Nein – Sagen: (K)ein Problem ?

          

 

Sicher kennen Sie solche Situationen : Ihr Partner bittet Sie , ein bestelltes Buch für ihn abzuholen und dabei doch gleich seine Anzüge in die Reinigung zu bringen.

In der Firma fragt Sie Ihr Chef, ob es für Sie möglich wäre, in den nächsten Wochen täglich zwei Stunden länger zu arbeiten, da ein Kollege für längere Zeit ausfällt.

Am Nachmittag ruft eine Bekannte an und bittet Sie um Ihre Hilfe beim Tapezieren. Später gehen Sie dann zur Elternversammlung in den Kindergarten und werden beauftragt für ein Fest Kuchen zu backen und für Ihre Tochter ein Kostüm für die Weihnachtsaufführung zu nähen.

Abends liegen Sie dann im Bett, sind frustriert und ärgerlich und fragen sich, warum alle Welt immer sofort an Sie denkt, wenn es etwas zu tun gibt. Ganz einfach – Sie können nicht Nein –Sagen und die anderen wissen das !

Gerade Frauen neigen dazu, in die „ Harmoniefalle“ zu tappen und ihre eigenen Bedürfnisse zurück zu stellen.

 

Auch wenn das tägliche Leben nicht so funktioniert wie die Buchhaltung eines Kaufmannes, so sollte die Bilanz von Geben und Nehmen doch ausgeglichen sein. Das gilt für den Job genauso wie für Freundschaften oder die Familie.

Wer nicht Nein-Sagen kann, hat weniger Zeit, Kraft und Energie zur Verfügung für eigene Vorhaben oder für Menschen, die ihm wichtig sind.

Außerdem gerät man leicht in Stress, weil diese zusätzlichen Aufgaben dann noch zum normalen Pensum hinzukommen.

Das Schlimmste aber ist sicherlich der Ärger, schon wieder nachgegeben zu haben und das nagende Gefühl, ausgenutzt zu werden. Auf Dauer macht sich eine große Unzufriedenheit in allen Lebensbereichen breit.

 

Wenn Sie daran etwas ändern möchten, sollten Sie zuerst herausfinden, warum es Ihnen so schwer fällt, Nein zu sagen : Ist es die Angst davor, abgelehnt und nicht mehr geliebt zu werden ? 

Diese Erfahrung mussten wir schon als kleines Kind manchmal machen.  Auf unser erstes , trotziges  „nein, ich will nicht !“ reagierte unsere Umwelt mit Ablehnung, vielleicht sogar mit Strafen. So haben wir schon früh gelernt, dass ein Ja uns mehr Lob einbringt, uns bei anderen beliebt macht und somit scheinbar der leichtere Weg ist.

 

Vielleicht fürchten Sie auch die Konsequenzen, die ein Nein mit sich bringen könnte?  Gerade im Berufsleben werden diese Konsequenzen aus Angst vor einem Arbeitsplatzverlust häufig überschätzt und die eigene Position wird viel zu gering eingestuft.

 

Versuchen Sie mit Ihrem Verhalten möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen ? Warum scheuen Sie die Auseinandersetzungen mit anderen Menschen ?

 

Steckt hinter jedem Ja womöglich das Bedürfnis, gebraucht zu werden ?

Warum ist die Anerkennung anderer für Sie so wichtig ?

Sie werden schnell merken, dass alle diese Gründe viel mit Ihrem Selbstbewusstsein und Ihrem Selbstwertgefühl zu tun haben !

 

Als nächstes sollten Sie damit beginnen, die Strategien anderer zu durchschauen, die Sie zu etwas überreden wollen. Versuchen diese bei Ihnen Schuldgefühle auszulösen, Sie zu erpressen, Sie zu überrumpeln oder Ihnen zu schmeicheln ? Sind Sie vielleicht besonders anfällig für die „Mitleidstour“ oder muss derjenige Sie nur lange genug unter Druck setzen ?

 

Erkennen Sie diese Strategien ! Schauen Sie genau hin, wer etwas von Ihnen will und welche Mittel diese Person einsetzt, um etwas zu erreichen.

Haben Sie eine Strategie erkannt, können Sie diese freundlich, aber deutlich ansprechen : „ ich fühle mich im Moment etwas überrumpelt. Ich überlege mir die Sache und melde mich dann bei dir“. So merkt Ihr Gegenüber, dass Sie ihn durchschaut haben.

 

Wenn es Ihnen schwer fällt, Nein zu sagen, sollten Sie sich angewöhnen nie spontan Ja zu sagen.  Erbitten Sie sich Bedenkzeit !  ( „ Das kann ich nicht sofort entscheiden“ oder „ darüber muss ich erst einen Moment nachdenken“ ).

 

Wenn Sie jemand um etwas bittet, analysieren Sie die Situation genauer :

Was ist es genau, das ich tun soll ?

Möchte ich das wirklich tun oder geben – oder ist es mir eigentlich zuwider ?

Wie viel Zeit, Energie und Lust habe ich dazu ?

Wer oder was muss darunter leiden, wenn ich dieser Bitte nachkomme ?

Wer ist es, der mich um etwas bittet ?

Welche Bedeutung hat dieser Mensch für mich ?

Wie oft habe ich schon etwas für diese Person getan und was hat derjenige für mich getan ?

Gehen Sie in Gedanken diese Checkliste zumindest in einigen Punkten durch und entscheiden Sie sich erst danach.

 

Haben Sie sich dann zu einem Nein entschieden, kommt es darauf an, wie Sie dies Ihrem Gegenüber vermitteln. 

Ganz wichtig ist es, dass auch Ihre Körpersprache, also die Gestik und Mimik, dieses Nein deutlich signalisieren. Halten Sie Ihre Hände ruhig und vermeiden Sie keinesfalls den Blickkontakt ! 

Ebenso sollten Sie auf Ihre genaue Wortwahl achten. Wenn Sie Ihre Ablehnung mit dem Satz : „ also, eigentlich habe ich ja gar keine Zeit“ beginnen, ist das für den anderen nur ein Zeichen dafür, dass Sie sich Ihrer Sache nicht sicher sind und er Sie noch leicht überreden kann. 

Gerade am Telefon ist Ihr Tonfall entscheidend. Versuchen Sie mit ruhiger und fester Stimme zu sprechen. Ihr Tonfall sollte möglichst neutral sein und nicht unsicher oder empört klingen.

 

Auch wenn Ihnen dies alles am Anfang noch nicht so gut gelingt, werden Sie mit jedem Nein mehr Gelassenheit und Selbstsicherheit entwickeln.

 

Doch wie kann man auf eine angemessene Art Nein sagen, ohne andere Menschen unnötig vor den Kopf zu stoßen ?

Sie könnten Ihr Nein begründen, denn dies macht es für den anderen leichter, es anzunehmen. Sie machen damit deutlich, dass sich Ihr Nein nicht gegen die andere Person richtet, sondern begründete Ursachen hat. Doch Vorsicht – Sie sollten sich nicht rechtfertigen !

Außerdem könnten Sie Verständnis für das Anliegen des anderen zeigen . ( z.B. „ es tut mir Leid, dass Du so im Stress bist, aber ich kann dir trotzdem heute nicht helfen“. )

 

Manchmal ist ein striktes Nein gar nicht nötig. Vielleicht können Sie ja einen Teil der Bitte erfüllen oder einen anderen Zeitpunkt vorschlagen ?

Überlegen Sie, ob derjenige sein  Anliegen vielleicht ganz anders lösen könnte und machen Sie ihm dazu einen Vorschlag. Damit zeigen Sie, dass der andere Ihnen nicht egal ist, Sie aber trotzdem nicht zur Verfügung stehen.

 

Zudem können Sie Ihr Gegenüber über mögliche Konsequenzen aufklären, die durch sein Anliegen für Sie oder andere entstehen ; d. h. sie sollten den anderen darauf aufmerksam machen, welche Dinge eventuell liegen bleiben oder verschoben werden müssen, wenn Sie seiner Bitte nachkommen.

 

Eine gute Methode ist es, die Bitte des anderen, in einem freundlichen und keinesfalls vorwurfsvollen Ton zu wiederholen. ( „Du möchtest also, dass ich …? ) Dies räumt zum einen mögliche Missverständnisse aus, denn es wäre ja denkbar, dass Sie etwas falsch verstanden haben.

Andererseits kann Ihrem Gegenüber damit bewusst werden, dass sein Anliegen eigentlich eine Zumutung für Sie bedeutet und  er Unmögliches oder zu viel von Ihnen erwartet.  Damit geben Sie ihm die Möglichkeit, seine Anfrage zu verändern oder ganz zurückzuziehen.

 

Nein-Sagen ist ein Verhalten, das man erlernen kann. Die meisten von uns kennen Situationen, in denen ihnen ein Nein problemlos über die Lippen kommt, aber es gibt auch Fälle, in denen sie es einfach nicht schaffen.  

Es gibt aber auch Menschen, denen es nicht gelingt Grenzen zu ziehen, die ständigen Anforderungen anderer zurückzuweisen und sich durchzusetzen.  Diese Menschen sind dann ständig überfordert und werden nicht selten krank. 

 

Gespräche mit einem Psychotherapeuten können in so einem Fall helfen, die Gründe für ein solches Verhalten zu analysieren und daran etwas zu verändern, sowie ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln.

 

Machen Sie sich klar, dass Sie für jedes Nein, das Sie nicht sagen, einen Preis zahlen müssen !