Trauer: Die Begegnung mit dem Tod

 

Immer wieder werden wir mit dem Thema Abschied und Tod konfrontiert.

Wenn es uns dann aber ganz persönlich trifft und wir einen geliebten Menschen verlieren, ist dies eine dramatische Erfahrung, die unser Leben völlig auf den Kopf stellt.

 

Sich von einem Menschen zu verabschieden ist ein langsamer und lang andauernder Prozess. Wir benötigen Zeit, bis wir die Trauer überwinden und die Endgültigkeit der Trennung akzeptieren.

 

Leider hat die westliche Gesellschaft das Sterben und den Tod aus dem Alltagsleben verdrängt. Durch die Kulturgeschichte hindurch haben Trauerbräuche und Rituale eine stabilisierende und sinnstiftende Rolle gespielt, die nun fehlen.

Unsere Trauerkultur hat sich verändert. Der offene Ausdruck von Schmerz, Wut und Verzweiflung über den Verlust eines nahe stehenden Menschen wird von der Umgebung eher mit Unbehagen betrachtet.

Deshalb versuchen viele Trauernde ihre Gefühle zu verdrängen. Durch körperliche Aktivitäten , Ablenkung oder mit Hilfe von Tabletten und Alkohol, versuchen manche der schwierigen Trauerarbeit zu entgehen.

Dabei ist Trauer notwendig, um den Verlust seelisch zu verarbeiten.  Das Ziel des Trauerprozesses ist der endgültige innere Abschied von dem Verstorbenen, die Annahme des Verlustes und die Bereitschaft, sich wieder dem Leben zuzuwenden.

 

 

Der Trauerprozess läuft in verschiedenen Phasen ab, die durch unterschiedliche Gefühle und Gedanken gekennzeichnet sind :

 

  Nicht –Wahrhaben -Wollen

Der Tod eines Menschen schockiert immer, auch wenn er nicht unerwartet kommt. Viele Trauernde sind wie erstarrt, verstört und apathisch.

Das Geschehene wird noch nicht erfasst, man leugnet es ab, man kann und will es nicht glauben.

 Manchmal treten auch heftige körperliche Reaktionen auf :  Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstörungen, Schwitzen , Übelkeit und Erbrechen.

Diese Phase kann Tage – aber auch mehrere Wochen dauern, - vor allem wenn ein Todesfall plötzlich eingetreten ist.

 

  Aufbrechende Gefühle

In dieser Phase werden unterschiedlichste Emotionen wie Wut, Zorn, Angst, Hilflosigkeit, Einsamkeit und Verzweiflung erlebt.

Manchmal setzt die Suche nach einem „Schuldigen“ ein,  z.B. Ärzten, Pflegepersonal, evtl. dem Unfallverursacher oder Menschen, die dem Verstorbenen sein Leben schwer gemacht haben -  Hass entwickelt sich.

 

Besonders schwierig und ein großes Tabu ist es , wenn sich die Wut gegen den Verstorbenen selbst richtet . Vielleicht hat dieser durch einen ungesunden Lebenswandel ( rauchen, Alkohol, riskante Sportarten ) zu einer Erkrankung beigetragen,- die, wenn vielleicht auch nicht unmittelbar, zu seinem Tod geführt hat ? Gerade aber das Zulassen von aggressiven Gefühlen kann helfen, nicht in Depressionen zu versinken.

 

Viele Trauernde werden auch von großen Schuldgefühlen heimgesucht. Sie machen sich meist unberechtigte Vorwürfe, dass sie dem Verstorbenen nicht helfen konnten oder ihn nicht liebevoll und gut gepflegt haben.

Einige Trauernde quälen sich auch mit dem Gedanken, dass manche Dinge in der Beziehung ungesagt geblieben sind, manche Sachen nicht zu Ende gebracht werden konnten. Besonders belastend können solche Selbstanklagen sein, wenn der Tod in einer Streitphase in der Beziehung eintrat.

 

Schließlich spielt auch Angst eine Rolle. Existenzsorgen und die Unsicherheit bezüglich der eigenen Zukunft ohne den Verstorbenen, stürzen die Trauernden oft in Verzweiflung.

Nur wenn all diese Emotionen erlebt und zugelassen werden, kann der Trauerprozess voranschreiten.

 

  Langsame Neuorientierung

Der Trauernde findet sich langsam mit dem Verlust ab. Es ist eine Zeit der Erinnerungen an den Verstorbenen . Der Betroffene denkt an die schönen, wie auch enttäuschenden Erfahrungen, die er in der Beziehung erlebt hat.

Die belastenden Gefühle verlieren langsam an Intensität. Irgendwann entwickelt sich nun ein zunehmendes inneres Akzeptieren des Verlustes. Die Realität wird erkannt: der Verstorbene wird nie wiederkehren und das Leben muss nun ohne ihn weitergehen .

 

 Neues inneres Gleichgewicht

Der Trauernde empfindet ein neues seelisches und körperliches Gleichgewicht. Er wird wieder aktiv und beginnt seinen Blick auf die Zukunft zu richten.

Neue Beziehungen, neue Verhaltensmöglichkeiten und neue Lebensstile sind nun möglich. Die Einstellung zu sich selbst und zu den eigenen Fähigkeiten hat sich verändert.

 

Dies ist ein „ normaler“ Verlauf der Trauer. Es kann aber auch zu Störungen des Trauerprozesses kommen, so dass eine krankhafte Trauerreaktion entsteht, - nämlich dann, wenn negative Gefühle übermäßig intensiv oder über einen ungewöhnlich langen Zeitraum hinweg auftreten.

Sicherlich kommt es zeitweise zu Rückschlägen, aber normalerweise sollte die Trauerarbeit nicht länger als 3 Jahre dauern.

 
Allerdings gibt es Gründe, warum sich dies auch verzögern kann, z.B. bei Selbsttötung, einem Unfall oder dem Tod eines Kindes.

 

In manchen Fällen wird es daher notwendig sein, psychotherapeutische Hilfe zu suchen.

In der Therapie erhält der Trauernde Unterstützung darin, mit den Gefühlen des Schmerzes, der Wut oder auch der Schuld in Kontakt zu kommen, diese Gefühle zuzulassen und zu bewältigen.

Im Verlauf der Behandlung werden die einzelnen Phasen des Trauerprozesses noch einmal durchlebt und so eine Überwindung des Verlustes ermöglicht. Dies kann für den Trauernden sehr schmerzhaft sein, aber es wird ihm helfen sich wieder dem Leben zuzuwenden.

 

Ganz wichtig sind für den Betroffenen auch die Hilfe und Unterstützung von Freunden, Kollegen oder Nachbarn.

Viele Menschen sind im Umgang mit Trauernden sehr gehemmt und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Dabei ist das gar nicht so schwer : Anfangs geht es darum, einfach da zu sein und zuzuhören, ohne viel zu fragen.

 Man kann bei notwendigen täglichen Arbeiten helfen und den Betroffenen bei Behördengängen unterstützen.

 

Später ist es für den Trauernden hilfreich, wenn er seine Gefühle offen zulassen kann und über mögliche Schuldgefühle sprechen kann, ohne sich dafür schämen zu müssen.

Er wird gerne mit anderen Menschen über seine Erinnerungen an den Verstorbenen reden und wird immer wieder Hilfe brauchen, wenn es um die Bewältigung seines Alltags geht.

Vermeiden Sie Floskeln wie : „ die Zeit heilt jeden Schmerz“ oder „ das wird schon wieder“ !

 

Schenken Sie dem Trauernden etwas von Ihrer Zeit und haben Sie Geduld, auch wenn sich die Gespräche immer wieder im Kreis drehen.

Irgendwann benötigt der Trauernde auch Unterstützung, wenn es darum geht, sich wieder neu zu orientieren und wieder aktiv am Leben teilzunehmen.

 Gemeinsame Unternehmungen, die den Betroffenen auch in Kontakt zu anderen Menschen bringen, sind dann angesagt.

 

Eines Tages ist es an der Zeit, die Trauerbegleitung behutsam zu beenden.  

Jetzt ist es für  den Trauernden besonders wichtig, dass Familie und Freunde den Veränderungen in seinem Beziehungsnetz ( z.B. einem neuen Lebenspartner ) positiv gegenüber stehen und dass sie akzeptieren, dass sich dieser nun vielleicht anders verhält und anders lebt als zuvor.