Weihnachten in der Familie: Fröhliche Weihnachten

         Fröhliche Weihnachten !“ 

 

wünschen wir uns gegenseitig vor den Festtagen. Vor unserem inneren Auge taucht eine „Bilderbuchfamilie“ unter dem Weihnachtsbaum auf, - eine glückliche und strahlende Mutter , ein liebevoller Vater, zufriedene und wohlerzogene Kinder und verständnisvolle Großeltern.

 

Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Obwohl wir uns an den Weihnachtstagen nach Ruhe und Harmonie in der Familie sehnen, erleben wir gerade dann die meiste Unruhe und die heftigsten Auseinandersetzungen im ganzen Jahr.

Dies liegt zum einen an den hohen Erwartungen, die man an sich und an die anderen stellt –  aber auch an der Gestaltung selbst.

 

Die Vorweihnachtszeit ist für die viele Menschen voller Hektik und Stress.  

Die Jagd nach Geschenken und die unzähligen Vorbereitungen – Weihnachtsbaum besorgen, die Wohnung dekorieren, Großputz, einkaufen, kochen und backen, - belasten so sehr, dass man am  24.Dezember erschöpft im Sessel sitzt und nur noch seine Ruhe möchte.

Doch dann geht der Ärger erst richtig los ! Die Eltern sind gereizt, kleine Kinder überdreht und übermüdet, Teenager „ mufflig“ und ältere Verwandte der Meinung, dass früher alles besser war. Dann genügt schon eine Kleinigkeit , z.B. ein Geschenk, das eher enttäuscht als erfreut, und die Stimmung explodiert.

 

Deshalb sollte man seine Erwartungen herunterschrauben. Orientieren Sie sich an der Realität und nicht an der „Bilderbuchfamilie“ !

Das Verhalten der einzelnen Familienmitglieder wird sich nicht wesentlich ändern, nur weil Weihnachten ist. Im Gegenteil : Fühlt sich jemand unter Druck gesetzt, sich anders benehmen und verhalten zu müssen als üblich, wird seine Stimmung eher noch schlechter.

Gerade für Teenager sind die Weihnachtstage oft der willkommene Anlass mal so richtig zu rebellieren und den Erwachsenen zu zeigen, wie „ spießig“ diese doch sind.  Meist mit vollem Erfolg : die Eltern sind wütend und die Großeltern entsetzt.

 

Für viele Familien ist es vor allem die tagelange große Nähe, die unerträglich wird. Im Alltag geht jeder seinen Aufgaben und Hobbys nach , selbst im Urlaub gibt es Ablenkungen – aber nun ist man „gezwungen“ mindestens drei Tage eng zusammen verbringen zu müssen. Gerade aber dieses „Müssen“ kann sehr belastend sein.  Deshalb ist es wichtig, dass auch an den Festtagen jeder einzelne Zeit für sich haben kann.

 

Ebenso ist es unrealistisch zu glauben, dass sich Streit und Konflikte , die das ganze Jahr über in der Familie vorhanden sind, an Weihnachten ausblenden lassen und sich auf  „Knopfdruck“ Harmonie herstellen lässt. In diesem Fall ist es besser, ein gewisses Maß an Distanz zu akzeptieren und die Lösung der Probleme auf die Zeit nach den Feiertagen zu verlegen.

Aber bitte nur verschieben und nicht verdrängen – denn das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt !  

 

Vor allem ( Haus - )Frauen überfordern sich selbst, vor und an den Weihnachtstagen.

Überlegen Sie sich dieses Jahr, welche Tätigkeiten Ihnen besonders schwer fallen und ob Sie diese wirklich unbedingt tun müssen. Viele Dinge macht man nur, weil man sie schon immer getan hat. Bei genauer Betrachtung könnte manches wegfallen, verschoben werden oder man könnte andere Familienmitglieder zur Hilfe heranziehen.  

Machen Sie sich klar, dass es nicht an Ihnen oder an Ihrem Arbeitseinsatz liegt, ob diese Tage gelingen. Der Grundton, der in der Familie das Jahr über herrscht, wird auch an Weihnachten so sein. Kein noch so perfektes Menü wird zerstrittene Verwandte wieder versöhnen können.

 

Gönnen Sie sich lieber schöne und entspannende Momente, damit Sie sich persönlich wohl fühlen und nicht zu sehr gestresst sind – denn eine positive Ausstrahlung und gute Laune kann auch auf andere abfärben !

Also erwarten Sie von sich und anderen nicht zu viel – denn auf hohe Erwartungen folgen oft  tiefe Enttäuschungen.

 

Falls Ihr letztes Weihnachtsfest nicht besonders gut verlaufen ist und alle froh waren, als die Tage vorbei waren, sollten Sie sich überlegen, ob man nicht an der Gestaltung etwas verändern könnte.

 „ Was“ und „wie“ könnte man im Rahmen einer „Familienkonferenz“ einige Tage zuvor klären. Jeder sagt, was ihm persönlich an Weihnachten wichtig ist, auf was er verzichten könnte und welche Änderungen er sich wünscht. Jeder kann frei Vorschläge unterbreiten, alles sollte diskutiert und nichts gleich im Ansatz verworfen werden !

So gewinnt man oft erstaunliche Erkenntnisse :  vielleicht stellt man fest, dass eigentlich keiner den traditionellen Gänsebraten mag und alle lieber Hähnchen essen würden. Oder dass keiner mehr Lebkuchen und Plätzchen sehen kann, die es schon seit Oktober in den Läden gibt. Es könnte auch sein, dass alle an einem Kinobesuch mehr Freude hätten , als an der üblichen , und für die Kinder oft langweiligen, Kaffeetafel am Nachmittag.

 

Ein wichtiger Punkt ist auch die Frage, welche Einladungen man zu Weihnachten ausspricht, bzw. welche Einladungen man annimmt. Besprechen Sie auch dies mit Ihrer Familie. Nichts ist frustrierender als die Feiertage im Auto zu verbringen, um alle Verwandten zu besuchen.

Sicherlich könnten Sie einige Einladungen und Besuche auch auf einen anderen Zeitpunkt verlegen.

 Laden Sie selbst auch nur die Menschen ein, die sie lieben und mögen – und deren Anwesenheit eine Freude für alle ist. Sie müssen es nicht aushalten, dass ein Verwandter Ihnen mit seinem Genörgel und seiner Boshaftigkeit schon jahrelang jedes Weihnachtsfest verdirbt !

Dafür wird vielleicht mit Ihrem Partner eine offene Aussprache nötig sein, doch dann können Sie gemeinsam nach einer Lösung für dieses Problem suchen. Es ist besser, eine solche Angelegenheit einmal zu klären, als nächstes Jahr wieder mit Wut im Bauch dazusitzen.

 

Planen Sie gemeinsam die Gestaltung und den Verlauf des Weihnachtsfestes neu. Sicherlich wird man dabei  Kompromisse eingehen müssen, aber dazu wird jeder gern bereit sein, wenn die eigenen Wünsche auf irgendeine Art und Weise auch berücksichtigt werden.

Dabei wird man auch feststellen können , dass sogar dem „coolsten“ Teenager bestimmte Rituale wichtig sind.

Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, dass die Familie die ganze Zeit zusammen verbringen muss. Gestehen Sie jedem Zeit zu, die er verplanen kann, wie er möchte.

Eltern können sich bei der Betreuung kleiner Kinder abwechseln, so dass das andere Elternteil auch mal „Frei-Zeit“ hat. Alle kommen auf diese Weise mehr zur Ruhe und die Stimmung wird harmonischer sein.  

So können sich Änderungen ergeben, von denen alle nur profitieren.

 

Die einzelnen Familienmitglieder entwickeln sich weiter und damit auch die Familie als Ganzes. So wertvoll und wichtig Traditionen auch sein mögen – Traditionen sind für die Menschen da, sollen Halt und Freude schenken und nicht Stillstand und Ärger bedeuten.