Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen

 

 

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind zu dick. Bereits jedes 5. Kind hat Übergewicht und leidet deshalb oft schon in jungen Jahren an Haltungsschäden, Herz-Kreislauferkrankungen und so genannten  „Alterserkrankungen“, wie Diabetes 2.

Obwohl die Eltern heutzutage meist bestens informiert sind über gesunde Ernährung ,essen unsere Kinder immer mehr, immer fetter und immer süßer.

 

Schon immer war das Essen nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern diente auch der Befriedigung emotionaler Bedürfnisse. So ist das Stillen die erste Form der Kommunikation zwischen Mutter und Kind und vermittelt Geborgenheit und Sicherheit.

Essen „hilft“ bei Ängsten, Überforderungen, Ärger, Trauer, Wut , Zurückweisung , Einsamkeit und Langeweile.

 

Jeder Mensch nimmt zu, wenn seine Energiebilanz nicht ausgeglichen ist, d.h. man nimmt mehr Kalorien zu sich, als man verbraucht.

Schuld sind bei Kindern zuwenig Bewegung, übermäßiges Essen  ( Schlaraffenland im Kühlschrank ), sehr kalorienreiches Essen und Trinken (  Fast-Food-Buden ),  Stress, Langeweile und Frust.

 

Mangelnde Bewegung ist bei Kindern ein entscheidender Faktor für eine Gewichtszunahme.

Oft wird schon kleinen Kindern ihr natürlicher Bewegungsdrang „abtrainiert“, da die Mietwohnung oft zu wenig Platz bietet, die anderen Mitbewohner sich über Kinderlärm beschweren und die Gestaltung der  Spielplätze immer weniger Anreiz bietet.

Ein besonderer Faktor ist auch das Fernsehen und das Computerspielen.

Schon Dreijährige  werden vor dem Fernseher „geparkt“, weil die berufstätigen Eltern oft überlastet sind und  die Großeltern auch immer weniger Zeit haben und somit als Babysitter ausfallen. Vor allem die Fernsehanstalten behaupten nur zu gerne, dass ihre Programme für Kinder  pädagogisch wertvoll seien und locken mit passender Werbung die Kleinen von morgens bis abends vor die Glotze.

 

So befinden sich die neuen Spielräume auf dem Bildschirm. Hier gibt es zwar keine blauen Flecken und Streit, aber umso mehr psychischen Stress . Die Kinder lernen nicht, sich körperlich zu erproben , ihre Stärken und Grenzen herauszufinden und sich sozial zu verhalten. Wie sollen sie lernen Konflikte zu lösen, wenn ihnen die Wunderwaffen der Computerspiele nicht zur Verfügung stehen ?

 

Gerade Sendungen und Spiele, die das Kind emotional aufwühlen , verführen zum Knabbern nebenbei. Chips und Schokolade helfen die Ängste und Unsicherheiten zu mindern.

Zu hoffen ,dass Kinder von sich aus ihren Bildschirmkonsum beschränken, ist meist vergeblich. Oft hilft nur , die Zeit einzuschränken, die vor dem Fernseher, der Playstation oder dem Computer verbracht werden darf.

Da viele Kinder und Jugendliche fast schon automatisch auf den Fernsehknopf drücken, sollte in erster Linie etwas gegen die Langeweile getan werden. Bieten Sie Mitgliedschaften in Vereinen oder Jugendgruppen an und fördern Sie Freundschaften Ihres Kindes.

60 %  aller Kinder betreiben keinen Sport !  Ganz wichtig :  Bewegung muss Spaß machen !

Sportvereine bieten ein vielseitiges Programm an ,- da sollte jedes Kind etwas passendes finden.

 

Während manche Kinder freudig auf die Unterstützung ihrer Eltern hinsichtlich neuer Freizeitaktivitäten reagieren, fällt es vielen sehr schwer sich zu etwas aufzuraffen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, warum es keine Lust hat. Oft haben Kinder Angst auf andere zuzugehen ,oder  sie schämen sich aufgrund ihres Übergewichts und werden gehänselt.

Dann hilft es , wenn die Eltern einen Erstkontakt , z.B. zu einer Jugendgruppe herstellen und im Vorab mit dem Jugendleiter die speziellen Probleme Ihres Kindes besprechen.

 

Ein weiterer Punkt ist das Thema „Schule“. Wie ein gesundes Pausenbrot aussehen sollte, wissen wir eigentlich alle. Oft muss es morgens in vielen Familien aber schnell gehen, deshalb bekommen die Kinder etwas Geld in die Hand gedrückt, um sich etwas kaufen zu können. Entweder wird dann auf dem Schulweg beim Bäcker etwas Süßes mitgenommen, oder beim Pausenverkauf zugeschlagen. Leider gibt es dort meist wenig Gesundes und die Kinder nehmen gar zu gerne die angebotenen Schokoriegel, Pizzastücke und Hotdogs.

Um dies zu ändern, sollten sich Elternvertretung und Schulleitung zusammensetzen, um für eine gesündere Verpflegung zu sorgen.

 

Vor allem Kinder , die Schwierigkeiten in der Schule haben, werden leicht zum Frustesser.

Überforderung, schlechte Noten und Mobbing im Klassenzimmer lassen viele zum Naschwerk greifen.

 Bei einem Kind, das jeden Nachmittag stundenlang an den Hausaufgaben sitzt, kommen automatisch Bewegung , Spiel und Freunde zu kurz. Wenn dann auch noch der erwünschte Notenerfolg ausbleibt, bekämpfen viele Kinder ihre Mutlosigkeit und ihren Frust mit Chips und Schokolade. In diesem Fall sollte man das Gespräch mit den Lehrern suchen, um herauszufinden, warum das Kind überfordert ist.

 

Viele Kinder werden morgens mit dem Auto direkt vor die Schultür gefahren und mittags ebenso wieder abgeholt. Dabei würde es ihnen gut tun, morgens zum Aufwachen zur Schule zu laufen und nach der Schule auf dem Nachhauseweg mit Freunden „Dampf“ abzulassen und sich nach dem Stillsitzen zu bewegen.

 

Die Familie spielt beim Thema „Essen“ eine große Rolle. Schon kleine Kinder werden mit Süßigkeiten beruhigt und getröstet. Was liegt dann näher, als dass sich Kinder später bei Problemen an das beruhigende Gefühl erinnern, das ihnen Essen vermittelt hat ?

In vielen Familien ist es üblich, Kinder für gutes Benehmen oder gute Noten „fett“ zu belohnen.

 Besonders Eltern , die meinen zuwenig Zeit für ihr Kind zu haben, bekämpfen ihre Schuldgefühle damit, indem sie ihrem Kind „Gutes“ tun. Prüfen Sie sich selbst, in welchen Situationen Sie ein schlechtes Gewissen haben und was Sie dann ihrem Kind, quasi als Ersatz für Zuwendung, anbieten. Man kann Kinder auf vielerlei Arten belohnen und trösten, nicht nur mit einem neuen Game-Boy-Spiel oder einem Essen bei Mac Donalds.

 

 

In den Familien haben sich die Essgewohnheiten grundlegend geändert. Unterschiedliche Arbeits-und Schulzeiten haben dazu geführt, dass sich Familien oft nur noch selten zusammen an einen Tisch setzen.  Ein gemeinsames Essen findet meist nur  am Wochenende statt und dann werden alle Probleme, die die Woche über aufgetreten sind , besprochen. Die Atmosphäre bei Tisch ist selten entspannt und Streit und Auseinandersetzungen vorprogrammiert. So manches Kind greift dann besonders viel zu.

 

Schon kleine Kinder sollten die Menge, die sie essen möchten, selbst bestimmen können. Die Zeiten, wo ein „liebes“ Kind seinen Teller leer isst, sind vorbei ! Die Kinder können sonst kein Gespür dafür entwickeln, wie sich „satt“ oder „hungrig“ anfühlen.

 

Gemeinsames Kochen, ein liebevoll gedeckter Tisch und ausreichend Zeit beim Essen können das Essverhalten  positiv verändern.

Gerade Jugendliche in der Pubertät leiden sehr an ihrem Übergewicht. Liebeskummer, Ärger mit den Eltern und in der Schule, sowie schlechte Zukunftsaussichten belasten sehr. Diese Probleme sind für viele Jugendliche ein Auslöser noch mehr zu essen und süße Limonaden oder Alkohol zu konsumieren.  Die Folge davon sind noch mehr Kilos und noch mehr Frust.

Helfen Sie ihrem Sohn oder ihrer Tochter durch Gespräche die Auslöser für Essattacken zu erkennen und bieten Sie ihnen Hilfe bei der Lösung ihrer Probleme an.

 

Da Kinder und Jugendliche keine der üblichen Diäten machen dürfen, sollten Sie sich Beratung bei Kinderärzten und Krankenkassen suchen, die wertvolle Tipps und kindgerechte Ernährungsprogramme anbieten.

 

 Auch ein Besuch beim Kinderpsychologen oder Therapeuten kann helfen, wenn familiäre oder seelische Probleme schuld an übermäßigem Essen sind.