Magersucht: Schlank um jeden Preis

 

 

 

Schlank ist schön ?  Zu schlank ist krank !

In den letzten Jahren haben Essstörungen stark zugenommen. Man unterscheidet die Anorexie  ( auch  Pubertätsmagersucht ) und die Bulimie  ( Ess-Brech-Sucht ).

Beide Störungen, die meist bei jungen Mädchen und Frauen  auftreten, haben eines gemeinsam :  die Patientinnen haben eine völlig verzerrte Wahrnehmung der eigenen Figur und des eigenen Körpergewichts, und damit verbunden die extreme Angst vor einer Gewichtszunahme.

 

Für den Ausbruch dieser Erkrankungen spielen biologische, soziokulturelle und familiäre Faktoren eine Rolle.

Die Zahlen neuester Studien sind erschreckend :  ca. 3 % aller jungen Mädchen zwischen 12 und 20 Jahren leiden unter Magersucht, sowie  ca.  6  % der jungen Frauen  unter Ess-Brech-Sucht.

 

Die gesundheitlichen Schäden sind schwerwiegend : es kommt zu Entwicklungsverzögerungen ,  Herz-Rhythmus-Störungen, ,Kreislaufstörungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen , Unfruchtbarkeit , Osteoporose Mangelerscheinungen, Schäden an den inneren Organen, sowie Zahnschäden.

 

Nur die Hälfte der Patientinnen kann geheilt werden, ein hoher Prozentsatz verläuft chronisch.

10  %  versterben an der Magersucht !

 

Von Magersucht spricht man wenn die Mädchen abhängig von der Körpergröße weniger als 40  kg  wiegen , oder einen Body –Maß –Index  ( Körpergewicht durch Körpergröße zum Quadrat  ) kleiner  17 ,5 aufweisen.

Beispiel :  eine Frau mit einem Körpergewicht von  55  kg und einer Größe von  1,68 hat einen BMI  von  19,5.  (  1,68 x 1,68 = 2,82  //  55 :  2,82  = 19,5  )

 

Die jungen Patientinnen mit Anorexie versuchen durch Hungern, Vermeiden kalorienreicher Nahrungsmittel, Einnahme von Appetitzüglern und Abführmitteln, sowie durch exzessiven Sport ihr Gewicht zu reduzieren.

Durch ihre Selbstkasteiung erleben die Mädchen ein Gefühl der Stärke, Kontrolle über  sich selbst und die Familie.

Sie sind meist sehr leistungsorientiert, streben nach Selbstbestimmung und haben nur wenige soziale Kontakte.  Oft wachsen diese Mädchen sehr behütet auf und innerhalb der Familie ist für Konflikte kein Platz.

Durch ihre Erkrankung erreichen die Mädchen die Aufmerksamkeit ihrer Eltern und der Umgebung.  Vor allem mit der Annahme einer weiblichen Rolle haben die Mädchen große Probleme. Das Frau-Sein erscheint ihnen wenig erstrebenswert und nur mit Nachteilen verbunden.

 

Das Leben einer Bulimiepatientin ist ein schrecklicher Teufelskreis : 

Frustrationen, Ängste und Enttäuschungen führen zu heimlichen Fress-Anfällen, bei denen die jungen Frauen Unmengen an Nahrungsmitteln vertilgen. Anschließend führen sie ein Erbrechen selbst herbei, um nicht zuzunehmen.  Meist sind sie dann enttäuscht über ihren Mangel an Selbstkontrolle und es genügt schon ein geringer Ärger, z.B. am Arbeitsplatz, um einen erneuten Fressanfall auszulösen.

 

Je früher eine Behandlung einsetzt, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, diese Erkrankungen zu heilen und körperliche Schäden zu vermeiden

Ziel der Behandlung ist es, das Essverhalten zu normalisieren und den individuellen Auslöser für das Hungern und die Essattacken zu finden..

 

Vor allem bei der Magersucht steht am Anfang häufig die stationäre Aufnahme in eine (psychosomatische ) Klinik, um ein weiteres, lebensgefährliches Absinken des Gewichts zu vermeiden.

Neben einer medizinischen Behandlung ist auch eine psychotherapeutische Betreuung notwendig, um die Auslöser für die Erkrankung zu finden, das Selbstwertgefühl zu stärken und Strategien zu finden, mit denen die Patientin ihr Leben besser gestalten kann

 

Die Behandlungskonzepte sind vielseitig :

 Informationsvermittlung über Nahrungsmittel, Aushandeln eines Zielgewichts und stufenweise Annäherung ,  strukturierte Tages-und Essenspläne , Tanztherapie, Gesprächspsychotherapie, Vermittlung von Problemlösestrategien, Rollenspiele in Gruppen , Selbsthilfegruppen und Entspannungsverfahren.

 

Meist wird auch die Familie des Mädchens in die Therapie mit einbezogen.

 

Gut bewährt haben sich auch betreute Wohngemeinschaften ; dort können die Patientinnen gemeinsam ein neues Essverhalten einüben und sich gegenseitig unterstützen.

 

Aber wie lassen sich diese Ess-Störungen vermeiden ?  In erster Linie können Mütter ihren Töchtern ein gutes Beispiel geben :  keine unsinnigen Diäten, kein ständiges Kalorienzählen und vor allem  ihrer Tochter  zeigen, dass es schön ist eine Frau zu sein !

Auch Väter können ihren Beitrag leisten :  nicht über den „Babyspeck“ der Tochter lästern, keine überzogenen Leistungen fordern und keine verächtlichen Äußerungen über die Figur von anderen Frauen abgeben.

 

Wichtig ist in der Familie ein offenes, gutes Klima, in dem  Konflikte und Probleme nicht verdrängt , sondern angesprochen und gemeinsam gelöst werden.

 

In  unserer Gesellschaft , in der Schönheit und Leistung eine entscheidende Rolle spielen, werden noch viele Menschen krank werden, die diese Ansprüche nicht erfüllen können.