Weihnachten für Scheidungskinder

 

 

Weihnachten ist traditionell das Fest der Familie. Was aber, wenn die Familie so nicht mehr existiert, weil die Eltern sich getrennt haben ?

Schon in „intakten" Familien hängt an Weihnachten häufig der Haussegen schief. Die Hoffnungen sind groß und die Ansprüche hoch, jeder träumt von Harmonie und einem friedlichen Fest, an dem sich alle Familienmitglieder glücklich unterm Tannenbaum versammeln. Die Realität sieht leider in vielen Familien anders aus. Die Erwartungen erfüllen sich oft nicht : die Stimmung ist angespannt, es kommt zu Streitereien, Unstimmigkeiten, Enttäuschungen und Eifersucht.

 

Bei Trennungs-und Patchworkfamilien ist es meistens noch schwieriger. Gerade wenn der Umgang schon das ganze Jahr über zwischen getrennt lebenden Eltern nicht funktioniert, wird das Weihnachtsfest zu einer enormen Herausforderung und zu einem seelischen Gefühlschaos.

Ob Weihnachten auch für Scheidungskinder ein frohes Fest werden kann, hängt also wesentlich davon ab, ob die Eltern nach der Trennung einen Weg gefunden haben, die Verantwortung für ihre Kinder auch weiterhin gemeinsam zu tragen und in der Lage sind, vernünftige Regelungen und verbindliche Absprachen zu treffen.

 

In Deutschland leben rund 2,5 Millionen Kinder unter 16 Jahren bei einem Elternteil oder in einer Patchworkfamilie. Viele dieser Kinder wünschen sich nichts mehr, als Weihnachten mit der kompletten Familie zu feiern - für die meisten getrennten Eltern eher ein Alptraum ! Um des lieben Friedens willen, stimmen manche sogar einem gemeinsamen Fest zu und überfordern damit letztendlich sich und alle Beteiligten, vor allem, wenn neue Partner mit im Spiel sind. Es kann keine harmonische Weihnachtsfeier geben, wenn die Stimmung angespannt ist, weil jeder sich mühevoll beherrscht und versucht Sticheleien, Vorwürfe und Auseinandersetzungen zu vermeiden. Kinder spüren schnell die gereizte Stimmung und haben Angst, dass ein offener Streit ausbricht, anstatt sich freuen zu können.

Zudem machen sich Kinder schnell falsche Hoffnungen, dass ein gemeinsam verbrachtes Weihnachtsfest der Auftakt zu einer Versöhnung der Eltern sein könnte.

 

Daher ist es in den meisten Fällen besser, die Feiertage getrennt zu verbringen. Ein klares „Nein" zu einem gemeinsamen Fest führt vielleicht im Vorfeld zu Wut und Tränen bei den Kindern, verhindert aber später den großen Krach unterm Weihnachtsbaum. Auch wenn es schwer fällt - irgendwann muss jedes Kind lernen zu akzeptieren, dass sich die Eltern getrennt haben und dass Weihnachten nie mehr genauso sein wird wie früher!

Trotzdem verspüren auch Kinder, deren Eltern schon länger getrennt sind und die an sich damit im Alltag gut zurecht kommen, an Weihnachten eine gewisse Trauer. Sie denken an die  Zeit, als Vater, Mutter und Geschwister noch zusammen feierten und erinnern sich an frühere Rituale und schöne Momente. Wichtig ist es, dass die Kinder dann mit den Eltern über ihre Gedanken und Gefühle reden können. Gerade in der Weihnachtszeit brauchen Scheidungskinder deshalb oft besondere Zuwendung und Unterstützung. Auch wenn sich Geschiedene oft nur ungern an frühere Weihnachtsfeste erinnern, weil  so ein Rückblick mitunter auch schmerzen kann oder sie vielleicht schon einen neuen Partner haben  - die Kinder  haben ein Recht auf schöne Erinnerungen !

 

Wie aber soll man das Weihnachtsfest dann verbringen ? Ein Patentrezept gibt es leider nicht und eine 100prozentige Lösung, die alle zufrieden stellt , vermutlich auch nicht.

Wichtig ist, dass die Eltern den Ablauf der Festtage rechtzeitig planen und dass über das wo, wann und wie verbindliche Absprachen getroffen werden. Kinder können sich problemlos auch auf zwei Feiern einstellen, aber nicht auf zwei, sich bekriegende Elternteile.

 Wenn die Eltern sich nicht einigen können, entscheiden in der Regel die Familiengerichte so, dass das Kind Heiligabend und den ersten Weihnachtsfeiertag bei dem Elternteil verbringt, bei dem es regelmäßig wohnt, der zweite Feiertag gehört dann dem anderen Elternteil. Diese von Gerichten getroffenen Entscheidungen sind jedoch nur Notlösungen !  Oft erweisen sich diese Regelungen als unpraktisch, vor allem wenn die Kinder noch klein sind oder die Wohnorte der getrennten Eltern weiter auseinander liegen. Für die Kinder sind solche Feiertage dann eher eine Belastung !

In solchen Fällen wäre es vernünftiger und besser, wenn die Kinder die ganzen Weihnachtsfeiertage  im Wechsel, mal bei dem einen und im nächsten Jahr bei dem anderen Elternteil verbringen könnten. Als Ausgleich wären dann ja auch noch die Osterfeiertage denkbar.

 

Keine gute Lösung ist es übrigens, wenn Eltern die Kinder unter sich „aufteilen". Werden die Geschwister auch noch getrennt, hat es für sie schnell den Anschein, dass nun  sogar die ganze Familie zerrissen ist.

Ältere Kinder kann und sollte man durchaus mitbestimmen lassen, wie sie Weihnachten verbringen möchten und das Fest nicht einfach über ihre Köpfe hinweg organisieren. Allerdings sind Kinder bei der Entscheidung, bei wem sie Weihnachten verbringen möchten, klar überfordert und geraten in einen Loyalitätskonflikt. Denn die Entscheidung für ein Elternteil bedeutet ja immer gleichzeitig eine Entscheidung gegen das andere Elternteil. Diese Aufgabe müssen demnach schon die Eltern selbst lösen !

 

Kinder sollten das Fest bei beiden Elternteilen genießen dürfen. Es ist für Kinder sehr belastend, wenn sie spüren, dass Mama traurig ist, weil sie bei Papa sind oder umgekehrt ! Auch unbedachte Bemerkungen, wie „morgen musst du noch zu Papa", das Ausfragen, wie es denn bei „Mama und ihrem neuen Freund" war oder böse Sticheleien verderben jedem Scheidungskind das Weihnachtsfest.

Schön wäre es z.B., wenn die Eltern jüngeren Kindern helfen für das jeweils andere Elternteil Geschenke zu basteln oder zu besorgen. So können sich Kinder auch auf das „andere" Weihnachten freuen und müssen nicht auf die Gefühle ihrer Eltern Rücksicht nehmen.

 

Ein weiterer Streitpunkt ist auch das Thema „Geschenke". Leider ist es so, dass die Eltern dabei häufig zueinander in Konkurrenz treten und versuchen, sich gegenseitig  zu übertrumpfen. Geschenke werden dann missbraucht, um das Kind mehr an sich zu binden. Natürlich ist es sinnvoller und vor allem für die Erziehung der Kinder besser, wenn sich die Eltern ( und auch die Großeltern ! ) vor Weihnachten über die Geschenke absprechen. Verstehen sich die Erwachsenen nicht, kann es passieren, dass der Vater das kauft, was die Mutter nicht möchte und umgekehrt. Die Leidtragenden sind wie so oft die Kinder, die dann mit Geschenken überhäuft werden oder das Gleiche zweimal bekommen.

Außerdem sollten Kinder Geschenke von dem Elternteil, der nicht mehr im gemeinsamen Haushalt lebt, annehmen und auch mit nach Hause nehmen dürfen !

In Patchworkfamilien müssen die Eltern besonders darauf achten, dass es zwischen den Stiefgeschwistern gerecht zugeht, was die Menge und den Wert der Geschenke angeht.

 

Getrennt lebende Eltern sollten sich auch gegenseitig keine Vorschriften machen, wie gefeiert werden soll. Was es zu essen gibt, ob Großeltern oder andere Verwandte eingeladen werden, ob man den Kindergottesdienst besucht oder wann die Kinder abends in Bett gehen, muss jedes Elternteil für sich entscheiden können.

Schließlich muss jede Teil - oder Patchworkfamilie wieder neue Rituale einführen dürfen, die den Kindern ein Gefühl der Geborgenheit schenken.

Vorsichtig sollten Eltern sein, wenn sie ihre neuen Partner mit in die Familie einführen möchten. Weihnachten ist dafür nicht gerade der ideale Zeitpunkt - die Kinder werden den  oder die „Neue" wohl kaum mit offenen Armen aufnehmen und auch für den neuen Partner ist die Situation meist eher unangenehm.

Gerade wenn die Trennung noch sehr frisch und schmerzhaft ist, sollten die Eltern eine persönliche Begegnung an den Feiertagen nach Möglichkeit vermeiden. In dieser Zeit kochen die Emotionen schnell hoch und entladen sich in heftigem Streit und gegenseitigen Vorwürfen. In diesem Fall ist es besser, wenn Verwandte oder gute Freunde sich bereit erklären, die Kinder zum Expartner zu bringen oder von dort wieder abzuholen.

 

Verbringen die Kinder das Fest beim Ex, sollte man für  sich rechtzeitig ein Alternativprogramm überlegen. Oft geht es anderen Geschiedenen genauso, bzw. Freunde oder Familienmitglieder leben auch allein und würden sich über eine Einladung freuen.

Getrennt lebende Eltern, die sich gar nicht einigen können, sollten sich überlegen, ob nicht eine Familienberatung ihnen helfen könnte, ihre Probleme und Konflikte miteinander zu lösen.

 

Denn eines sollten getrennt lebende Eltern immer bedenken :

Ein „Waffenstillstand" ist das schönste Weihnachtsgeschenk, das sie ihren Kindern machen können !