Liebe und Partnerschaft: Schmetterlinge im Bauch

 

 

Sobald sich im Frühling die ersten Sonnenstrahlen zeigen und das Thermometer steigt, sieht man überall frisch verliebte Paare und die Standesämter haben Hochkonjunktur.

Schließlich gehört es zu den großen Zielen des Menschen einen Partner zu finden, mit dem man sein Leben teilen kann

.

Sich verlieben hat etwas mit Romantik, Hormonen, Anziehungskraft, Träume, Illusionen und Hoffnungen zu tun. Im Überschwang dieser Gefühle fällt es uns leicht, bestimmte Verhaltensweisen des anderen zu übersehen – und dann tritt plötzlich der

„Ernst des Lebens“ auf den Plan. Man erkennt , dass das Gegenüber gar nicht so vollkommen ist und dass die Beziehung vor vielfältige Aufgaben gestellt wird.

Nur wenn dann die Bedürfnisse beider Partner  erfüllt werden und beide lernen, ihre Konflikte zu lösen, können sie die komplexen Anforderungen des Alltags meistern.

 

 Leider gelingt  dies vielen Menschen nicht, wie die hohen Scheidungsraten zeigen.

Die verschiedenen Auslöser für Trennungen sind oft klar ersichtlich, aber wo liegen die eigentlichen Ursachen ?

Zunächst einmal durchlebt jede Partnerschaft verschiedene Stadien. Wenn es beide Partner nicht schaffen, diese verschiedenen Phasen gemeinsam zu durchleben und sich vielleicht nur einer weiterentwickelt, gerät die Beziehung aus der Balance.

 

Das erste Stadium ist die „Phase der Verschmelzung“ : die Partner sind verliebt und planen ein gemeinsames Leben. Die gegenseitige Bindung ist sehr eng und die Erwartungen an eine gemeinsame Zukunft sind hoch. Der Partner wird idealisiert und man stellt sich völlig auf den anderen ein.

Kontakte nach außen und frühere Freundschaften werden nicht mehr gepflegt und die Freizeit wird nur noch gemeinsam verbracht. In dieser Phase ziehen die Paare dann zusammen und manche heiraten auch.

 

Bald kommt es dann zu einer „Phase des Widerstands“ :  dieses Stadium ist für die meisten Paare besonders kritisch, da einer von beiden versucht, wieder mehr Autonomie zu erlangen, da er sich zu eingeschränkt fühlt - der andere jedoch noch auf der engen Bindung besteht.

Die Beziehung wird zunehmend konflikthaft und ein gegenseitiger Kampf mit bitteren Vorwürfen beginnt .

Oft fällt in diese Phase die Geburt des ersten Kindes oder der Bau eines Hauses – und damit ist die Partnerschaft besonderen Belastungen durch finanzielle Einschränkungen und neue Rollenverteilung ausgesetzt .

Manchmal sind der Frust und die Enttäuschung dann so groß, dass die Beziehung zerbricht.

Gerade in dieser Phase ist kompetente Beratung durch einen Therapeuten sehr hilfreich, da die „Machtspiele“ des Paares nur von außen erkannt und aufgelöst werden können.

 

Haben beide Partner diese Phase erfolgreich miteinander durchlebt, kommt es zu einer

„Phase der Distanzierung und Wiederannäherung“ :  hier steht die eigene Person wieder mehr im Vordergrund, man wendet sich eigenen Interessen zu und  beginnt Kontakte nach außen aufzubauen.

Jeder übernimmt nun mehr Verantwortung für sich selbst und die Beziehung wird zu einer echten Partnerschaft.

Das Ziel dieser Phase ist es, die richtige Balance zwischen Autonomie und Bindung zu finden. 

Die große Gefahr in diesem Stadium ist, dass der Partner plötzlich unwichtig wird und man sich gegenseitig aus den Augen verliert. Jeder lernt neue Seiten an sich selbst kennen und findet dann vielleicht einen anderen Partner attraktiver.

Die Vorteile der „alten“ Partnerschaft werden übersehen und die „neue“ Liebe nicht selten überschätzt.

Es kommt dann oft zu vorschnellen Trennungen, da beide nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen können – nach dem Motto : alles oder nichts! Die Scheidung erscheint dem Betrogenen als die einzig richtige Bestrafung.

Auch hier sollte das Paar die Möglichkeit einer Gesprächstherapie in Betracht ziehen  -  viele Menschen haben ihre Scheidung im nachhinein sehr bereut!

 

Ein großes Thema in jeder Partnerschaft sind die „geheimen Beziehungsverträge“ . Darunter versteht man gegenseitige Erwartungen, die jedoch nie konkret ausgesprochen werden.

Jeder Mensch übernimmt aus seiner Herkunftsfamilie ( Eltern, Geschwister usw. ) bestimmte Denk -und Verhaltensweisen und erwartet von seinem Partner , dass dieser genauso denkt und sich verhält.

Da dies aber eigentlich nicht möglich ist, kommt es zu vielen Missverständnissen. Bald wird klar, dass jeder unter einem „sauberen“ Badezimmer etwas anderes versteht und dass vor allem im Bereich der Rollenverteilung unterschiedliche Vorstellungen bestehen. Wie hat sich eine „gute“ Mutter zu verhalten und was wird von einem „aufmerksamen“ Ehemann alles erwartet ?

Nur wenn diese gegenseitigen Erwartungen auch ausgesprochen werden, kann die Beziehung im Alltag bestehen.

 

Wichtig für eine Beziehung ist auch, dass eine Ausgeglichenheit zwischen Dominanz und Unterordnung , sowie zwischen Geben und Nehmen besteht.

Die Verteilung der Macht in der Partnerschaft muss ausgeglichen sein und beide müssen einen angemessenen Stil finden, wie sie ihre Konflikte lösen können .

Jeder sollte in der Lage sein, für sich wichtige Dinge durchsetzen zu können, aber auch sich dem anderen anzuschließen  und nachgeben können, wenn es notwendig ist. Wollen beide dominieren, kommt es zu einem ständigen Kampf – den niemand gewinnen kann. Dominiert immer nur einer, wird sich der andere irgendwann aus der Beziehung verabschieden.

 

Das Geben und Nehmen in einer Partnerschaft sollte ebenso ausgeglichen sein.  Nur so können die emotionalen Bedürfnisse beider befriedigt werden. 

Das ist manchmal sehr schwer, da in einer modernen Beziehung dafür die alten Rollenverteilungen verändert werden müssen.  Ein Beispiel :  früher war die Versorgung der Kinder ausschließlich die Aufgabe der Mutter. Das hat sich heute geändert und die „neuen“ Väter beteiligen sich idealerweise genauso an der Pflege und Erziehung des Nachwuchses. So geben beide Partner einen gerechten Anteil zum Familienleben.

 

Sicher ist es immer so, dass jeder zu bestimmten „Themen“ mehr geben kann , als der andere. Wichtig ist am Ende eigentlich nur, dass die Bilanz ausgeglichen ist und keiner das Gefühl hat, immer nur ausgenutzt zu werden.

 

Man sieht : Partnerschaft ist alles andere als leicht! Kommen zu den eigenen Defiziten und Problemen , die jeder hat, noch Schwierigkeiten von außen  ( z.B. Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Probleme mit den Kindern usw ) , kommt es zu Beziehungskrisen.  Viele Paare schaffen es dann nicht mehr, aufeinander zuzugehen. Gegenseitige Verletzungen sind an der Tagesordnung und frühere Konflikte werden immer wieder hervorgeholt , aber nie bearbeitet.

 

Hier kann eine Paartherapie der Ausweg sein. Die Paare können gemeinsam oder auch jeder einzeln in die Therapie kommen. Oft lehnt ein Partner anfangs solch ein Gespräch ab, weil er befürchtet ins Unrecht gesetzt zu werden.

 Allerdings verändert sich die Beziehung auch dann schon, wenn ein Partner neue Einsichten gewinnt und sein Verhalten verändert.

Wenn man sein eigenes Verhalten ändert, verändert sich auch das Verhalten des Partners.!

 

Der Therapeut wird mit den Klienten die Themen und Inhalte der Konflikte aufzeigen und gemeinsam Strategien entwickeln , wie der einzelne oder das Paar künftig besser mit Problemen umgehen kann.

Geklärt wird dabei auch, was den Konflikt ausgelöst hat und welche Faktoren das Problem aufrecht erhalten. Manchmal ist es auch nötig, dass sich die Partner mit ihrer eigenen Vergangenheit, ihrer Kindheit und ihren Eltern auseinander setzen, um zu verstehen, weshalb sie in ihrer Beziehung so reagieren.

 

Auch unangemessene Erwartungen, die einer an den anderen und an eine Beziehung hat, sind häufig ein Thema.

Kann ein Partner wirklich alle Wünsche und Bedürfnisse des anderen kennen und erfüllen? Muss man immer einer Meinung sein ? Ist es immer ein Beweis für mangelnde Liebe, wenn der andere mal schlecht gelaunt ist oder gereizt reagiert ? Bedeutet „Liebe“ stets alles gemeinsam zu machen ? Diese Einstellungen müssen hinterfragt und an die Realität angepasst werden, um den Partner nicht ständig zu überfordern.

 

In einem Kommunikationstraining lernen die Partner, wie man Bedürfnisse und Wünsche äußert, und wie man mit Ärger und Streit umgeht. 

Die Basis dafür ist das Erlernen von bestimmten „Sprecher –und Zuhörer Regeln“, die nötig sind, damit Diskussionen und Gespräche nicht immer negativ enden.  Auch Streiten will gelernt sein !

 Am Ende einer Therapie wird in „ Verhaltensverträgen“ das Zusammenleben neu geregelt und Vereinbarungen getroffen, um die Beziehung wieder zu festigen und zu beleben.

 

Leider gelingt es nicht immer, eine Partnerschaft vor einer Trennung zu bewahren. Manchmal haben sich die Partner im Laufe der Jahre unterschiedlich entwickelt , sich auseinander gelebt und jeder verfolgt nun ein anderes Ziel im Leben . Vor allem wenn es in einer Beziehung schon zu Gewalt gekommen ist, bleibt meist nur eine Trennung als  Konsequenz.

 

Doch auch wenn eine Partnerschaft beendet wird, sollte sich jeder mit seinen Fehlern und Versäumnissen auseinandersetzen - und vielleicht in einer Therapie die Vergangenheit bearbeiten, damit einer neuen Partnerschaft nichts im Wege steht.