Fernbeziehung: Liebe auf Distanz

 

Diese Beziehungsform bei der beide Partner aus beruflichen Gründen zeitweise räumlich voneinander getrennt leben, ist schon längst keine Seltenheit mehr. Mindestens jede achte Partnerschaft in Deutschland ist eine „Fernliebe“ – und es werden immer mehr.

Vor einigen Jahren waren davon nur bestimmte Berufsgruppen betroffen, wie zum Beispiel Fernfahrer, Seeleute, Soldaten oder Studenten. Heutzutage gibt es kaum mehr eine Berufssparte, die davon ausgenommen wäre.

Die Wirtschaft fordert immer mehr Mobilität und Flexibilität von Angestellten, Arbeitern und Selbständigen. Die angestrebte Karriere, der drohende Verlust des Arbeitsplatzes oder lange Arbeitslosigkeit zwingen viele Menschen dazu einen Arbeitsplatz anzutreten, der oft viele Auto, - Zug, - oder Flugstunden von ihrem Zuhause entfernt ist.

 

Der Lebenspartner, Kinder, Familie und Freunde bleiben zurück. Keine leichte Situation für alle Beteiligten und für jede Beziehung eine Belastungsprobe.

Gerade der oft langweilige Alltag, der im normalen ( Ehe) Leben oft als Beziehungskiller angesehen wird, wird plötzlich so sehr vermisst.

Viele Fragen drängen sich auf : Werden wir uns fremd und uns womöglich auseinander leben ? Wie kann der Alltag funktionieren ? Wie ist es mit der Treue ? Hält unsere Partnerschaft das überhaupt aus ?

 

In Fernbeziehungen muss jeder eine Strategie entwickeln, wie er damit gut leben kann. Wichtig sind als Grundvoraussetzung Toleranz und Vertrauen, sowie das ehrliche Bestreben beider Partner eine andere, gemeinsame Kommunikation zu entwickeln und auch über die Ferne hinweg Probleme zu lösen.

Ganz entscheidend ist auch, dass sich beide über Sinn und Notwendigkeit der Arbeitssituation einig sind und der Partner zuhause dem anderen dies nicht als willkommene Abwechslung oder Rückzug aus der Beziehung auslegt.

 

So eine Wochenendbeziehung kann das endgültige Aus für eine bereits wacklige Partnerschaft bedeuten, aber auch eine Chance sein, wenn zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit und finanzielle Sorgen die Beziehung sehr belastet war.

 

Das Hauptproblem bei einer räumlich getrennten Beziehung ist die Tatsache, dass beide Partner bei jedem Wiedersehen aus meist gänzlich verschiedenen Alltagen kommen und so bei der Rückkehr des einen zwei unterschiedliche Lebenswelten aufeinander prallen.

Deshalb ist es also ganz normal, dass es je nach Dauer der Trennung einige Zeit in Anspruch nehmen kann, bis man sich wieder aneinander gewöhnt hat und dass daher die Wiedersehensfreude zunächst etwas getrübt ist.

Die beiden Partner beobachten sich häufig erst einmal gegenseitig, ob und wie sich der andere verändert hat. Selbst Kleinigkeiten fallen da sofort auf und man ist schnell verunsichert, was wohl der Anlass für die Veränderung sein könnte.

Egal, ob die Trennung nun einige Tage oder mehrere Wochen gedauert hat, die beiden Partner müssen ihre Erlebnisse, eigene innere und äußere Veränderungen und Entwicklungen erst wieder zu einer gemeinsamen Welt zusammenfügen. Nehmen Sie sich daher, wenn möglich, erst einmal Zeit zu zweit !

 

 

Doch nun noch einige Tipps, um eine Fernbeziehung besser gestalten zu können :

 

1.  Dämpfen Sie zu hohe Erwartungen !

Paare, die in einer Fernbeziehung leben, überfordern sich oft gegenseitig.

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche freut man sich auf den Partner, doch mit dieser Freude ist eine hohe Erwartungshaltung verbunden. Der andere soll freundlich, ausgeglichen und unternehmungslustig sein, - schließlich möchte man alles nachholen, was unter der Woche versäumt wurde.

Doch oft kommt es dann ganz anders. Der Pendler kommt nach einer anstrengenden Arbeitswoche und Heimreise müde nach Hause und möchte nur noch seine Ruhe, denn die Mobilität fordert auch ihren physischen Tribut.

Der andere Partner, der die ganze Zeit über im eigenen Beruf eingespannt war, die Widrigkeiten des Alltags allein bewältigen musste und  sich um den Haushalt und oft auch noch um die gemeinsamen Kinder gekümmert hat, erhofft sich nun tatkräftige Unterstützung.

Jeder appelliert an das Verständnis des anderen für die eigene Situation und erntet oft nur Unverständnis. So erleben viele Paare statt der erhofften Harmonie Enttäuschung, Streit und das Gefühl, sich auseinander gelebt zu haben.

Um das zu vermeiden, sollten beide schon Tage zuvor darüber reden, was sie sich vom Wochenende erwarten und wie dieses gestaltet werden könnte.

Neben der Zeit, die man mit dem Partner und den Kindern verbringt, sollte jeder eine gewisse „ Frei – Zeit“  für eigene Bedürfnisse, Hobbys oder einfach nur zum Ausruhen haben.

 

Um mehr Zeit füreinander zu haben, sollte man Pflichten und Verpflichtungen, denen man bisher stets nachgekommen ist, auf deren Notwendigkeit hin überprüfen. Muss das Auto wirklich jeden Samstag gewaschen werden und könnten Besuche bei Verwandten nicht auch einmal ausfallen ?

Um zu erfolgreichen Kompromissen zu gelangen, wird jeder Partner auf bestimmte Gewohnheiten verzichten müssen.

 

2.  Schaffen Sie Rituale !

Rituale verstärken das Gefühl der Gemeinsamkeit. Ein bestimmtes Ritual hilft beim Wiedersehen, das womöglich entstandene Gefühl der Entfremdung schneller zu verlieren oder die Zeit kurz vor dem Abschied leichter zu ertragen.

Vor allem für Kinder bedeuten Rituale eine gewisse Sicherheit, die sehr wichtig ist, um die Trennung von einem Elternteil besser zu verkraften.

 

3.  Entwickeln Sie eine passende Streitkultur !

Schwierigkeiten und Ärger sollte man besser sofort und offen ansprechen.

Gerade Paare in Fernbeziehungen neigen dazu, Auseinandersetzungen zu vermeiden, weil sie die Harmonie in der gemeinsamen Zeit oder am Telefon nicht zerstören möchten.

Doch die Unzufriedenheit wächst und irgendwann kommt der große Ausbruch – für den Partner dann oft unverständlich. Es ist auch wenig sinnvoll, Probleme und Konflikte und die dazu nötige Aussprache immer auf  das Wiedersehen zu verschieben, dafür ist die oft knapp bemessene gemeinsame Zeit zu kostbar.

Lernen Sie deshalb manches auch am Telefon zu lösen ! Klappt dies nicht in einem Gespräch, so vereinbaren Sie ein weiteres, aber am gleichen Tag !

Und : Seien Sie nie aus Trotz oder Zorn unerreichbar ! Das hinterlässt beim Partner ein Gefühl der Ohnmacht.

 

4.  Nutzen Sie alle Möglichkeiten der Kommunikation !

Die beste Beziehungspflege geschieht durch regelmäßige, und wenn möglich tägliche Kontakte über Telefon, SMS oder E – Mail.

Nur so kann jeder am Alltag des anderen teilhaben und die emotionale Verbindung bleibt bestehen. 

Gerade für den fernen Partner ist es wichtig zu wissen, was zuhause passiert – viele fühlen sich sonst daheim schnell fremd und überflüssig.

 Vergessen Sie nie, Ihren Partner darüber zu informieren, wenn Sie einmal für längere Zeit nicht erreichbar sind ! Der andere macht sich unnötig Sorgen und Gedanken, reagiert womöglich misstrauisch oder eifersüchtig.

 

5.  Erhalten Sie das Wir – Gefühl !

Da einem trotz aller Bemühungen vieles aus dem Leben des anderen entgeht, ist es für das Wir – Gefühl von Familien wichtig, immer wieder gemeinsame Erlebnisse, wie Reisen, Ausflüge  oder besondere Momente zu schaffen.

Allerdings sollten Eltern auch mal etwas ohne den Nachwuchs unternehmen, um sich wieder als Liebespaar zu sehen und zu fühlen.

 

6.  Bauen Sie sich ein eigenes soziales Umfeld auf !

Um zufrieden leben zu können, genügt es nicht, die Erfüllung all seiner Bedürfnisse in die gemeinsame Zeit zu verlegen oder das Lebensglück von der Anwesenheit des Partners abhängig zu machen.

Jeder sollte sich für seinen Alltag einen eigenen kleinen Freundeskreis  aufbauen oder ein vom Partner unabhängiges Hobby zulegen. So kann man auch die eigene Persönlichkeit weiterentwickeln und gewinnt Selbstvertrauen.

Gerade für Mütter, deren Partner an einem anderen Ort arbeitet und die vieles ohne ihn meistern müssen, ist ein soziales Netz unverzichtbar.

 

 

Fern – und Wochenendbeziehungen unterliegen besonderen Belastungen. Dadurch können auch mehr Konflikte als in anderen Partnerschaften entstehen.

Das Wichtigste ist die Erkenntnis, dass nicht der andere das Problem ist, das verändert, bearbeitet, überzeugt oder bekämpft werden muss, sondern dass  Sie beide ein Problem haben.

 

Da in so einer Beziehung die gemeinsame Zeit zu wertvoll ist, um sie mit ständigen Streitereien zu vergiften, die zudem oft zu keinem Ergebnis führen, ist eine professionelle Beratung manchmal ein guter Lösungsansatz und kann dabei helfen, auch mit einer „ Liebe auf  Distanz“ gut zu leben.