Panikstörung: Nur keine Panik !

    

 

Für viele Menschen ist dies leichter gesagt, als getan. Rund eine Million Erwachsene in Deutschland leiden regelmäßig unter Panikattacken. Treten diese Anfälle von Panik mehrmals im Monat und über einen längeren Zeitraum hinweg auf, spricht man von einer Panikstörung, die den Angsterkrankungen zugerechnet wird. Meist tritt diese Störung zum ersten Mal im Alter zwischen zwanzig und dreißig Jahren auf, oft dauert es aber eine lange Zeit, bis sie als solche diagnostiziert wird.

 

Die erste Panikattacke erleben viele Betroffene vor dem Hintergrund einer längeren psychosozialen Belastungssituation, z.B. beruflicher oder familiärer Stress, Scheidung, Todesfall, Schulden,  (drohende) Arbeitslosigkeit.

Akut und massiv taucht sie jedoch oft erst in der so genannten „abfallenden Stressphase“ auf, d.h. in einer Entspannungssituation ( im Urlaub, beim Einkaufsbummel oder abends im Bett ). Dies ist auch der Grund, warum viele Betroffene die Symptome der Attacke nicht mit ihren Problemen in Verbindung bringen.

Häufig besteht zu diesem Zeitpunkt auch ein geschwächter körperlicher Zustand, verursacht durch ein Schlafdefizit, zuviel Kaffee, Nikotin oder Alkohol, zu geringe Flüssigkeitsaufnahme, bei Diäten oder nach gerade überstandenen Erkrankungen.

 

Eine Panikattacke dauert zwischen fünf und dreißig Minuten und tritt meist völlig unerwartet auf – wie der viel zitierte „ Blitz aus heiterem Himmel“. Sie beginnt abrupt und erreicht innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt. Obwohl diese Anfälle von relativ kurzer Dauer sind, erleben die Patienten diese oft als lebensbedrohlich.

Typische Symptome sind :

Herzrasen, Herzklopfen, Schweißausbrüche, Zittern, Kribbeln, Gefühllosigkeit ;

Atembeschwerden, Beklemmungsgefühle, Schmerzen in der Brust ;

Schwindel, Schwäche, Benommenheit, Hitzewallungen, Kälteschauer ;

Angst verrückt zu werden oder auszuflippen ;

Todesangst ;

 

Betroffene erzählen, dass sich ihr Leben bereits nach der ersten Panikattacke dramatisch verändert hat. Nicht nur, weil diese so plötzlich und unerwartet auftrat, sondern weil das damals so furchtbare Gefühl der Todesangst im Gedächtnis gespeichert bleibt und ständig präsent ist. Viele versuchen deshalb verzweifelt all jene Situationen zu vermeiden, in denen ihrer Meinung nach eine erneute Panikattacke auftreten könnte.

Einige greifen auch zu Alkohol oder Beruhigungsmitteln, andere umgeben sich ständig mit einer Person ihres Vertrauens, da sie Angst haben, alleine zu sein.

Alle diese Vermeidungsstrategien bringen aber keine Lösung, sondern führen nur zu einer immer größer werdenden Abhängigkeit und Einschränkungen im Leben.

 

Die erste  Panikattacke wird häufig wie ein beginnender Herzinfarkt oder Nervenzusammenbruch erlebt und deshalb wird oft der Notarzt alarmiert.

Die körperlichen Symptome sprechen ja auch für eine organische Erkrankung und Hilfe wird demnach anfangs von Ärzten erwartet. Die anschließenden Untersuchungen zeigen dann, dass es keine organischen Ursachen für die Beschwerden gibt.

 Dies beruhigt jedoch die meisten Patienten nicht, sondern sie vermuten , nicht gründlich genug untersucht worden zu sein oder an einer unbekannten und gefährlichen Krankheit zu leiden.  Die Betroffenen beginnen daher einen Facharzt nach dem anderen aufzusuchen.

 Das anfängliche Mitgefühl und Verständnis von Familienangehörigen, Freunden und Kollegen hört bald auf und sie werden als Hypochonder angesehen.

 Hilfe von einem Psychotherapeuten erwarten sich die wenigsten, da sie sich nicht vorstellen können, dass ihre Symptome Ausdruck einer psychischen Belastung sein könnten und dass eine Angsterkrankung ihre Beschwerden verursacht.

 

Die Angst vor der Angst, vor der nächsten Attacke wird zum ständigen Begleiter und beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. Die Betroffenen konzentrieren sich ständig auf ihren Körper, registrieren bereits kleinste Veränderungen wie Pulsanstieg, Hitzegefühle, Schwitzen oder Schwindel als ein Zeichen von Krankheit oder deuten auch normale körperliche Symptome als beginnende neue Panikattacke. Sie entwickeln so ein gestörtes Körperbewusstsein – sie vertrauen ihrem eigenen Körper nicht mehr.

Durch diese Daueranspannung wird dann häufig die nächste Panikattacke ausgelöst. Ein „Teufelskreis“ der Angst beginnt.

 

Mit Hilfe eines Psychotherapeuten kann jedoch jeder Betroffene diesen Teufelskreis unterbrechen. Der Schlüssel zur Bewältigung von Panikattacken besteht darin, dass man lernt, der Angst ins Auge zu sehen und auf Vermeidungsstrategien zu verzichten.

 

 

Jeder kann aber auch selbst einiges dafür tun, mit den gefürchteten Panikattacken besser umgehen zu können :

 

Wenn Sie unter Panikanfällen leiden, sollten Sie alle Situationen, die Sie aus Angst vor einer Attacke bisher vermieden haben, bewusst aufsuchen. Sie werden die Erfahrung machen, dass die Angst nicht ewig andauert, sondern nach einiger Zeit der Gewöhnung an die Situation Ihren Körper von ganz allein wieder verlässt.

 

Bleiben Sie bei einer akuten Panikattacke nicht ruhig, sondern bewegen Sie sich ! Die durch die Attacke ausgeschütteten Stresshormone werden durch Bewegung rascher abgebaut als durch Ausruhen.

 

Beobachten Sie bei einer Panikattacke nicht Ihren Körper, sondern die Umgebung ! Konzentrieren Sie sich auf etwas, das Ihre ganze Aufmerksamkeit erfordert. Versuchen Sie sich abzulenken, indem Sie z.B. andere Menschen oder Gegenstände genau betrachten und versuchen Sie sich Details einzuprägen.

 

Erlernen Sie ein Entspannungsverfahren, wie die Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training und üben Sie richtig zu atmen ! Wenn Sie es schaffen, sich bei einer beginnenden Panikattacke trotzdem zu entspannen, wird es dazu erst gar nicht kommen.

 

Schonen Sie Ihren Körper nicht, sondern trainieren Sie ihn ! Viele Betroffene vermeiden jegliche sportliche Aktivität, um die von ihnen gefürchteten Symptome nicht hervorzurufen.

Ständige Schonung führt aber auf Dauer zu körperlicher Leistungsunfähigkeit – der Kreislauf macht leichter schlapp und Schwindelgefühle nehmen zu. Besonders empfehlenswert sind Sportarten und Übungen, die den Gleichgewichtssinn trainieren : Radfahren, Schwimmen, Walking, Liegestütze, Gymnastik, Seilspringen und Balancieren.

 

Erkennen Sie die Gefühle, die Ihre Panikattacken auslösen ! Viele Menschen bekommen Panikanfälle, wenn Sie versuchen, Wut und Ärger zu unterdrücken.  Nicht selten ist eine Panikattacke kein Angstanfall, sondern ein unterdrückter Wutanfall !

 

Versuchen Sie herauszufinden, welche psychischen Belastungen bei Ihnen zu Panikattacken führen ! Wenn Sie erkennen, womit ihre Paniksymptome zusammenhängen, widmen Sie sich der Lösung der anstehenden Probleme.

Auf was will Sie diese Angsterkrankung aufmerksam machen ?  Ein Beispiel : Eine junge Frau erlebte nahezu täglich auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstätte im Auto eine Panikattacke. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass sie zum einen sehr unter den bösartigen Angriffen einer Kollegin litt, zum anderen sollte die Firma umstrukturiert werden und der Abbau von Arbeitsplätzen war zu befürchten.

 

So lenkt die Angst vor einer Panikattacke vor anderen Ängsten und bestimmten Problemen ab, die unlösbar erscheinen. Wenn Sie zum Beispiel das Gefühl haben, dass in Ihrer Partnerschaft vieles nicht stimmt, es häufig Streit gibt und Sie deshalb befürchten, die Beziehung könnte zerbrechen, handelt es sich eher um eine Trennungsangst, die sich in Paniksymptomen äußern kann.

Wichtig ist es also, die zentralen Ängste hinter den Panikattacken herauszufinden.

 

Lernen Sie Ihre körperlichen Symptome richtig zu bewerten ! Viele Panikpatienten verspüren heftiges Herzrasen und befürchten einen Herzinfarkt. Dieser entsteht jedoch durch einen Verschluss der Herzkranzgefäße, wodurch das dahinter liegende Gewebe abstirbt.  Ein derartiger Zustand kann durch Herzrasen weder bewirkt noch verhindert werden.

 Zudem steht bei einem Herzinfarktpatienten ein intensiver Brustschmerz im Vordergrund und nicht die Veränderung des Herzrhythmus, wie dies bei Panikpatienten der Fall ist.

Auch andere Befürchtungen, wie die Angst vor einer Ohnmacht oder die Angst zu ersticken, können medizinisch widerlegt werden.

 

Sobald Sie Ihre Angst vor Panikattacken verlieren, haben diese ihre Macht über Sie verloren !