Schlafstörungen: Wenn die N├Ąchte lang werden

 

liegt das nicht immer an schönen Festen, sondern häufig an Schlafstörungen.

Kennen Sie das ?  Sie gehen ins Bett und obwohl Sie müde sind, können Sie nicht einschlafen. Sie wälzen sich hin und her - und wenn dann am nächsten Morgen der Wecker klingelt, sind Sie erschöpft und gereizt – und die Müdigkeit verfolgt Sie den ganzen Tag.

Manche Menschen wachen auch mehrmals nachts auf und können nur schwerlich wieder einschlafen, -  das Ergebnis ist das Gleiche.

 

Bei der Gruppe der 30 bis 50 jährigen  klagt jeder vierte über Schlafstörungen, bei den über Sechzigjährigen ist es schon jeder zweite.

15 Millionen Menschen in Deutschland bekommen deswegen von ihrem Arzt ein Schlafmittel verordnet.

 

Der Mensch verschläft rund ein Drittel seines Lebens. Im Schlaf ist der Körper damit beschäftigt sich zu regenerieren, Zellen zu erneuern, Energiespeicher aufzufüllen und schädliche Stoffe (Umweltgifte ) abzubauen. Der Mensch kann sich erholen und die Erlebnisse des Tages in den „Traumphasen“ psychisch  verarbeiten.

 

Während einer Nacht durchläuft man drei bis fünf Schlafzyklen. Jeder Zyklus dauert ca.

90 Minuten und gliedert sich auf in eine Tiefschlafphase und eine Traumphase ( REM-Phase).

 

Die Tiefschlafphasen dauern zu Beginn der Nachtruhe am längsten und werden im Verlauf des Schlafes immer kürzer – dafür verlängern sich dann die Traumphasen. Daher erklärt sich, dass viele Menschen den Schlaf vor Mitternacht am erholsamsten finden und man gegen Ende der Nacht am intensivsten träumt.

 

In den Tiefschlafphasen verlangsamt sich der Herzschlag, der Blutdruck fällt und die Körpertemperatur sinkt.

 

In den Traumphasen ist die Muskulatur absolut entspannt, Herzschlag und Atemtätigkeit steigen und sind unregelmäßig. Das besondere Kennzeichen dieser Phase sind jedoch die schnellen Augenbewegungen ( rapid eye movement ). Das Gehirn arbeitet mit höchster Aktivität und man träumt lebhaft.

Wacht jemand während dieser Phase auf  ( z.B. durch Weckerklingeln ) , so kann er sich gut an seinen Traum erinnern.

 

Doch wie viel Schlaf braucht der Mensch ? Dies ist natürlich individuell sehr verschieden.

Jemand, der körperlich schwer arbeitet benötigt mehr Schlaf, als jemand, der viel Zeit im Sitzen verbringt .

Während Kinder , je nach Alter, zwischen 10 und 16 Stunden schlafen sollten, genügen einem Erwachsenen meist 6 bis 8 Stunden.

Vor allem ältere Menschen überschätzen ihr Schlafbedürfnis. Bewegungsmangel und das „Mittagsschläfchen“  führen dazu, dass 5 oder 6 Stunden Nachtschlaf völlig ausreichen.

 

Der erste Weg bei Schlafstörungen sollte immer zum Arzt führen. Viele körperliche Erkrankungen können die Ursache dafür sein : Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schilddrüsenstörungen, neurologische Krankheiten oder Infektionen können mit Schlafstörungen einher gehen . 

Gerade bei schweren Schlafstörungen unbekannter Ursache muss geklärt werden , ob nicht verborgene psychische Erkrankungen, wie Depressionen oder Angstneurosen dahinter stecken.

Auch bei Alkoholismus und Suchterkrankungen (  z.B.Tablettenabhängigkeit ) treten Schlafstörungen auf.

Selbst Medikamente können an Schlafstörungen schuld sein , wie z.B.  Antibiotika, Kortison, Schilddrüsenhormone oder Asthmamedikamente. In diesem Fall sollte man mit dem Arzt Rücksprache halten, ob nicht ein anderes Präparat verordnet werden kann.

 

Bei  80 %  aller Betroffenen wird die Schlaflosigkeit jedoch  durch „schlechte“ Gewohnheiten oder seelische Belastungen verursacht.

 

Viele Störfaktoren lassen sich noch relativ leicht beseitigen : den ruhigsten Raum zum Schlafzimmer wählen, eine neue Matratze oder angenehme Kissen und Decken, sowie ein gut gelüfteter , dunkler und  kühler Schlafraum sorgen für erholsamen Schlaf.

Schweres Essen und kreislaufanregenden Sport sollte man abends vermeiden.

Alkohol fördert zwar das Einschlafen, aber auch das nächtliche Erwachen. Vor allem Nikotin, Koffein und Kakao haben eine aufputschende Wirkung.

 

Leidet jemand an Schlafstörungen, ist es wichtig einen regelmäßigen Rhythmus von Zubettgehen und Aufstehen , auch am Wochenende oder im Urlaub, einzuhalten.

Das Bett sollte nicht zum Fernsehen , Arbeiten oder Computerspielen genutzt werden, damit eine Konditionierung von : Bett = Schlaf  stattfinden kann.

 

Können Sie nicht einschlafen, sollten Sie nach 15 Minuten  ( Einschlafphase  30 min. ) wieder aufstehen und das Schafzimmer verlassen. Suchen Sie sich dann eine „langweilige“ und ermüdende Arbeit ( z.B. bügeln, Steuerquittungen sortieren usw.) und legen Sie sich erst wieder hin, wenn Sie sehr müde sind.

 

Übrigens, je mehr Sie sich zum Schlafen zwingen wollen, desto weniger wird Ihnen das Einschlafen gelingen.

Nicht selten ist nämlich die Angst vor der Schlaflosigkeit der Stress, der diese auch verursacht. Deshalb ein anderer Tipp : legen Sie sich ins Bett und konzentrieren Sie sich darauf, die Augen geöffnet zu halten. Legen Sie sich vorher einen Zettel und einen Stift auf den Nachttisch und schreiben Sie alle zehn Minuten das Wort „Entspannung“ auf. Allzu viele Wörter werden Sie am nächsten Morgen nicht auf dem Zettel vorfinden.

 

Eine sehr gute Methode, die Schlafstörungen zu bekämpfen ist ein Entspannungsverfahren, wie das Autogene Training oder die Progressive Muskelrelaxation  zu erlernen. Volkshochschulen und psychotherapeutische Praxen sind dafür die richtigen Anlaufstellen.

 

Wie hilfreich sind Schlafmittel ? Gerade die Einnahme von ( rezeptpflichtigen  ) Mitteln, wie Tranquilizer und Benzodiazepine, sollte nur in akuten und schweren Belastungssituationen erfolgen und nicht länger als drei Wochen dauern.

Diese synthetischen Schlafmittel können eine körperliche Abhängigkeit erzeugen, verringern den Tiefschlaf und unterdrücken die Traumphasen. Deshalb fühlen sich die Patienten, trotz des vermeintlichen Schlafes, am Morgen müde und erschöpft.

 

Pflanzliche Schlafmittel, wie Baldrian, Hopfen oder Melisse sind schon wesentlich besser geeignet nervöse Unruhe zu bekämpfen. In den Apotheken findet sich eine große Auswahl in Form von Tee, Tropfen oder Dragees.

 

Jedoch auch hier sollte klar sein :  Schlafmittel bekämpfen nur das Symptom der Schlaflosigkeit – aber nicht die Ursache !

 

Hilft dies alles jedoch nichts und der Hausarzt konnte keine organische Erkrankung feststellen, ist die Schlaflosigkeit meist seelisch bedingt.

Bei Dauerstress und dauernder Anspannung produziert der Körper Stresshormone  (Adrenalin, Cortisol)  - der Blutdruck ist zu hoch und der Stoffwechsel beschleunigt – und deshalb kann man nicht einschlafen.

 

 Auch Probleme in der Familie, wie Eheprobleme oder Schwierigkeiten mit den Kindern, können jemandem leicht den Schlaf rauben.

Mobbing am Arbeitsplatz, Angst vor Arbeitsplatzverlust oder Arbeitslosigkeit sind in der heutigen Zeit ein Thema, das viele Menschen sehr belastet.

Insgesamt sind Sorgen und Ängste der „Schlafkiller“ schlechthin.

 

Aber auch nicht verarbeitete oder traumatische Erlebnisse kommen nachts in Form von

(Alb-) Träumen aus dem Unterbewusstsein wieder hervor und können die Nachtruhe stören.

 

Sollten also psychische Probleme schuld daran sein, dass jemand länger als 6 Wochen an Schlafstörungen leidet, wäre eine psychologische Beratung oder eine Psychotherapie sicherlich eine gute Lösung.

Hier kann man die Sorgen und Ängste mit Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie oder der Katathym-Imaginativen –Psychotherapie bearbeiten und lernen seine Probleme besser in den Griff zu bekommen.

 

Auch eine professionelle Traumdeutung ist oft sehr interessant, um für sich selbst zu erfahren, was einem „sein“ Traum denn eigentlich sagen will, bzw. welche Inhalte man in seinem Leben bisher versucht hat zu verdrängen.

 

Nehmen Sie also Ihre ungewollt „langen“ Nächte nicht einfach hin, sondern tun Sie etwas dagegen !

Länger andauernder Schlafmangel kann wirklich krank machen, und zwar physisch und psychisch !