Streit um´s Geld: Geld oder Liebe ?

    

 

„Wenn es um´s Geld geht, hört die Freundschaft auf“ , sagt schon der Volksmund.

Allerdings zerbrechen nicht nur Freundschaften daran, sondern auch oft die Liebe.

Bei  39 % aller Paare ist der Umgang mit Geld das Streitthema Nummer eins, so das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa.

 

Am Anfang einer Beziehung ist das Thema „Geld“ oft ein Tabuthema. Schließlich passt es so gar nicht zur romantischen Zweisamkeit – und jeder ist zudem davon überzeugt, dass er vernünftig mit Geld umgeht. Doch was heißt schon „vernünftig“ ?

Meist beim ersten gemeinsamen Urlaub oder spätestens beim  Bezug einer gemeinsamen Wohnung wird vielen klar, dass darüber, wie viel Geld wofür ausgegeben wird, doch recht unterschiedliche Vorstellungen herrschen.

 

 Beim Umgang mit Geld entstehen Grundsatzfragen, die geklärt werden müssen. Der Streit um finanzielle Belange ist auch deswegen so heikel, da er alle emotionalen Beziehungsgrundlagen berührt : Vertrauen, Großzügigkeit, Freundschaft und Gerechtigkeit.

Zudem ist Geld ein Symbol, das die Bedürfnisse des Menschen nach Sicherheit, Anerkennung, sozialem Status, Luxus oder Freiheit anspricht.

 

Wie wir mit Geld umgehen, ist meist ein Resultat aus Werten, die uns vom Elternhaus mitgegeben wurden und eigenen Erfahrungen.

Vor allem die Art und Weise, wie wir als Kinder aufgewachsen sind, prägt uns ganz entscheidend : stand der Familie regelmäßig genug Geld zu Verfügung, wer hat darüber entschieden, wie und wofür es ausgegeben wurde, waren die Eltern sehr sparsam und auf Sicherheit bedacht oder gab es oft Streit um´s Geld ?

Diese früh erlernten Muster und Erfahrungen werden oft mit in die eigene Partnerschaft übernommen.

 

Die meisten Menschen haben einen ganz individuellen Lebensstil und eine sehr genaue Vorstellung davon, wie sie leben wollen und wie sie ihr Geld dafür einsetzen.

Das Problem : die persönlichen Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich und jeder möchte seine eigene Lebensplanung und Wünsche verwirklichen.

Trifft dann die Luxus – Shopperin auf den Sparer, der Finanzchaot auf die Gewissenhafte, der Geizhals auf die Genießerin, ist die große Krise vorprogrammiert.

 

Vor allem beim Thema „Altersvorsorge“ gehen die Meinungen oft stark auseinander : während der eine für´s Sparen plädiert, gibt der andere das Geld lieber jetzt aus.

Besonders schwierig wird es auch dann, wenn es um das Thema „ Schulden – ja oder nein“ geht.

Wer bei diesen Themen gegen die eigene Überzeugung handelt, wird vermutlich bald von heftigen Zukunftsängsten geplagt.

 

Das Bestehen einer Partnerschaft und deren Qualität hängt also auch wesentlich davon ab, wie beide mit Geld umgehen. Ob Paare sich über Geld streiten, ist übrigens ziemlich unabhängig davon, wie hoch der Betrag ist, der beiden zur Verfügung steht.

In Beziehungen mit hohen Einkommen wird ebenso verbissen um die Erfüllung eigener Bedürfnisse gekämpft, wie bei Paaren, die nur wenig Geld zur Verfügung haben.

 

Der erste Schritt, falls es Meinungsverschiedenheiten und Probleme gibt, ist ein ganz offenes und ehrliches Gespräch, in dem jeder darlegt, welche Vorstellungen und Wünsche er hat.

Wo liegen gemeinsame Prioritäten und wie lässt sich dies alles realisieren ? 

Dazu gehören allerdings auch Kompromisse und Verzicht, der von beiden gerecht erbracht werden sollte – schließlich wird nicht alles finanzierbar sein.

 

 Paare, die in ihrem Kaufverhalten sehr unterschiedlich sind und für die daher ein einziges gemeinsames Konto nicht in Frage kommt, sollten sich für die bewährte

3 – Konten – Regelung entscheiden : von einem gemeinsamen Konto, auf das alle Einnahmen fließen, werden alle regelmäßigen Kosten bezahlt, Rücklagen für außerplanmäßige Ausgaben geschaffen und Geld für gemeinsame Projekte zurückgelegt ( z.B. Urlaubsreisen, Geld für die Ausbildung der Kinder, Kauf einer Immobilie , usw. ).

Dazu ist es oft nötig, sich erst einmal einen Überblick über alle laufenden Kosten zu verschaffen. Helfen kann dabei ein Haushaltsbuch, in das drei Monate lang ,alle im gemeinsamen Haushalt anfallenden Ausgaben, eingetragen werden. So entsteht eine möglichst realistische Zusammenfassung aller Kosten.

 

Wer sich von diesem Konto „bedient“ sollte dies, ab einer gewissen Summe ( - die Höhe vorher gemeinsam festlegen ! ), nur nach Rücksprache mit seinem Partner tun.

Ansonsten behält jeder ein eigenes Konto, auf das dann das restliche Geld  - gerecht durch 2 geteilt – überwiesen wird.

Dieses „Taschengeld“ ist wichtig, da beide Geld für eigene Interessen benötigen : was für sie eine Designer- Handtasche ist, ist für ihn ein neuer DVD-Player.  Deshalb sollte auch keiner Rechenschaft darüber ablegen müssen, wofür er „sein“ Geld ausgibt – auch wenn manche Dinge dem Partner unsinnig oder unnötig erscheinen.

 

Eine besondere Situation bei der Frage ums Geld, stellt sich vor allem Paaren mit Kinderwunsch. Mit der Geburt des ersten Kindes fällt bei vielen Doppelverdienern zunächst ein Gehalt weg. Da ist es wichtig, sich schon vorher genau zu überlegen, wie man mit dem verringerten Einkommen leben will und kann.

Ein Gemeinschaftskonto oder ein fester monatlicher Betrag für den erwerbslosen Partner vermeidet das Gefühl von Ungleichheit und Abhängigkeit. Besonders Frauen, die über kein eigenes Einkommen mehr verfügen, müssen oft mit einer finanziellen Kontrolle durch ihren Mann leben.

 

Hinter Geldfragen stehen häufig also auch Machtfragen.

Wer hat das Sagen in der Beziehung ? Wessen Bedürfnisse setzen sich durch ? Wer bestimmt den Lebensstil ?  

Wenn aber nur einer von beiden entscheidet, was mit dem Geld passiert und wofür es ausgegeben wird, leidet langfristig die Liebe.

 

Allzu oft ist der Streit ums Geld aber auch ein Nebenkriegsschauplatz eines ganz anderen Problems. Stimmt in der Partnerschaft etwas nicht und fühlt sich ein Partner nicht mehr wohl, werden finanzielle Schwierigkeiten als Anlass genommen, den aufgestauten Frust loszuwerden.

Häufig verbergen sich also ganz andere Motive hinter diesen Streitereien. Manchmal vermisst ein Partner Anerkennung und Wertschätzung für seine Arbeit oder er fühlt sich benachteiligt.

 

Geld ist oft ein Stellvertreter-Thema für mangelnde Zeit und Zuwendung durch den Partner, d.h. man ärgert sich eigentlich gar nicht so sehr, dass der andere viel Geld für sein Hobby ausgibt, sondern vielmehr darüber, dass er dafür zu viel Zeit opfert und die gemeinsame Beziehung darüber vernachlässigt oder seinen Pflichten im Haushalt und in der Familie nicht nachkommt.

Deshalb macht es Sinn, sich im Streitfall auch mal zu fragen, um was es wirklich geht:  um die Euro oder um ein Problem in der Beziehung ?

 

Gehen Paare liebevoll, mit Verständnis und Respekt miteinander um, können auch „harte“ Zeiten, wie Arbeitslosigkeit oder ein Leben mit „Hartz 4“ , der Liebe nicht wirklich schaden.

 

Nicht selten ist Geld auch die einzige verbliebene Gemeinsamkeit von Paaren. Der Streit darum hat dann eine besondere Funktion : er ist nämlich das einzige, was das Paar noch miteinander verbindet und verhindert letztendlich so manche ( auch ungewollte ) Trennung.

 

Darf man einer Statistik glauben, sind  Paare, die sich für ein gemeinsames Konto entschieden haben, auf das beide gleichberechtigt zugreifen können, stabiler und weniger trennungsgefährdet.

Denn eine gemeinsame Kasse entspricht auch der Vorstellung eines Liebes- Lebens:  „wir leben zusammen und teilen, was wir haben“ .

 

Voraussetzung dafür sind aber trotzdem klare Absprachen : Was können wir uns monatlich leisten und wer behält den Überblick über Einnahmen und Ausgaben ?

Das gemeinsame Konto ist die romantische Antwort auf die Frage : Geld oder

Liebe .

Gegenseitiges Vertrauen und Respekt sind  eben auch in Finanzfragen wichtige Pfeiler einer glücklichen Beziehung.