Kaufsucht: Wenn Konsum zum Problem wird

 

Schöne bunte Einkaufswelt : Um die Bedürfnisse der modernen Gesellschaft zu befriedigen entstehen immer größere Einkaufscenter und die Ladenöffnungszeiten werden ständig verlängert.

Wer morgens die Zeitung aufschlägt hat ein Bündel von Werbeprospekten in der Hand und der Briefkasten quillt über : Sonderangebote, Ausverkauf und Schnäppchen sollen die Kundschaft in die Geschäfte locken – und wenn nötig, gibt es ja noch einen „easy credit“.

 

Für die meisten Menschen ist dies kein Problem – sie haben ihr Kaufverhalten im Griff, d.h. sie kaufen das, was sie benötigen, sie vergleichen die Preise und überlegen sich größere Anschaffungen genau.

Bei Menschen, die an Kaufsucht leiden, ist dies leider anders. Die Frage : „welche Dinge benötige ich und welche nicht“ , wird so erst gar nicht gestellt. Kaufen auf Kreditkarte, Online - Shopping und bestellen bei Versandhäusern ( Kauf auf Rechnung ) führen oft dazu, dass sich viele enorm verschulden und nicht selten wegen Betrugs angezeigt werden. Gerade das Internet brachte neue Dimensionen : shoppen rund um die Uhr – ein Mausklick genügt.

 

Unter Kaufsucht versteht man ein in Anfällen auftretendes, süchtiges Kaufen von Konsumgütern.

Diese Sucht ist anderen Süchten ( Drogen-, Alkohol,-und Esssucht ) sehr ähnlich. Auch hier findet sich dieser unwiderstehliche Drang, der stärker ist als der eigene Wille.

 Die Interessen des Süchtigen verengen sich auf das Kaufen, das als einziges Mittel übrig bleibt, um psychische Spannungen auszugleichen.

Auch bei der Kaufsucht kann es zu „ Entzugserscheinungen“ kommen : innere  Unruhe, Schlafstörungen, Aggressivität, Depressionen und psychosomatische Erkrankungen können auftreten.

 

Allerdings ist die Kaufsucht eine „geheime“ Krankheit. Die Betroffenen können ihre Abhängigkeit lange Zeit verbergen – auch vor sich selbst.

Kaufen ist gesellschaftlich gebilligt, ja sogar erwünscht. Erst wenn die Rechnungen längere Zeit unbezahlt bleiben, die Banken weitere Kredite ablehnen, sich unnützes Zeug in den Zimmern stapelt und die innere Leere immer größer wird, erkennen die Menschen ihre Sucht.

 

Alle Altersgruppen und alle Einkommens-und Bildungsschichten sind nach einer Studie der Universität Hohenheim  von dieser Sucht betroffen.

Frauen scheinen sich dabei eher auf Kleidung, Schmuck, Kosmetika und Dienstleistungen  ( z.B. Friseurbesuche ) zu verlegen.

Männer zeigen süchtiges Verhalten beim Kauf von Elektronik-oder Sportgeräten – also mehr bei „Prestige-Objekten“.

Manche Kaufsüchtige kaufen nur heruntergesetzte Waren, bei anderen entscheidet die momentane Gefühlslage, welche Art von Produkten gekauft wird.

 

Nun ist nicht jeder Frustkauf schon mit Kaufsucht gleichzusetzen. Jeder kennt das : nach Ärger, Frust oder in Stresssituationen geht man in den nächsten Laden und gönnt sich etwas.

Dies kann eine normale und funktionale Strategie der Psyche sein, kurzfristig ein Problem zu kompensieren, das man momentan nicht lösen kann. Gefährlich wird es jedoch, wenn diese Frustkäufe zur Gewohnheit werden.

 

Süchtig sind die Betroffenen genau genommen nicht nach einem bestimmten Suchtmittel, d.h. Produkt, sondern nach dem, was ihnen dieses Mittel an „Suchterleben“ verschafft.

Bei der Kaufsucht befriedigt das Kaufen an sich die Menschen und weniger der Besitz oder der Konsum der Ware. Deshalb werden die Dinge nach dem Kauf kaum oder gar nicht benutzt, achtlos weggeräumt, verschenkt oder aus Angst vor Vorwürfen der Familie versteckt oder weggeworfen.

Bestellte Waren bleiben ungeöffnet in den Paketen, Lebensmittel werden im Keller „vergessen“ und verrotten.

 

Beim Kaufsüchtigen löst das Kaufen euphorische Glücksgefühle aus und der Drang einzukaufen ist unwiderstehlich.

 

Grundlage für die Kaufsucht ist meist eine unerfüllte Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung, Zuneigung, Respekt und Beachtung – kaufen, um Löcher in der Seele zu stopfen.

 

Kaufen kann wie ein Aufputschmittel wirken : man kann sich ein Glücksgefühl verschaffen, sich selbst beschenken, durch eine aufregende „Jagdlust“ oder Sammelleidenschaft den depremierenden Alltag vergessen, aus der Realität fliehen und Problemen ausweichen.

 

Man kann beim Kaufen aber auch eine innere Unruhe betäuben und Ängste, nicht geliebt oder beachtet zu werden, kompensieren.

Außerdem dient die Kaufsucht auch der Selbstbestätigung, bietet emotionale Unterstützung und ist Ersatz für mangelnde Anerkennung in anderen Lebensbereichen.

 

Die Ursache der Kaufsucht ist meist eine Selbstwertschwäche.

Diese entsteht durch eine Vielzahl von Verletzungen und Defiziten , die sich im Laufe des Lebens angesammelt haben.

Oft beginnt dies schon in der Kindheit : viele Kaufsüchtige wurden als Kind emotional vernachlässigt, bekamen Gleichgültigkeit oder Ablehnung zu spüren oder wurden von den Eltern überversorgt und behütet.

Die Kinder durften keine eigene Meinung und Persönlichkeit entwickeln. Eine Erziehung zur Inkompetenz  ( „ das kannst du ja doch nicht“ ) oder Belohnung nur mit materiellen Gütern waren oft der Fall.

 

Vor allem bestimmte Lebensereignisse wie Scheidung, Tod eines Angehörigen, Umzug oder Arbeitslosigkeit können eine Kaufsucht auslösen.

 

Doch was kann man als Betroffener gegen diese Sucht tun ? Zunächst gibt es eine Reihe von Erste-Hilfe-Strategien, mit denen man seinen Kaufrausch etwas bremsen kann, die jedoch keine therapeutische und somit längerfristige Wirkung haben :

alle Kreditkarten zurückgeben, nur mit Bargeld bezahlen sowie vor dem Gang zur Kasse die Ware nochmals zurücklegen und  das Geschäft verlassen .

Ist man der Kaufatmosphäre entkommen, lässt der Drang oft erst einmal nach.

Beim Einkaufen sollten Sie sich an einen Einkaufszettel halten und sich vielleicht sogar von einer Vertrauensperson begleiten lassen.

 

Sollten Sie sich schon so hoch verschuldet haben, dass Sie nicht mehr wissen, wie Sie diese Summe jemals begleichen können, suchen Sie Rat bei einer Schuldnerberatung. Dort kann man Ihnen helfen die Schulden abzubauen und man unterstützt Sie bei Gesprächen mit Banken und Gläubigern.

Um jedoch an eine seriöse Einrichtung zu gelangen, sollten Sie Kontakt zu staatlichen oder kirchlichen Trägern aufnehmen , z.B.  Caritas, Arbeiterwohlfahrt.

Auch die Verbraucherschutzzentralen kennen geeignete Adressen.

 

Zu einer wirklichen Überwindung der Sucht gehört natürlich mehr : am Anfang steht das oft schwere Eingeständnis, dass man süchtig ist, allein nicht mehr zurecht kommt und Unterstützung braucht.  Hilfe und Behandlung können Sie von Psychotherapeuten und Psychologen bekommen, die mit Ihnen zusammen die auslösenden Faktoren für Ihre Kaufsucht suchen .

Durch therapeutische Gespräche und Verhaltenstherapie kann dann eine Veränderung im Kaufverhalten erreicht werden.

 

 

 

Damit Sie sich selbst einschätzen können, hier ein kleiner Test :

 

  • Kreisen Ihre Gedanken während des Tages oft ums Einkaufen ?
  • Müssen Sie einkaufen, solange noch Geld verfügbar ist ?
  • Fühlen Sie sich beim Einkaufen in Hochstimmung, überglücklich, befriedigt ?
  • Haben Sie nach dem Kauf ein schlechtes Gewissen ?
  • Kaufen Sie Dinge , die Sie schon haben oder gar nicht brauchen ?
  • Fühlen Sie oft einen unwiderstehlichen Drang einkaufen zu gehen ?
  • Ist der Kauf für Sie wichtiger als der Gebrauch oder Besitz der Ware ?
  • Kaufen Sie oft Sonderangebote und ärgern sich danach ?
  • Sind es immer bestimmte Situationen, die Sie zum Kaufen verleiten ?

 

 

Treffen mehr als zwei Punkte ständig auf Sie zu, sollten Sie Ihr Verhalten unbedingt hinterfragen und  gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch nehmen !