als Erwachsene sind sie oft kompetent, verantwortungsbewusst, erfolgreich und zuverlässig. Bei einer negativen Entwicklung können die „Heldenkinder" später keine Fehler oder Misserfolge ertragen, haben ein starkes Kontrollbedürfnis, werden zu „Workaholics"  und sind besonders anfällig, sich (unbewusst) einen suchtkranken Partner zu suchen.

Das „schwarze Schaf" oder der „Sündenbock"  lenkt durch ein unangemessenes und auffälliges Verhalten vom suchtkranken Elternteil ab und stellt sich selbst damit in das Zentrum der Aufmerksamkeit, - nach dem Motto : „Besser negative Aufmerksamkeit, als gar keine Beachtung". Diese Kinder haben das Chaos in ihrer Familie verinnerlicht und sind oft sehr feindselig, voller Wut und Abwehr und erleben dadurch ständig Zurückweisung und Ablehnung. Sie sind häufig gewaltbereit, haben Probleme in der Schule und bleiben oft ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung, halten sich an keine Regeln, konsumieren selbst sehr früh Alkohol oder Drogen und gehen sexuelle Kontakte ein,-  was bei Mädchen zu (mitunter durchaus gewollten) Schwangerschaften führt. Es besteht die Gefahr, dass diese Kinder in die Kriminalität abrutschen. Das Fehlverhalten ist oft nichts anderes als ein Hilfeschrei !
Durch das auffällige Verhalten werden mitunter Jugendämter und Behörden auf die Situation in der Familie aufmerksam, was sich als Chance für alle Familienmitglieder erweisen kann. Gezielte Maßnahmen und Hilfsangebote in Form von Familienberatung, Erziehungsbeihilfe, Suchtberatung-und Therapie können viel Positives bewirken.
Als Erwachsene haben die „Sündenbock-Kinder" oft selbst mit Suchtproblemen und den Nachwirkungen ihrer Jugendzeit zu kämpfen. Es fehlt manchmal an sozialer Kompetenz und das Zusammenleben in einer festen Partnerschaft gestaltet sich häufig als schwierig.

Das „stille Kind" hat sich zurückgezogen  und verhält sich für die Eltern und die Außenwelt völlig unauffällig, - wenn es überhaupt wahrgenommen wird, wird es für sein „pflegeleichtes" Verhalten gelobt. Diese Kinder versuchen Konflikte zu vermeiden und passen sich an jede Situation still an. Sie zeigen ihre Gefühle nicht, leiden unter ihrer Einsamkeit, haben wenig Kontakt zu Gleichaltrigen und keine Lebensfreude.
 Auch als Erwachsene leben sie häufig isoliert, gehen Konflikten aus dem Weg und können eigene Bedürfnisse weder erkennen noch durchsetzen.

Der „Clown" ist oft das jüngste Kind in der Familie und überspielt die Spannungen durch fröhliches Herumkaspern. Es tut alles, um Lachen oder Aufmerksamkeit hervorzurufen,- vielfach auch nur, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Durch die oft aufgesetzte gute Laune vermittelt es das Gefühl, dass „alles gar nicht so schlimm" ist.
Diese Kinder sind oft niedlich, süß und nett und bemühen sich, überall für gute Stimmung zu sorgen. Manchmal finden sie aber keine Grenze zum Aufhören und werden dann in ihrer Umgebung als nervig, überaktiv und unreif wahrgenommen. Sie zeigen keine negativen Gefühle, wie Traurigkeit oder Angst und haben ein ausgeprägtes Harmonie-und Anerkennungsbedürfnis.
Als Erwachsene sind diese Kinder häufig sehr charmant, witzig, geistreich, humorvoll und hilfsbereit, können aber mit Problemen und Stress nicht gut umgehen. Ständig suchen sie Anerkennung und Bestätigung.

Alle die hier geschilderten Rollen mit ihren verschiedenen Verhaltensmustern prägen die Kinder und haben Auswirkungen und Folgen für ihr späteres Leben. Oft zeigen sich die Belastungen aus der Kindheit erst im Erwachsenenalter in Form von Beziehungsproblemen und psychischen Störungen, wie z.B. Depressionen, Angst-und Zwangsstörungen.
Die Betroffenen haben häufig keinen Zugang zu ihren Gefühlen, manche arbeiten exzessiv, andere brauchen ständig Anerkennung und Aufmerksamkeit. Viele entwickeln selbst eine Sucht: nach Alkohol, Drogen, Medikamenten und Glücksspiel - aber auch nach Essen, Kaufen oder Sex. Nahezu alle haben besonders große Schwierigkeiten, wenn es um die Themen „Liebe, Nähe, Partnerschaft und Kindererziehung" geht.

Um die früh angenommenen Rollen und die daraus entstandenen Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern, kann auch professionelle Hilfe durch einen Psychologen oder Psychotherapeuten, nötig sein. Zusätzlich können Selbsthilfegruppen, z.B. Al-Anon, Unterstützung bieten. Hier kann man sich mit anderen austauschen, die ebenfalls als Kind suchtkranker Eltern aufgewachsen sind und die nun als Erwachsene vielleicht die gleichen Probleme haben, wie man selbst.

Man kann sich zwar nicht aussuchen, ob man als Kind in eine suchtkranke Familie hineingeboren wird, aber man kann als Erwachsener später verhindern, dass die Sucht von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.




                                                                                            







 








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