Trennung: Wenn der Partner geht

 

Verlassen zu werden, gehört zu den schmerzlichsten Erfahrungen in unserem Leben.

Kaum jemand, der heiratet oder sich zu einer festen Lebensgemeinschaft entschließt, denkt daran, dass auch ihm das passieren könnte. Schließlich hat man sein Leben auf eine gemeinsame Zukunft ausgerichtet und hofft, zusammen alt werden zu können.

 

Entscheidet sich unser Partner jedoch zu einer Trennung, sind wir wie vor den Kopf gestoßen und fallen in ein tiefes Loch. Diese Situation schafft meist völlig neue Lebensumstände, denen wir zunächst hilflos gegenüberstehen.

 Abhängig von unserer Persönlichkeit, unserem Alter, unserem Lebenskonzept, dem Ausmaß der Veränderungen und der Unterstützung von außen, dauert es normalerweise 2 bis 4 Jahre, bis man so eine unfreiwillige Trennung überwunden und verarbeitet hat.

 

Besonders schwierig gestaltet sich die Situation für Menschen, für die der Partner die einzige wichtige Bezugsperson war, die ihr Leben rund um den Partner aufgebaut haben und die bisher noch nie allein gelebt oder ihr Leben allein in die Hand genommen haben. Vor allem für ältere Menschen, die nach langer Ehezeit verlassen werden, ist die Trennung schwer zu verkraften.

 

Entscheidend ist auch, ob die Trennung unerwartet kam, welche Verluste man hinnehmen musste ( Wohnung, Haus, Kinder, finanzielle Absicherung ) und in wieweit der Verlassene von seinem Partner abhängig war.

 

Die ersten Wochen nach einer Trennung wollen viele Betroffene einfach nicht wahrhaben, was passiert ist. Manche haben zwar schon vor Monaten gemerkt, dass es in der Beziehung nicht mehr so gut klappt und dass es durchaus Konflikte gab, aber an Trennung haben sie nie gedacht.

Auch Hinweise des Partners haben sie entweder nicht verstanden oder nicht für so ernst genommen.

Doch nun ist die „Katastrophe“ eingetreten und die Tatsache, dass der Partner sie verlassen hat, wird zunächst verleugnet . Verleugnung ist eine normale menschliche Reaktion auf eine Krise, die plötzlich kommt und zu überwältigend ist, als dass man sich ihr stellen könnte.

Sie hoffen, dass der Partner es sich doch noch einmal überlegt und wieder zurückkommt. Sie bitten ihn, ihrer gemeinsamen Beziehung noch eine Chance zu geben und versprechen sich zu ändern . Viele versuchen die Trennung zunächst  vor Freunden, Verwandten, Nachbarn und Kollegen zu verbergen.

Solange man auf eine Versöhnung hofft, spürt man immer wieder Sehnsucht, erlebt Schmerz und Enttäuschung.

 

Doch irgendwann kommen zu diesen Gefühlen neue hinzu : Ärger, Wut und Trauer wechseln sich ab mit Verzweiflung und Ängsten.

Dies ist ein erstes und wichtiges Zeichen dafür, dass man beginnt die Tatsachen zu akzeptieren und die Trennung zu verarbeiten.

Es wird Augenblicke geben, in denen die Betroffenen glauben, langsam wieder alles in den Griff zu bekommen und  Augenblicke, in denen sie scheinbar völlig die Kontrolle über sich und ihre Gefühle verlieren.

Meistens treten auch körperliche Beschwerden auf : Schlaf – und Konzentrationsstörungen, Kreislaufprobleme, Magenschmerzen.

Es kommt zu verändertem Essverhalten, depressiven Verstimmungen und innerer Unruhe.

Um mit den verschiedenen negativen Gefühlen umgehen zu können, ist es wichtig, sie zunächst einmal als normal und durchaus berechtigt zu akzeptieren und sich Zeit zu nehmen, sich mit ihnen auseinander zu setzen.

 

Für viele Menschen, die verlassen wurden, ist vor allem das Alleinsein nur schwer zu ertragen. Doch Alleinsein muss nicht zwangsläufig zu Einsamkeit führen. Einsamkeitsgefühle entstehen dann, wenn man sich mit sich selbst langweilt, sich

selbst nicht genug ist, wenn immer Menschen um uns herum waren, die uns unsere Probleme abgenommen haben oder auch wenn wir unserem Leben keinen Sinn geben.

Man sollte sich bewusst machen, dass das Alleinsein auch gute Seiten hat : Man kann sich seine Zeit frei einteilen und Dinge tun, die man gern tun möchte – ohne auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen.

 

Nach einer Trennung sind Wut oder Rachegelüste sehr häufig. Vor allem dann, wenn der Partner einen anderen Menschen liebt und mit ihm zusammen ist. Man fühlt sich erniedrigt, gedemütigt und in der eigenen „Männlichkeit“ oder „Weiblichkeit“ verletzt.

Wut und Hass sind Gefühle, die sehr viel Energie kosten, die man eigentlich besser zur Bewältigung der veränderten Lebenssituation bräuchte.

Wer die Wut direkt am Partner auslässt, riskiert Gegenaktionen und verschärft noch die bestehenden Spannungen.

Häufig sind auch die Kinder ein Mittel, um die Wut gegenüber dem Partner zu zeigen ( Einhaltung der Besuchsregelung, Unterhaltszahlungen usw. ).

Aber Wut hat auch etwas Positives : sie setzt Aktivität frei und hilft uns , uns von der geliebten Person innerlich loszulösen. Da man Wut und Liebe nicht gleichzeitig empfinden kann, bedeutet dies auch einen Fortschritt im Bearbeitungsprozess.

 

Nach einiger Zeit stellen sich bei den Verlassenen meist auch Selbstzweifel und Selbstvorwürfe ein. Man beginnt sich selbst abzuwerten, entwickelt Minderwertigkeitsgefühle und glaubt, nicht gut genug für den Partner gewesen zu sein.

Besser wäre es, sich konkret damit auseinander zu setzen, was in der Beziehung schiefgelaufen ist und welchen Anteil jeder am Scheitern der Partnerschaft hatte. Wie und wodurch haben sich beide in der Beziehung verändert ?

 

Viele Geschehnisse können zu Konflikten und sogar zum Scheitern einer Partnerschaft führen : Geburt eines Kindes, Arbeitsplatzwechsel, Krankheit, ein neues Hobby, finanzielle Sorgen, der Bau eines Hauses, der Aufbau einer Firma, der Auszug der Kinder, usw.

Zudem entwickelt und verändert sich die Persönlichkeit eines Menschen im Laufe seines Lebens. Die gemeinsamen Erwartungen, Vorstellungen und Lebenseinstellungen können sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln, so dass ein Zusammenleben schwierig , bzw. unmöglich wird.

 

 

All diese Emotionen sind anfangs sehr stark, aber sie lassen in ihrer Intensität immer mehr nach. Von gelegentlichen Rückschlägen abgesehen, beginnen die meisten Betroffenen nach einiger Zeit ihr Leben wieder aktiv zu gestalten.

Einige sehen nun die vergangene Beziehung und den Expartner in einem völlig anderen Licht und langsam kehrt auch die innere Ruhe wieder ein. Viele gewinnen ein neues Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, da es ihnen gelungen ist, auftretende Probleme und Schwierigkeiten allein und mit Erfolg zu bewältigen.

 

 

Dennoch gibt es einige Ratschläge die Ihnen helfen können, die schwere Zeit nach einer Trennung besser zu verkraften :

 

1.    Führen Sie ein Tagebuch, dem Sie alle Gefühle und Gedanken anvertrauen . Schriftliche Aufzeichnungen helfen, etwas Ordnung in das Gefühlschaos zu bringen .

 

2.    Vermeiden Sie es, unnötigen Kontakt mit dem Partner aufzunehmen und meiden Sie Orte und Situationen, an denen Ihr Partner Ihnen begegnen könnte.

 

3.    Halten Sie Kontakt zu Freunden zu Bekannten. Lehnen Sie Einladungen nicht ab, auch wenn Ihnen nicht nach einem Besuch zumute ist. Jede Art von Ablenkung tut gut – deshalb sollten Sie, soweit möglich, auch weiterhin Ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen.

 

4.    Planen Sie Ihren Tagesablauf, besonders die Abende und Wochenenden. Geben Sie Ihrem inneren Durcheinander eine äußere Struktur.

 

5.    Verschieben Sie große Entscheidungen auf später. Vieles, was Sie kurzfristig entscheiden, wird von negativen Gefühlen bestimmt – Sie könnten es später bereuen.

 

6.    Behandeln Sie Ihr Äußeres und Ihren Körper aufmerksam und liebevoll, vernachlässigen Sie sich nicht ! Sport hilft Wut und Aggressionen abzubauen.

 

7.    Vermeiden Sie Alkohol und Tabletten. Sie helfen nur kurzfristig den Schmerz nicht zu spüren, können aber Ihr Problem nicht beseitigen , sondern schaffen womöglich ein weiteres : Sucht und  Abhängigkeit .

 

8.    Sammeln Sie alles ein, was Sie in Ihrer Wohnung an den Partner erinnert. Verpacken Sie alles in Kisten und stellen Sie diese in den Keller. Werfen Sie vor allem Erinnerungsgegenstände nicht sofort weg, denn später könnte es Ihnen Leid tun. Schließlich sind diese Dinge ja auch ein Teil Ihrer eigenen Vergangenheit. Gestalten Sie die Wohnung nach Ihren Wünschen etwas um.  Oft genügen schon kleine Veränderungen, damit Sie sich wieder wohler fühlen.

 

9.    Beginnen Sie einen eigenen Bekanntenkreis aufzubauen. Belegen Sie Kurse in der VHS, suchen Sie sich ein neues Hobby oder nehmen Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe für Geschiedene oder Alleinerziehende auf.

 

10. Legen Sie sich eine Liste von Dingen an, die Sie tun wollen, um Ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen. Ordnen Sie diese Dinge nach Dringlichkeit und beginnen mit dem Wichtigsten ( z.B. einen Anwalt anrufen, zum Arbeitsamt gehen, einen Arzttermin vereinbaren, usw. )

 

11. Wenn Sie mit der Situation und Ihren Gefühlen nicht fertig werden, suchen Sie sich Hilfe in einer Beratungsstelle oder bei einem Psychotherapeuten. Vor allem dann, wenn Sie schon daran gedacht haben, sich das Leben zu nehmen oder in letzter Zeit übermäßig Alkohol, Schlaf-oder Beruhigungsmittel konsumieren.

     Oft helfen schon wenige Gespräche mit einer neutralen Person eine Trennung  

      besser zu verarbeiten, andere Sichtweisen zu gewinnen und neue

      Lebensperspektiven zu entwickeln.

 

      Gerade auch im Hinblick auf eine neue Partnerschaft kann es nötig sein, die

      vergangene Beziehung  und die Gründe für deren Scheitern genauer zu

      analysieren.