Geburt eines Kindes: Plötzlich zu dritt

 

 

 

Durch die Geburt des ersten Kindes wird aus einer Partnerschaft eine Familie. Und damit verändert sich so ziemlich alles -  ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Eltern zu werden, ist mit großer Verantwortung und einer Fülle von Anforderungen verbunden, die bei vielen Menschen Selbstzweifel und Verunsicherungen hervorrufen.

Bin ich reif genug, eine solche Verantwortung zu übernehmen ? Ist meine Partnerschaft stabil genug ? Was kommt alles auf mich zu, bin ich dem überhaupt gewachsen ? Wie erzieht man ein Kind richtig ?

 

Ein Kind zwingt die Eltern sich ernsthaft über die Zukunft Gedanken zu machen. Auf einmal sind auch die Partner auf eine ganz neue Art und Weise miteinander verbunden. Vater oder Mutter bleibt man sein Leben lang !

 

Das Kinderzimmer ist liebevoll eingerichtet, Babywäsche und Windeln liegen bereit – wenn ein Baby kommt, haben die künftigen Eltern meist alles prima geplant. Nur auf eines konnten sie sich nicht wirklich vorbereiten :  auf das neue Leben zu dritt.

 

Bei vielen Müttern schleichen sich schon in den ersten Tagen nach der Geburt Zweifel und Schuldgefühle ein, weil sie beim Anblick ihres Babys nicht die erwarteten Glücksgefühle verspüren. Überhaupt fühlt sich das „Mutter-Sein“ ganz anders an, als erwartet.

Der „ Baby-Blues“, ein Stimmungstief, das die meisten Frauen nach der Geburt erleben, ist dafür verantwortlich.  Ausgelöst wird dieses Tief in erster Linie durch einen Hormonsturz, aber auch die ungewohnte Umgebung in der Klinik , Schwierigkeiten beim Stillen, Erschöpfung und Angst vor den anstehenden Veränderungen, tragen dazu bei.

Sollte dieses Tief allerdings länger als 14 Tage andauern, ist es dringend erforderlich einen Arzt aufzusuchen. Bei einigen Frauen wird durch die Geburt eine Depression ausgelöst, die unbedingt behandelt werden muss, um das Leben von Mutter und Kind nicht zu gefährden !

 

Insbesondere für Frauen ändert sich nach der Geburt eines Kindes sehr viel. Die meisten lieben ihren Beruf, sind selbständig und selbstbewusst.

Das Mutterglück ist deswegen immer zweischneidig, weil damit konkrete Verluste verbunden sind : zumindest für einige Zeit verzichtet die Frau auf ihren Beruf, soziale Anerkennung, Karriere und eigenes Geld (Abhängigkeit vom Partner ! ) – und der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt ist auch nicht leicht.

Umfragen zeigen, dass  90 % der Kinder unter 15 Jahren hauptverantwortlich von ihren Müttern betreut werden. Nur 2 % der Väter nehmen Erziehungsurlaub.

 

 

Doch nun einige Tipps, wie Sie Ihr neues Leben zu dritt besser genießen können :

 

Verabschieden Sie sich vom „rosaroten“ Traum :

Das Leben mit einem Kind ist meistens wunderschön , aber es gibt mit Sicherheit auch Momente, wo Sie frustriert und überfordert sind.

Akzeptieren Sie, dass Sie manchmal auch negative Gefühle haben – deshalb sind Sie keine Rabenmutter oder ein Rabenvater ! Schließlich bedeutet „Eltern-Sein“ einen  24 –Stunden - Job auszuüben. Und niemand ist rund um die Uhr gut gelaunt und in Höchstform !

Sicherlich gibt es in Ihrem Freundeskreis Paare, die schon längere Zeit Eltern sind und die bereit sind, von eigenen Erfahrungen zu erzählen.

Sie werden schnell merken, dass es allen Eltern so geht wie Ihnen : Probleme und Unsicherheiten gibt es immer !

 

Haben Sie Geduld :

Es wird nicht alles sofort optimal laufen. Sie können noch so viele Erziehungsbücher lesen, - auf die Elternschaft ist niemand ausreichend vorbereitet.

Haben Sie Vertrauen zu sich und Ihren eigenen Fähigkeiten und lassen Sie sich nicht durch „gut gemeinte“ Ratschläge anderer verunsichern.

Das Prinzip heißt : learning by doing. Das schließt zwar ein, dass Ihnen auch mal Fehler unterlaufen, aber die sind selten schwerwiegend. Sollten Sie wirklich einmal nicht mehr weiter wissen, holen Sie sich Rat von professioneller Seite :  Kinderarzt, Hebamme oder Erziehungsberatungsstellen helfen Ihnen weiter.

 

Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Baby :

Alles, was Ihr Kind in den ersten drei Lebensjahren erfährt und lernt, entscheidet ganz wesentlich darüber, ob es als Erwachsener später einmal glücklich und zufrieden leben kann.

Nehmen Sie sich gerade in den ersten Monaten viel Zeit -, bald schon werden Sie am Weinen, an der Gestik und Mimik Ihres Kindes erkennen, was es Ihnen sagen will. Weint es aus Langeweile, hat es Hunger oder Bauchschmerzen ?

Je intensiver Sie sich mit dem Baby beschäftigen, desto schneller klappt die Kommunikation ! Und das macht Sie sicherer und gelassener im Umgang mit Ihrem Kind.

Ein etwas vernachlässigter Haushalt ist nicht so schlimm, wie ein einsames Baby ! Übrigens - im ersten Lebensjahr braucht ein Kind noch keine Erziehung, sondern nur Liebe und Zuwendung !

Nutzen Sie die Schlafphasen Ihres Kindes konsequent für sich selbst : zum Schlafen, Lesen und für eigene Hobbys.

 

Pflegen Sie Ihre Paarbeziehung :

Das Baby spielt nun die wichtigste Rolle in Ihrem Leben. Trotzdem sollten Sie sich zwischendurch bewusst machen, dass Sie auch noch Mann und Frau sind.

Das bedeutet : alleine ausgehen, gemeinsam etwas unternehmen und über Dinge reden, in denen die Vokabeln Kind, Babybrei und Erziehung nicht vorkommen. Schaffen Sie sich Inseln zum Auftanken ! Gerade am Anfang ist das organisatorisch nicht leicht zu bewältigen. Aber auch da findet sich sicherlich eine Oma oder gute Freundin, die bereit ist, für zwei Stunden den Schlaf des Babys zu überwachen.

 

Isolieren Sie sich nicht :

Viele Frauen fühlen sich mit Ihrem Kind zu Hause eingesperrt und einsam. Deshalb ist es wichtig, dass Sie den Kontakt zur Außenwelt behalten, denn ein Baby kann Ihnen kein Gesprächspartner sein. Besuchen Sie Freunde, halten Sie Kontakt zu früheren Kollegen, gehen Sie mit Ihrem Baby in eine Krabbelgruppe, lernen Sie andere Mütter kennen ( Spielplätze ).   

Vereinbaren Sie mit Ihrem Partner einen festen Abend in der Woche, der für Sie zur freien Verfügung steht ,- widmen Sie sich da Ihrer beruflichen Fort-und Weiterbildung, treffen Sie sich mit Freundinnen, treiben Sie Sport oder besuchen Sie Kurse an der VHS.

Eine ausgeglichene und zufriedene Mutter tut auch dem Baby gut !

 

Teilen Sie Verantwortung und Arbeit mit Ihrem Partner:

Viele Väter , die sich in der Anfangszeit nur wenig um ihren Nachwuchs gekümmert haben, bereuen dies später. Irgendwann merken sie, dass ihnen unwiederbringliche Erlebnisse und Erfahrungen entgangen sind.

Deshalb sollten sich Väter, so oft sie nur können, an der Babypflege beteiligen. Baden, wickeln, füttern, schmusen und spielen können Sie als Vater genauso gut wie die Mutter. Wenn das Kind etwas älter ist, verbringen Sie doch einmal einen Tag ganz alleine mit ihm.

Je mehr Sie sich mit Ihrem Nachwuchs beschäftigen, desto kompetenter im Umgang werden Sie sich fühlen. Unsicherheiten und Ängste, etwas falsch zu machen, verschwinden so schnell.

 

Sagen Sie „nein“ und zeigen Sie „gesunden“ Egoismus :

Kaum ist das Baby geboren , setzt der Stress ein. Alle wollen das Kleine sehen, zu den Besuchszeiten im Krankenhaus gleicht das Zimmer einer Großveranstaltung. Hier ist nun der Vater gefragt, der als „Wochenbettmanager“ zu viele Besuche umorganisieren sollte.

Geschenke trudeln ein, Dankeskarten müssen geschrieben und Behördengänge sollen erledigt werden. Oft kommen auch noch die Vorbereitungen für die Taufe dazu. Setzen Sie Prioritäten – zuerst kommen das Baby und die Eltern. Alles andere kann warten !

Sagen Sie deshalb deutlich, wenn es Ihnen zu viel wird. Die meisten Menschen werden dafür durchaus Verständnis aufbringen , - vor allem, wenn sie selbst auch schon einmal in der gleichen Lage waren.

Scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen. Es ist keine Schande, sich in den ersten Wochen nach der Geburt von den Eltern, Verwandten oder Freunden helfen zu lassen. Vor allem, da  kaum damit zu rechnen ist, dass Sie in nächster Zeit genug schlafen können und deshalb meistens ziemlich müde sein werden. Um so besser, wenn ein paar tatkräftige Hände Ihnen etwas Arbeit in Haus und Garten oder das Einkaufen abnehmen.

 

Leider gibt es keine Rezepte, wie aus einem glücklichen Paar eine glückliche Familie wird.

Jedes Paar muss seinen eigenen Weg finden, den Alltag zu gestalten. Ganz wichtig: Bleiben Sie im Gespräch mit Ihrem Partner und reden Sie miteinander über Ihre Ängste und Sorgen.

Akzeptieren Sie, dass das erste Jahr mit einem Baby einem „Ausnahmezustand“ gleicht.

 

Alles ist anders und nichts mehr so wie früher – aber : durch Kinder können wir völlig neue Seiten an uns entdecken, das Leben wird intensiver und viele Partnerschaften verdienen diese Bezeichnung erst jetzt.